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- 10 Oct 2026
Sobre el podcast
Wer ist nun besser: Kehlmann oder Kafka? Und was macht ein wirklich gutes Buch mit seinen Lesern und Leserinnen? Zweimal im Monat streiten und schwärmen wir über Bücher. Wir suchen aus der Fülle der Neuerscheinungen die interessantesten Bücher aus – mit Vorliebe solche, die uns selbst auf neue Gedanken gebracht haben. Es geht um neu erschienene Romane und Sachbücher und literarische Klassiker, die überraschende Schlaglichter auf die Gegenwart werfen. Im Wechsel sprechen aus der ZEIT-Redaktion Adam Soboczynski und Iris Radisch über Belletristik sowie Maja Beckers und Alexander Cammann über Sachbücher. Falls Sie uns nicht nur hören, sondern auch lesen möchten, testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos Die ZEIT: www.zeit.de/podcast-abo
Episodios 80
Welche Bücher Elke Heidenreich empfiehlt (live von der Buchmesse)
An welche Bücher erinnern wir uns im Leben, welche haben uns bei wichtigen Entscheidungen geholfen und vor welchen sollten wir uns hüten? Die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich hat ein …
Notas del episodio
An welche Bücher erinnern wir uns im Leben, welche haben uns bei wichtigen Entscheidungen geholfen und vor welchen sollten wir uns hüten? Die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich hat ein Buch über die wichtigsten Lektüren ihres Lebens geschrieben. In der neuen Folge von »Was liest du gerade?« sprechen wir mit ihr auf der Frankfurter Buchmesse und erfahren, weshalb Gottfried Benn sie schon als Mädchen begeisterte. Warum Simone de Beauvoir sie gelehrt hat, dass eine feste Bindung und Freiheit in Beziehungen sich nicht ausschließen müssen. Und Ruth Klüger, dass Unversöhnlichkeit wichtig sein kann.
Bücher:
- Elke Heidenreich: »Ach, eine Fanfare!«. Liebesbekenntnisse zu Schriftstellern. Hanser Verlag, 2026, 256 Seiten, 26 Euro.
- Gottfried Benn: Gedichte. Reclam Verlag, 2020, 174 Seiten, 7 Euro.
- Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2000, 944 Seiten, 18 Euro.
- Ruth Klüger: weiter leben. Eine Jugend. dtv, 1994, 288 Seiten, 13 Euro.
Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter [email protected]
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Führt zu viel Fitness zum Faschismus?
Die Frankfurter Buchmesse steht bevor – und die Oktober-Sachbuchfolge von »Was liest Du gerade?« widmet sich viel diskutierten Neuerscheinungen dieses Bücherherbstes. Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen …
Notas del episodio
Die Frankfurter Buchmesse steht bevor – und die Oktober-Sachbuchfolge von »Was liest Du gerade?« widmet sich viel diskutierten Neuerscheinungen dieses Bücherherbstes. Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen über das neue Buch der amerikanischen Starhistorikerin Jill Lepore, die auch in Frankfurt auftreten wird. Ihr Buch »Die Regierung der Maschinen« erzählt die brandaktuelle Geschichte einer ganz besonderen Idee, der technischen Steuerung der menschlichen Gesellschaft seit 200 Jahren – nicht erst seit KI mit Chancen, Risiken und Nebenwirkungen, viel Science-Fiction, verrückten Plänen und präzisen Prophezeiungen. Man lernt: Die kalifornischen Tech-Bros hatten ihre Vorgänger – und der Großvater Elon Musk kommt auch vor. Und: Die Menschen haben durchaus noch Chancen, die Herrschaft der KI zu verhindern.
Gefahren drohen momentan nicht nur von der Technik, sondern auch von den Körpern: Die österreichische Sozialwissenschaftlerin Julia Ebner präsentiert in ihrem Buch »Von Fitness zu Faschismus«, wie rechtsextreme Männlichkeit nach wie vor auf Kampf und Muskeln setzt. Sie ist eingetaucht in geheime Kampfsport-Szenen und Neonazi-Gruppen, schleust sich undercover ein in Chatgruppen der Manosphere: Hier wird sich fit gemacht gegen Demokratie und Feminismus – und der männliche Körper soll zur Waffe werden.
Der Klassiker stammt diesmal von einem französischen Meisterdenker, der am 15. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre: Michel Foucault. Seine Forschungen kreisten um Macht, Disziplinierung und Sexualität – und wie das alles in der Moderne zusammenhängt. Aus seinem Nachlass ist das Manuskript »Die Hermaphroditen« aufgetaucht und wir sehen, wie Foucault in den 1970er-Jahren viele heutige Fragen über Identität und Sexualität vorwegnahm – und ganz anders beantwortete.
Als Geheimtipp gibt es diesmal die packenden Memoiren der amerikanischen Punk-Ikone Kathleen Hanna, die in »Rebel Girl« offenherzig aus ihrem wilden Leben erzählt, sowie das originelle Neapel-Buch von Dieter Richter, der die morbide italienische Metropole in 13 berühmten Todesfällen porträtiert.
Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Jill Lepore: Die Regierung der Maschinen. Aufstieg und Fall des Künstlichen Staates, C.H. Beck, 380 Seiten, 29,90 Euro
- Julia Ebner: Von Fitness zu Faschismus. Gefahren extremer Männlichkeit, Aus dem Engl. von Daniel Beskos u.a., Suhrkamp, 296 Seiten, 22 Euro
- Michel Foucault: Die Hermaphroditen. Aus dem Französischen von Andrea Hemminger, Suhrkamp, 154 Seiten, 26,90 Euro
- Kathleen Hanna: Rebel Girl. Mein Leben als Punk und Feministin, Übersetzt von Nina Lieke, Kunstmann, 352 Seiten, 26 Euro
- Dieter Richter: Neapel sehen und sterben. Eine Geschichte in 13 Todesfällen, Wagenbach, 154 Seiten, 24 Euro
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»Das Leben der M«: Hat Natalie Portman keine Seele?
Am neuen Roman Das Leben der M von Rachel Cusk hat sich ein Streit über die Grenzen der literarischen Freiheit entzündet. Denn die britische Star-Autorin porträtiert eine Schauspielerin namens »M«, die stark an …
Notas del episodio
Am neuen Roman Das Leben der M von Rachel Cusk hat sich ein Streit über die Grenzen der literarischen Freiheit entzündet. Denn die britische Star-Autorin porträtiert eine Schauspielerin namens »M«, die stark an Natalie Portman erinnert – und in dem Buch gar nicht gut wegkommt. Sie habe kein authentisches Ich, heißt es. Das ist ein heftiger Angriff. Aber stimmt er vielleicht?
Clemens J. Setz ist der Spezialist für die Einsamkeit im digitalen Zeitalter. In den 19 Erzählungen seines neuen Erzählbandes Mein Leben als Noiseband gibt es wieder viele Figuren, die reichlich entrückt und ziemlich weird sind. Meist ist man hier in den dunkelsten Ecken des Netzes unterwegs – und staunt, wie auch in dem neuen Buch des Büchner-Preisträgers wieder aus den traurigsten und nerdigsten Schicksalen grandiose Literatur entsteht.
Unser Klassiker ist die Erzählung Die Nase des genialen russischen Autors des grotesken Humors Nikolai Gogol.
Bücher:
- Rachel Cusk: Das Leben der M. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag, 175 Seiten, 25 Euro
- Clemens J. Setz: Mein Leben als Noiseband. Suhrkamp Verlag, 383 Seiten, 26 Euro
- Nikolai Gogol: Der Mantel. Die Nase. Aus dem Russischen von Eberhard Reissner. Reclam Verlag, 91 Seiten, 4,80 Euro
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Mieten wir uns zu Tode?
Wohnen ist zur Schicksalsfrage geworden und zu einer der größten gesellschaftlichen Krisen, sagen Rolf Heinze und Sebastian Kurtenbach, zwei renommierte Forscher in Sachen Stadtentwicklung, Wohnungswesen und …
Notas del episodio
Wohnen ist zur Schicksalsfrage geworden und zu einer der größten gesellschaftlichen Krisen, sagen Rolf Heinze und Sebastian Kurtenbach, zwei renommierte Forscher in Sachen Stadtentwicklung, Wohnungswesen und Immobilienwirtschaft. In dieser Folge diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann über ihr Buch Die Wohnkrise. Wie sie Demokratie und Zusammenhalt bedroht. Es geht um die wahren Ursachen der Wohnungskrise, ihre vielfältigen Folgen und was die beiden Wissenschaftler zu ihrer Lösung vorschlagen.
Außerdem sprechen die beiden über eines der meistdiskutierten Sachbücher in diesem frühen Herbst: den Bestseller Deutschland 2033. Ein Szenario. Der Journalist Justus Bender entwirft hier eine fiktive Zukunft, 2033, in der die AfD in Deutschland an die Macht kommt. Wie krempelt sie das Land um und was würde eine Kanzlerin Weidel bedeuten für Klima, Kultur und Pressefreiheit? Ein Buch für alle, die sich fragen, ob man die AfD mal machen lassen sollte, um sich selbst zu entzaubern. Spoiler: Nein.
Der Klassiker ist diesmal eine Premiere. Es ist nämlich zum ersten Mal ein religiöser Text: Franz von Assisis Sonnengesang. Mit welchen kirchlichen Konventionen brach dieser Text und warum ist er bis heute so beliebt – in Form des absoluten Kirchenhits Laudato si oder Pop-Referenzen von Donovan bis Mickie Krause.
Zum Schluss geben unsere Hosts wieder eine persönliche Empfehlung mit. Maja Beckers empfiehlt allen, die diesen Sommer oder irgendwann einmal durch Ruinen gelaufen sind, dieses Buch des Althistorikers Martin Zimmermann: Versunkene Welten. Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji. Es erzählt davon, wie man früher in diesen Ruinen lebte, als sie schon Ruinen waren, aber es noch keine neuzeitlichen Bestrebungen gab, sie zu erhalten und zu besichtigen.
Alexander Cammann empfiehlt das neue Buch der Tausendsasserin Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist. Es versammelt drei überraschende Essays über das Leben und seine Materialien.Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Rolf G. Heinze / Sebastian Kurtenbach: Die Wohnkrise. Wie sie Demokratie und Zusammenhalt bedroht, Kiepenheuer & Witsch, 272 Seiten, 24 Euro
- Justus Bender: Deutschland 2033. Ein Szenario, CH Beck, 284 Seiten, 20 Euro
- Franz von Assisi: Sonnengesang, u.a. in: Franziskus von Assisi: Sämtliche Schriften, Reclam, 379 Seiten, 9,80 Euro
- Martin Zimmermann: Versunkene Welten. Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji, CH Beck, 544 Seiten, 39,90 Euro
- Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist, Suhrkamp, 176 Seiten, 24 Euro
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Valeria Gordeev erzählt vom Wahnsinn in Russland
Die neue Büchersaison verspricht ein fulminantes Comeback des großen politischen Epochenromans in der deutschen Literatur. Wir sind begeistert von Valeria Gordeev und ihrem aufsehenerregenden ersten Roman Die …
Notas del episodio
Die neue Büchersaison verspricht ein fulminantes Comeback des großen politischen Epochenromans in der deutschen Literatur. Wir sind begeistert von Valeria Gordeev und ihrem aufsehenerregenden ersten Roman Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle, der zwischen Moskau, Kyjiw und Berlin ein atemberaubend komisches Gegenwartspanorama entfaltet. Im Mittelpunkt stehen zwei Geschwister und ein geheimnisvoller russischer Oligarch, der seine teuflischen Intrigen spinnt. Lenins Leiche spielt dabei eine herausragende Rolle, die Forschungen zur endgültigen Abschaffung des Todes, aber auch Putin, der durch einen zwölfjährigen Varietékünstler ersetzt wird. Virtuos setzt die Autorin die russische Literaturgeschichte des Absurden auf ihre besondere Weise fort und parodiert dabei mit schwarzem Humor den transhumanistischen Machbarkeitswahn unserer Gegenwart.
Außerdem sprechen wir über den neuen Roman von Shida Bazyar Die Lücken. Der Romanheld ist ein fiktives Dorf im Hunsrück – Heimesbach. Die Autorin lässt ihre migrantische Erzählerin tief in die Köpfe der noch lebenden und schon verstorbenen Heimesbacher Bürgerinnen und Bürger hineinsehen. So ergibt sich ebenfalls ein großes Zeitpanorama, das fast hundert Jahre deutscher Geschichte umfasst und fragt: Was haben sich die Heimesbacher dabei gedacht, als sie ihre jüdischen Mitbürger verfolgten, Steine in ihre Häuser warfen und sie aus Heimesbach vertrieben? Und wie gehen Migranten in Deutschland heute mit dieser viel zu lange verdrängten Vergangenheit ihrer neuen Heimat um?
Unser Klassiker ist die Erzählung Ein schlichtes Herz von Gustave Flaubert, deren unsentimentale Zärtlichkeit für die ungebildete, arme Dienstmagd Félicité noch immer ergreifend ist.
Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle, S. Fischer Verlag, 640 Seiten, 26,- Euro, erscheint am 26. August
Shida Bazyar: Die Lücken, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 512 Seiten, 25,- Euro, erscheint am 3. September
Gustave Flaubert: Ein schlichtes Herz, in: Drei Erzählungen, übersetzt von Elisabeth Edl, Hanser Verlag, 320 Seiten, 28,- Euro
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Gesellschaft der Klimaanlagen
Kühlschränke und Klimaanlagen haben das moderne Leben geformt: Wie wir wohnen, wie wir arbeiten, was wir essen und welche Krankheiten wir heilen können. Heute hängt die Moderne am Tropf der künstlichen Kälte …
Notas del episodio
Kühlschränke und Klimaanlagen haben das moderne Leben geformt: Wie wir wohnen, wie wir arbeiten, was wir essen und welche Krankheiten wir heilen können. Heute hängt die Moderne am Tropf der künstlichen Kälte und das hochaktuelle Sachbuch »Kühle neue Welt« von Jan Eike Dunkhase geht der Frage nach, wie es dazu kam und was das für die Zukunft bedeutet. Befinden wir uns in einem Teufelskreis der Frische? fragen sich Maja Beckers und Alexander Cammann in dieser Folge.
Außerdem sprechen sie über Sarah Diehls zauberhafte Beschreibungen der Unterwasserwelt in ihrem Buch »Ins tiefe Blau«. Was lernt man beim Tauchen über das Leben? Wie zieht man sein Bein aus dem Maul eines Hais? Und warum sind die Vorfahren der Wale eigentlich vom Land zurück ins Wasser gegangen? Diehl verwebt so geschickt Naturwissenschaft und Kulturgeschichte mit ihren Erlebnisberichten, dass man gar nicht merkt, wie viel man lernt und sofort lostauchen möchte.
Oder braucht man eigentlich etwas ganz anderes zum Denken, nämlich die Großstadt? So in der Art behauptet es der Klassiker, den die beiden in dieser Folge besprechen: »Die Großstädte und das Geistesleben«. Der Berliner Philosoph Georg Simmel schrieb den legendären Aufsatz im Jahr 1903 und legte damit den Grundstein für die moderne Stadtsoziologie. Was macht den Großstädter aus? Warum ist er eigentlich so blasiert? Nervt er oder nervt die Stadt ihn? Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen darüber, wie aktuell die Thesen heute sind und warum es einer von ihnen in Berlin so gut und der andere so gar nicht aushält.
Zum Schluss geben die beiden noch ihren persönlichen Geheimtipp. Alexander Cammann empfiehlt das Büchlein »Der Bleistift« von Hanns Zischler und Maja Beckers empfiehlt »Köln«, ein Stadtporträt aus vielen Texten des Kölner Schriftstellers Navid Kermani.
Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:Jan Eike Dunkhase: Kühle neue Welt. Wie Kühlschrank, Klimaanlage und künstliche Kälte unser Leben und das Klima verändern, Reclam, 288 Seiten, 26 Euro
Sarah Diehl: Ins tiefe Blau. Was ich unter Wasser lernte. Gutkind, 288 Seiten, 25 Euro
Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben, Suhrkamp, 37 Seiten, 11 Euro
Navid Kermani: Köln. E Jeföhl, C.H. Beck, 175 Seiten, 23 Euro
Hanns Zischler: Der Bleistift, Residenz, 64 Seiten, 15 Euro[ANZEIGE] Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER.
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Heinz Strunk und die Ehekrise
Eine Beziehung am Ende ihrer Laufzeit und eine gemeinsame Reise nach Heidelberg. Auf den ersten Blick: keine gute Kombination. Der Schriftsteller, Musiker, Moderator und Songwriter Heinz Strunk porträtiert in …
Notas del episodio
Eine Beziehung am Ende ihrer Laufzeit und eine gemeinsame Reise nach Heidelberg. Auf den ersten Blick: keine gute Kombination. Der Schriftsteller, Musiker, Moderator und Songwriter Heinz Strunk porträtiert in seinem neuen Roman Memories of Heidelberg ein Paar mittleren Alters mit großem Sinn für die Komik und Tragik des Lebens. Wieso gehen Bertram und Isolde jeden Abend in dasselbe Restaurantschiff auf dem Neckar? Warum werden sie dort so mies behandelt? Schweißt sie der Schrecken, den sie dort erleben, wieder zusammen? In jedem Fall: ein herrlicher, burlesker Sommerroman.
Michael Köhlmeier erzählt zum ersten Mal ausführlich über seine Kindheit und Jugend. Sein großer Roman Mein privates Glück, der im August erscheinen wird, handelt vom Aufwachsen in Coburg. Der kleine Junge lebt hier mit seiner Schwester bei der Großmutter, da seine Mutter schwer erkrankt war. Köhlmeier gelingt es meisterhaft, seine individuelle Geschichte mit der trauma- und schuldbehafteten Nachkriegszeit zu verbinden.
In unserem Klassiker beschäftigen wir uns mit der kleinen, aber sehr spannungsreichen Erzählung Das dicke Kind von Marie Luise Kaschnitz. Auch hier wird persönliche Erfahrung in Literatur verwandelt.
Bei Was liest du gerade? diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski zwei neue Romane, die nicht in den großen Metropolen Deutschlands spielen – sondern in Heidelberg und Coburg.
Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Heinz Strunk: Memories of Heidelberg. Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg 2026. 176 Seiten, 23,00 EUR
- Michael Köhlmeier: Mein privates Glück. Roman. Hanser Verlag, München 2026. 320 Seiten, 26,80 EUR. Erscheint am 18.08.2026
- Marie Luise Kaschnitz: Das dicke Kind und andere Erzählungen. Suhrkamp Verlag, Berlin 2002. 250 Seiten, 11,40 EUR.
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Wie viel Wagner steckt im Nationalsozialismus?
Er ist der umstrittenste Komponist überhaupt – Richard Wagner, glühend verehrt und heftig verabscheut. Und er hat eine braune Weste, obwohl die Nazis erst 50 Jahre nach seinem Tod an die Macht kamen: Hitlers …
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Er ist der umstrittenste Komponist überhaupt – Richard Wagner, glühend verehrt und heftig verabscheut. Und er hat eine braune Weste, obwohl die Nazis erst 50 Jahre nach seinem Tod an die Macht kamen: Hitlers Lieblingskomponist war er, und der »Führer« förderte die Bayreuther Festspiele kräftig. Die feiern in diesem Sommer ihren 150. Geburtstag mit Prominenz und Fans – und in der neuen Sachbuchfolge von »Was liest du gerade?« diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann das kritische Buch des Musikwissenschaftlers Anno Mungen über den Wagner-Kult in Deutschland 1933 bis 1945. Wie hat das NS-Regime Wagners Opern genutzt – und kann man ihn heute mit diesem Wissen noch unbefangen hören?
Sommerzeit ist Reisezeit: Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe ist die große Reisende unter den heutigen Erzählern. In dem schmalen Band »Reisen« erklärt sie, wie sie seit Jahrzehnten in der Welt unterwegs ist, obwohl sie eigentlich immer eine Stubenhockerin war. Wir erfahren, wie sie die Welt auf einem Containerschiff umrundet hat und warum die Erfahrungen beim Reisen wichtiger sind als das, was man dabei lernt. Ein Buch für unterwegs, mit dem man aber auch perfekt zu Hause bleiben kann.
Dort befindet sich wahrscheinlich auch der perfekte Ort zum Lesen oder Podcasthören, um den diesmal unser Klassiker kreist: die Couchecke. Über dieses besondere Interiorstück, seine Entstehung und gesellschaftliche Bedeutung hat der Kunsthistoriker Martin Warnke 1979 einen klugen und amüsanten Essay geschrieben. Maja Beckers und Alexander Cammann fragen sich, ob man heute immer noch eine Couchecke in seinem Wohnzimmer haben muss.
Als Geheimtipp haben sie diesmal ein Buch über Palmen und die deutsche Künstlerkolonie Olevano bei Rom mitgebracht.
Kommen Sie gut durch den Sommer – natürlich mit guten Sachbüchern!
Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter [email protected].
Literaturhinweise:
- Anno Mungen: »Von Bayreuth nach Auschwitz«, Westend, 381 Seiten, 32 Euro
- Felicitas Hoppe: »Reisen«, Hanser Berlin, 128 Seiten, 20 Euro
- Martin Warnke: »Zur Situation der Couchecke«, in: »Warburgs Schnecke«. Kulturwissenschaftliche Skizzen, Wallstein, S. 96–106
- Jutta Person: »Palmen«, Matthes & Seitz, 152 Seiten, 22 Euro
- Golo Maurer: »Olevano. Als ein paar romantische Aussteiger in Italien die deutsche Kunst erfanden«, C. H. Beck, 384 Seiten, 29,90 Euro
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Liebe in Zeiten des Krieges
Bei Was liest du gerade? diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski zwei ganz neue Romane, die beide viel über die Liebe in unserer Gegenwart erzählen – Alles Liebe von Ronja von Rönne und Trost von Angelika …
Notas del episodio
Bei Was liest du gerade? diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski zwei ganz neue Romane, die beide viel über die Liebe in unserer Gegenwart erzählen – Alles Liebe von Ronja von Rönne und Trost von Angelika Klüssendorf.
Ronja von Rönne erzählt von Menschen, die über ihren ganz persönlichen Abgrund balancieren, schwere Krebserkrankungen ihrer nächsten Freunde und Verwandten aushalten müssen und darüber aus der Bahn kippen. Oder plötzlich feststellen, dass sie einander nicht mehr lieben, als gerade ein Kind unterwegs ist. Obwohl es sich auf den ersten Blick um Erzählungen handelt, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, ergibt sich am Schluss ein interessanter Zusammenhang. Die Erzählerin aus der ersten Geschichte taucht in der letzten Geschichte als Lokalreporterin wieder auf und verbindet alles. Wir fragen uns, geht diese ungewöhnliche Konstruktion auf? Und passt der schwarze Humor der Autorin zu dem schicksalsschweren Thema?
Angelika Klüssendorfs Roman Trost spielt 2022, dem ersten Jahr des russischen Angriffskriegs, in Berlin und im Berliner Umland. Es sind düstere und schicksalsschwere Tage, die man an der Seite einer weitverzweigten Patchworkfamilie durchlebt. Leider verschwindet die Hauptheldin schon nach wenigen Seiten nach einem Wespenstich auf einer Intensivstation und der Rest ihrer bunt zusammengewürfelten Familie kreist um diese schmerzende Leerstelle wie um eine untergegangene Sonne. Wir diskutieren: Ist dies ein eindrückliches, großes Gesellschaftspanorama aus dem ersten Berliner Kriegsjahr? Oder eher ein heiter-makabres Nebenwerk einer bedeutenden Autorin?
Unser Klassiker ist einer der berühmtesten Kurzromane der Weltliteratur: Ernest Hemingways Der alte Mann und das Meer. Die tragischen Tage alleine auf hoher See, die hier erzählt werden, erinnern an das besondere Verhältnis des Menschen zu allen Meeresbewohnern. Ein alter Fischer, der ewig nichts gefangen hat, will es noch einmal wissen und fährt weit hinaus. Der große Fisch, den er dann an der Angel hat, liefert sich mit dem Alten einen erbitterten Zweikampf – aus dem fast eine ergreifende Liebesgeschichte wird. Eine eiskalte Empfehlung für den Strandkorb!
Das Team von »Was liest du gerade?« erreichen Sie unter [email protected]
Literaturhinweise:
Ronja von Rönne: Alles Liebe, dtv, 240 Seiten, 23 Euro (erscheint am 2. Juli)
Angelika Klüssendorf: Trost, 208 Seiten, 24 Euro (erscheint am 3. Juli)
Ernest Hemingway: Der alte Mann und das Meer, diverse Taschenbuchausgaben
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Mit Annette Dittert durch den Sommer
Warum ist das englische Königshaus mehr als bunter Boulevard, warum ist Armut in Großbritannien so unsichtbar und wie lebt es sich eigentlich auf einem Hausboot in London? Annette Dittert hat nach fast 20 …
Notas del episodio
Warum ist das englische Königshaus mehr als bunter Boulevard, warum ist Armut in Großbritannien so unsichtbar und wie lebt es sich eigentlich auf einem Hausboot in London? Annette Dittert hat nach fast 20 Jahren als Korrespondentin bei der ARD gekündigt und ein Buch geschrieben, mit dem sie sich auf die Suche nach der Seele Großbritanniens begibt. Dear Britain. Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens wurde sofort zum Nummer-1-Bestseller und zur ersten Sachbuchempfehlung für den Sommer von Maja Beckers und Alexander Cammann in dieser Folge. Ein persönliches, unterhaltsames und selbst für Kenner noch lehrreiches Portrait dieses wunderbaren, bisweilen skurrilen Landes.
Als Zweites empfehlen die beiden einen herausragenden Nature-Writing-Titel: Die dänische Journalistin Lea Koorsgaard hat sich vorgenommen, in einem Jahr alle Schmetterlingsarten Dänemarks zu sehen. Das Jahr der Schmetterlinge, eine Erkundung dieser zarten Tiere, Dänemarks und seiner Natur und eigentlich des Lebens an sich.
Und falls Sie nach Paris fahren, jemals dort waren oder irgendwann hinwollen, sollte Ruth Zylbermans Rue Saint Maur 209 in ihren Koffer, eine außergewöhnliche und wunderbar geschriebene Recherche über die Bewohner eines Pariser Wohnhauses von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Einen besonderen Fokus legt Zylberman auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges, in der jüdische Bewohner von hier aus deportiert wurden und zu der Nazi-Kollaborateure und Retter, die jüdische Kinder versteckten, hier unter einem Dach lebten.
Der Klassiker, den man diesen Sommer wunderbar gut lesen kann, ist Die Alpen des berühmten Alpenforschers Werner Bätzing. Er hat sein extrem erfolgreiches Buch von 1984 komplett überarbeitet und mehrere Kapitel neu geschrieben, unter anderem das über die Zukunft der Alpen. Hochaktuell und unterhaltsam – nirgendwo lernt man mehr über Europas größtes Hochgebirge.
Und zuletzt geben Maja Beckers und Alexander Cammann auch wieder eine persönliche Empfehlung: Das ist diesmal Shakespeares Schwestern. Wie Frauen die Renaissance schrieben von Ramie Targoff und Ein Sommer mit Goethe von Gustav Seibt. Auch diese beiden sind perfekter Ferienlesestoff.
Literaturhinweise:
Annette Dittert: Dear Britain. Auf der Suche nach der Seele Großbritanniens, Dumont, 256 Seiten, 24 Euro
Lea Koorsgaard: Das Jahr der Schmetterlinge, übersetzt von Kerstin Schöps, Ullstein, 336 Seiten, 22,99 Euro
Ruth Zylberman: Rue Saint-Maur 209. Ein Pariser Wohnhaus und seine Geschichten, Schöffling, 480 Seiten, 21,99 Euro
Werner Bätzing: Die Alpen. Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft, C.H. Beck, 502 Seiten, 39,90
Gustav Seibt: Ein Sommer mit Goethe, C.H. Beck, 272 Seiten, 25 Euro
Ramie Targoff: Shakespeares Schwestern. Wie Frauen die Renaissance schrieben, Insel, 431 Seiten, 28 Euro
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100 Jahre Ingeborg Bachmann: Vom Leben einer Frau in der Männergesellschaft
In der berühmten Erzählung »Michael Kohlhaas« von Heinrich von Kleist wird der brave Pferdehändler aus Brandenburg zu einem gefürchteten Terroristen, der verzweifelt um sein Recht kämpft. Aber wer ist Michaela …
Notas del episodio
In der berühmten Erzählung »Michael Kohlhaas« von Heinrich von Kleist wird der brave Pferdehändler aus Brandenburg zu einem gefürchteten Terroristen, der verzweifelt um sein Recht kämpft. Aber wer ist Michaela Kohlhaas? Sie ist die Heldin im aktuellen Roman der Leipziger Schriftstellerin Heike Geißler. Michaela Kohlhaas verlässt ihre bürgerliche Existenz, zieht mit einem Planwagen durch Deutschland und kämpft für mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Wir diskutieren in unserem ZEIT-Bücherpodcast: Ist das eine gelungene Aktualisierung von Kleist? Oder etwas völlig anderes? Und was hat es mit dieser modernen Systemsprengerin auf sich?
Am 25. Juni wäre Ingeborg Bachmann hundert Jahre alt geworden. Wir fragen uns: Warum lieben wir sie noch immer so sehr? Was hat sie uns zu sagen? Und wir sprechen über eine ihrer autobiografischen Erzählungen: »Drei Wege zum See«. Die Erzählung erschien ein Jahr vor ihrem Tod und enthält all ihre großen Lebensthemen. Wie lebt eine Frau in der Männergesellschaft? Wie schwer lastet die Vergangenheit auf uns? Warum fühlte Bachmann sich überall wie eine Fremde?
Die italienische Schriftstellerin Fleur Jaeggy, heute 85 Jahre alt, war eine enge Freundin von Ingeborg Bachmann. In einem ergreifenden kleinen Erinnerungsbuch erzählt sie von den letzten Tagen ihrer Freundin. Und sie erhebt schwere Vorwürfe gegen Bachmanns österreichische Familie und die deutschen Freundinnen. Wir diskutieren über Jaeggys These: Hätte Ingeborg Bachmann nach dem schweren Brandunfall 1973 in ihrer Wohnung in Rom noch gerettet werden können? Die Wucht dieses kleinen Buches zeigt – Bachmann lässt noch immer niemanden kalt.
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Literaturhinweise:
- Heike Geißler. »Michaela Kohlhaas«. Suhrkamp Verlag. 253 Seiten, 24,– Euro
- Fleur Jaeggy. »Die letzten Tage von Ingeborg Bachmann«. Suhrkamp Verlag. 44 Seiten. 16,– Euro
- Ingeborg Bachmann. »Drei Wege zum See«. In: »Simultan«. Piper Verlag. 224 Seiten. 11,– Euro
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Was Matthias Brandt heute von seinen Eltern lernt
Es ist ein Ereignis: Der Schauspieler Matthias Brandt setzt sich in seinem Bestseller erstmals intensiv und öffentlich mit seinen berühmten Eltern Rut und Willy Brandt auseinander. Was hat ihr widerständiges …
Notas del episodio
Es ist ein Ereignis: Der Schauspieler Matthias Brandt setzt sich in seinem Bestseller erstmals intensiv und öffentlich mit seinen berühmten Eltern Rut und Willy Brandt auseinander. Was hat ihr widerständiges Leben uns gerade heute wieder zu sagen? Darüber diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann in der aktuellen Sachbuchfolge von »Was liest Du gerade?«. Die Brandts kämpften als Antifaschisten gegen den Nationalsozialismus – und wurden später von den Deutschen geliebt, verehrt und gehasst. Lange wollte ihr prominentes Kind aber seinen eigenen Weg gehen, nicht als ewiger Sohn des Kanzlers. Angesichts der Bedrohung für unsere Demokratie durch die AfD entdeckt Matthias Brandt in diesem schmalen Band jedoch die Aktualität seiner Eltern, die unter Lebensgefahr im Exil Mut bewiesen.
Narzisstisch sind meistens ja immer nur die anderen. Seit ein paar Jahren ist die Diagnose populär, oft soll sie auch die Krise unserer Gesellschaft erklären – und vor Narzissmus-Warnungen kann man sich kaum retten. Aber Thomas Arnold und Thomas Fuchs sortieren jetzt in ihrem Buch »Das unersättliche Selbst« die verschiedenen Phänomene, analysieren Selfie-Kult und Social-Media-Sucht und zeigen, was Narzissmus mit mangelndem Selbstwertgefühl und Fluchtimpulsen zu tun hat. Entgeht man so dieser speziellen Ego-Falle?
Viel zu wenig bekannt ist die 2003 verstorbene französische Autorin Monique Wittig, eine feministische Klassikerin, die seit 1976 in den USA lebte. Warum sie heute wieder lesenswert ist, erkennt man an ihrem originellen Essayband »Das straighte Denken«, der ihre wichtigsten Texte vorstellt: Sie will die Geschlechterkategorien Frau und Mann gleich ganz abschaffen und plädiert für ein lesbisches Leben, weil schon in der Heterosexualität die Unterdrückung lauert.
Am Schluss wie immer die Geheimtipps unserer Hosts: Kia Vahlands Buch »Tizian und Venedig«, ein schönes Porträt des berühmten Renaissancemalers in seiner Lagunenstadt, und den von Julien Gupta herausgegebenen Band »Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen« mit klugen Essays prominenter Autoren zu einem Gefühl, das wir heute dringend brauchen.
Das Team von Was liest Du gerade erreichen Sie unter [email protected]
Literaturhinweise:
- Thomas Arnold/Thomas Fuchs: Das unersättliche Selbst. Phänomenologie des Narzissmus, Suhrkamp, 200 Seiten, 28 Euro
- Matthias Brandt: Nein sagen. Über den 20. Juli 1944, meine Eltern und persönliche Verantwortung heute, Kiepenheuer & Witsch, 16 Euro, 128 Seiten
- Monique Wittig: Das straighte Denken, Merve, 144 Seiten, 15 Euro
- Kia Vahland: Tizian und Venedig, Insel, 117 Seiten, 16 Euro
- Julien Gupta (Hrsg.): Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen, Oekom, 208 Seiten, 19 Euro
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Seethaler, Tolstoi und die Leistungsturnerinnen
Im neuen Roman des Bestsellerautors Robert Seethaler wird das Leben einer gewöhnlichen Straße eingefangen. Welche Wünsche und Träume, welche Abgründe und welches Glück lauern hinter den Fassaden? Und wie wehren …
Notas del episodio
Im neuen Roman des Bestsellerautors Robert Seethaler wird das Leben einer gewöhnlichen Straße eingefangen. Welche Wünsche und Träume, welche Abgründe und welches Glück lauern hinter den Fassaden? Und wie wehren sich die Bewohner, als ein Immobilieninvestor sie zu verdrängen versucht? Seethaler vermag es auch in seinem Roman »Die Straße« meisterhaft, im Gewöhnlichen und Alltäglichen das Zauberhafte zu finden.
Außerdem sprechen Iris Radisch und Adam Soboczynski in der neuen Folge des Literaturpodcasts »Was liest du gerade?« über ein grandioses Romandebüt: Die Schriftstellerin Son Lewandowski zeigt in »Die Routinen« das brutale Leben von jungen Leistungsturnerinnen, die brutalem Missbrauch, seelischen und körperlichen Qualen ausgesetzt sind.
Unser Klassiker ist diesmal Leo Tolstois weltberühmte Erzählung »Der Tod des Iwan Iljitsch«. Hier geht es ans Eingemachte, nämlich um den Sinn des Lebens.
Literaturangaben:
- Robert Seethaler: »Die Straße«. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2026. 232 S., 25,– €.
- Son Lewandowski. »Die Routinen«. Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026. 272 Seiten, 25,– €.
- Lew Tolstoi: »Der Tod des Iwan Iljitsch«. Erzählung. Reclam Verlag, Stuttgart 2022. 104 Seiten, 10,– €.
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Kürthy, Passmann und die Bauchnabel-Literatur
Momentan ist es der Nummer-1-Sachbuch-Bestseller: Alt genug von Ildikó von Kürthy, heftig kritisiert von Fernsehkritiker Denis Scheck – ebenso wie Sophie Passmanns Bestseller Wie kann sie nur? Grund genug für …
Notas del episodio
Momentan ist es der Nummer-1-Sachbuch-Bestseller: Alt genug von Ildikó von Kürthy, heftig kritisiert von Fernsehkritiker Denis Scheck – ebenso wie Sophie Passmanns Bestseller Wie kann sie nur? Grund genug für Maja Beckers und Alexander Cammann, in dieser Sachbuchfolge von Was liest du gerade? über beide Bücher zu sprechen, über die gerade alle diskutieren: Wie gut oder schlecht sind sie denn nun wirklich? Es geht um Selbstbespiegelung und Selbstzweifel, um Social-Media-Scrollen im Bett, um Geständnisbücher, Menopause vs. Midlife-Crisis, Erfolgsstrategien für Bestseller und die Frage, ob Männer sich endlich stärker selbst reflektieren sollten.
Der Klassiker ist dieses Mal eines der erfolgreichsten Sachbücher in Deutschland aller Zeiten: Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg wird nach 20 Jahren neu aufgelegt, mit einem aktuellen Vorwort des Autors. Alexander Cammann und Maja Beckers sprechen darüber, wie dieses Buch das Land verändert hat.
Am Schluss eine neue Rubrik bei Was liest Du gerade?: Unser Geheimtipp – Maja Beckers und Alexander Cammann bringen künftig jeweils einen besonderen Lesetipp mit, kurz und knackig präsentiert. Den Anfang machen Messalina. Intrigen, Macht und Origien im antiken Rom von Honor Cargill-Martin und Die Buchhandlung der Exilanten von Uwe Neumahr.Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturhinweise:
Ildikó von Kürthy: »Alt genug«, Ullstein, 272 Seiten, 22,99 EuroSophie Passmann: »Wie kann sie nur?«, Kiepenheuer & Witsch, 240 Seiten, 23 Euro
Hape Kerkeling: »Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg«, Piper, 368 Seiten, 14 Euro
Honor Cargill-Martin: »Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im alten Rom. Die wahre Geschichte der Skandalkaiserin«, übersetzt von Michael Bischoff und Ulrike Bischoff, C.H. Beck, 459 Seiten, 34 Euro
Uwe Neumahr: »Die Buchhandlung der Exilanten. Paris 1940, Zuflucht und Widerstand«, 320 Seiten, 26 Euro
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Siri Hustvedt erinnert an Paul Auster – und in "Die Riesinnen" betört der Schwarzwald
Die Schriftstellerin Hannah Häffner hat mit "Die Riesinnen" einen modernen Heimatroman geschrieben. Warum ist er so erfolgreich? Ist es der Schwarzwald, der hier alle betört? Oder fasziniert uns das Schicksal …
Notas del episodio
Die Schriftstellerin Hannah Häffner hat mit "Die Riesinnen" einen modernen Heimatroman geschrieben. Warum ist er so erfolgreich? Ist es der Schwarzwald, der hier alle betört? Oder fasziniert uns das Schicksal von drei Frauen aus drei Generationen, die sich in einem Dorf gegen die Männerwelt behaupten müssen? Und: Suchen wir nicht im Moment alle nach einem schönen Rückzugsort in einer verrückt gewordenen Welt? Eines ist sicher: "Die Riesinnen" begeistern gerade viele Leserinnen, und Leser auch.
Die Schriftstellerin Siri Hustvedt erinnert in "Ghost Stories" an ihr Leben mit dem Schriftsteller Paul Auster, der vor zwei Jahren nach schwerer Krankheit verstarb. Wie umgehen mit dem Verlust? Wie lebt jemand in einem weiter, der nicht mehr da ist? Wie erinnern wir uns später an die erste Liebe und an gemeinsames Leid?
Unser Klassiker ist in dieser Podcastfolge Wolfgang Herrndorfs noch heute viel gelesener Roman "Tschick".
Literaturangaben:
- Hannah Häffner: Die Riesinnen. Roman. Penguin Verlag. 416 Seiten.
- Siri Hustvedt: Ghost Stories. Ein Buch der Erinnerung. Rowohlt Verlag. 400 Seiten.
- Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman. Rowohlt Taschenbuch Verlag. 256 Seiten.
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Wenn Taylor Swift Habermas liest
Wie viel Literatur steckt in Taylors Lyrics? Die Harvard-Professorin Stephanie Burt hat sie untersucht und ein wunderbares Buch über Kunst und Leben bei Taylor Swift geschrieben: "Taylor‘s Version". Warum macht …
Notas del episodio
Wie viel Literatur steckt in Taylors Lyrics? Die Harvard-Professorin Stephanie Burt hat sie untersucht und ein wunderbares Buch über Kunst und Leben bei Taylor Swift geschrieben: "Taylor‘s Version". Warum macht sie genau das Gegenteil von dem, was man Songschreibern rät, was hat sie mit Dichtern wie Horaz zu tun und wie hat sie quasi im Alleingang die Popkultur umgekrempelt? Maja Beckers und Alexander Cammann sprechen in dieser Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" darüber. Einer von beiden outet sich dabei als Swiftie-Swiftie, als Fan der Swifties.
Außerdem streiten sie über das neue Buch des Philosophen Peter Sloterdijk. Der schaut sich Trump, Putin, Modi und die anderen 'starken Männer' unserer Gegenwart an und fragt sich in "Der Fürst und seine Erben": Wen nehmen sie sich zum Vorbild? Cäsar oder Napoleon? Und was wird hier gespielt? Sloterdijk sieht vor allem einen modernen Machiavelli am Werk, aus seiner Feder könnten die wilden Strategien stammen, mit denen diese Männer mächtig wurden. Eine fulminante Analyse, ein zukünftiger Klassiker oder zynisch-selbstverliebtes Geschwurbel?
Ein originelles Schlaglicht auf unsere Gegenwart wirft der Philosoph C. Thi Nguyen mit seinem neuen Buch "Der Score". Ob Schrittzähler, Klickzahlen oder Politikerrankings: Unsere Gesellschaft ist besessen von Scores. Nguyen kann erklären, was Punktesysteme so attraktiv macht, wann sie helfen und wann und wie wir uns davon lösen sollten.
Für das Gespräch über den Klassiker gibt es diesmal einen traurigen Anlass: Am vergangenen Samstag ist der Philosoph Jürgen Habermas im Alter von 96 Jahren verstorben. Maja Beckers und Alexander Cammann erzählen sich gegenseitig ihre liebsten Habermas-Thesen, die originellsten oder jene, die sie aufgeregt haben. Ein persönlicher Blick auf den großen Denker.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected]. Die Literaturangaben zur Folge finden Sie hier.
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Im Osten viel Neues
Die Schriftstellerin Judith Hermann begibt sich auf die Spurensuche nach ihrem Großvater, der schon lange vor ihrer Geburt gestorben ist. Sie fährt nach Radom in Polen, wo ihr Großvater als SS-Mann im Zweiten …
Notas del episodio
Die Schriftstellerin Judith Hermann begibt sich auf die Spurensuche nach ihrem Großvater, der schon lange vor ihrer Geburt gestorben ist. Sie fährt nach Radom in Polen, wo ihr Großvater als SS-Mann im Zweiten Weltkrieg stationiert war. Trotz ihrer Recherchen in örtlichen Archiven und Museen findet sie nicht heraus, auf welche Weise ihr Großvater an den deutschen Verbrechen gegen die Juden von Radom beteiligt war. Der Großvater bleibt eine wirkmächtige Leerstelle in ihrer Familiengeschichte. Statt Antworten zu finden, stellt Judith Hermann viele Fragen. Warum wurde in ihrer Familie so viel geschrien und geschwiegen? Warum fehlen die Worte, um sich der Vergangenheit zu nähern? Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester versucht die Autorin, Licht in ein über Generationen reichendes Familien-Trauma zu bringen. Wir fragen im Podcast: Ist das zu wenig? Weicht sie dem Thema der deutschen Schuld damit aus?
Der Autor Lukas Rietzschel ist schon seit einigen Jahren ein gefeierter Chronist der ostdeutschen Provinz. In seinem neuen Roman Sanditz folgt er den Mitgliedern der Familie Wenzel durch fünf Jahrzehnte in kurzen erzählerischen Szenen, angefangen bei Großmutter Erika, die friedlich auf der Gartenbank vor ihrem Haus stirbt bis zu ihrem Enkel Tom, der in ukrainischen Schützengräben gegen die Russen kämpft. Dazwischen liegen die großen historischen Ereignisse, der Widerstand der DDR-Kirchen gegen das System, die Wende, der Kampf um die Hinterlassenschaft der Stasi, der Einfall der Westdeutschen in die ostdeutsche Kleinstadt und der Lockdown. Wir diskutieren darüber: Gelingt es dem Autor, ostdeutsche Geschichte in den kurzen Familienepisoden überzeugend zu erzählen?
Unser Klassiker ist in dieser Podcast-Folge ein neu aufgetauchtes Notizheft des 1995 verstorbenen Dramatikers Heiner Müller aus dem Januar 1945. Der damals 15-Jährige notiert darin in erstaunlicher Frühreife seine Überflieger-Gedanken über die Aufgabe europäischer Dichter und Denker.
Unser Zitat des Monats stammt aus dem autobiografischen Buch Einsamsein des Journalisten Daniel Haas.
Das Team von Was liest du gerade? erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Judith Hermann. Ich möchte zurückgehen in der Zeit. S. Fischer Verlag. 160 Seiten. 23,- Euro.
- Lukas Rietzschel. Sanditz. dtv Verlag. 480 Seiten. 26,- Euro
- Heiner Müller. Zeitschrift Sinn und Form (1/2026)
- Daniel Haas. Einsamsein. Eine Befreiungsgeschichte. Goldmann Verlag, 221 S., 22,- Euro
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Gisèle Pelicot will nicht nur Opfer sein
In 22 Sprachen erscheinen jetzt die Memoiren von Gisèle Pelicot, in langen Interviews ist die 73-jährige Französin überall präsent. In der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" sprechen Maja Beckers …
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In 22 Sprachen erscheinen jetzt die Memoiren von Gisèle Pelicot, in langen Interviews ist die 73-jährige Französin überall präsent. In der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann über ihr Buch "Eine Hymne an das Leben" und das Schicksal dieser Frau. Seit dem Prozess in Avignon im Jahr 2024, in dem ihr Ex-Mann und fast 50 weitere Täter wegen Vergewaltigung verurteilt wurden, ist sie weltbekannt. Wie geht sie selbst mit ihrer Geschichte um? Und was ist ihre eigene Botschaft für die geschockte Welt?
Alle reden über die neue, gefährliche Macht der Ultrareichen, nicht nur in Trumps Amerika. Der junge französische Star-Ökonom Gabriel Zucman hat in seinem Essay "Reichensteuer. Aber richtig!" eine Idee, wie man riesige Vermögen belasten sollte, damit die Kluft zwischen Arm und Reich in den westlichen Gesellschaften nicht noch stärker zur Bedrohung für die Demokratie wird. Kann sie funktionieren?
Das Zitat des Monats liefert diesmal die Philosophin Miriam Metze mit ihrem Buch "Unerwidert lieben". Erstaunlich, wie viele Denker sich seit der Antike über diese traurigen Gefühle Gedanken gemacht haben – und wie wenig Sachbücher es über unglückliche Liebe gibt.
In der Klassikerrubrik stellen wir Reportagen und Erzählungen des Schriftstellers Jack London vor, die jetzt in dem Band "Das Erdbeben von San Francisco" präsentiert werden: Er war 1906 als Augenzeuge dabei, als dieses Ereignis San Francisco komplett zerstörte – eine mythische Katastrophe des modernen Amerika, bis heute ein Menetekel für das moderne Kalifornien.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Miriam Metze: "Unerwidert lieben". Eine philosophische Tröstung. Mairisch, 256 Seiten, 24 Euro
- Gabriel Zucman: "Reichensteuer. Aber richtig!". Aus dem Französischen von Ulrike Bischoff. Suhrkamp, 63 Seiten, 12 Euro
- Gisèle Pelicot: "Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln". Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Piper, 256 Seiten, 25 Euro
- Jack London: "Das Erdbeben von San Francisco. Geschichten aus der Bay Area". Übersetzt von Alexander Kluy. Limbus, 96 Seiten, 15 Euro
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Raus aus dem Dorf, rein in die Stadt
Die Regisseurin und Schriftstellerin Lola Randl hatte vor einigen Jahren Berlin den Rücken gekehrt und ist in die brandenburgische Provinz gezogen. Im uckermärkischen Gerswalde bewirtschaftete die Künstlerin …
Notas del episodio
Die Regisseurin und Schriftstellerin Lola Randl hatte vor einigen Jahren Berlin den Rücken gekehrt und ist in die brandenburgische Provinz gezogen. Im uckermärkischen Gerswalde bewirtschaftete die Künstlerin mit ihrer Familie einen Garten und schuf einen bekannten Treffpunkt für Wochenendausflügler. Gerswalde wurde zum Ort für Berliner Hipster und Glückssucher aller Art, die in einem von Japanerinnen betriebenen Restaurant zusammenfanden. In ihrem neuen Buch "Der lebende Beweis" erzählt Lola Randl literarisch vom Scheitern dieses Lebensprojekts, vom distanzierten Verhältnis zu den Einheimischen und brüchigen Beziehungen – und von einem Aufbruch ins Ungewisse.
Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller Michael Wildenhain hingegen hat einen opulenten Großstadtroman vorgelegt und entführt uns in das düstere West-Berlin Ende der Sechzigerjahre. Erzählt wird in "Das Ende vom Lied" aus der Perspektive eines Jugendlichen. Der Vater war mit nur einem Bein aus dem Krieg zurückgekehrt, die Mutter war aus dem Osten geflüchtet. Und der Junge? Der wächst jetzt inmitten von Ruinen, Straßengangs und dreckigen Kneipen auf. Wäre da nicht die Liebe … Und wären da nicht so viele politische Ideale in der Luft, die leider schnell ins Militante abdriften.
In unserem Klassiker sprechen wir über das Werk von Annemarie Schwarzenbach. Die Freundin von Erika und Klaus Mann war eine hinreißende Reisereporterin und hat in den Dreißigerjahren den Nahen Osten bereist.
Unser Zitat des Monats kommt aus dem neuen Roman "Mein gelber Pullover" von Ursula März.Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Lola Randl: "Der lebende Beweis". Roman. Matthes & Seitz Verlag, Berlin 2026, 188 Seiten, 22 EUR
- Michael Wildenhain: "Das Ende vom Lied". Roman. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026, 416 Seiten, 26 EUR
- Annemarie Schwarzenbach: "Orientreisen. Reportagen aus der Fremde". Ebersbach & Simon Verlag, 2017, 141 Seiten, 18 EUR
- Ursula März: "Mein gelber Pullover". Roman. Piper Verlag, 2026, 176 Seiten, 22 EUR
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Weniger Regeln, mehr Action
Mehr Freiraum, weniger Zwänge, sich nicht mehr ständig einengen lassen: Wer träumt nicht davon? Ob und wie das klappen könnte, darüber sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuchfolge von …
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Mehr Freiraum, weniger Zwänge, sich nicht mehr ständig einengen lassen: Wer träumt nicht davon? Ob und wie das klappen könnte, darüber sprechen Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?": Der Soziologe Hartmut Rosa hat über dieses Problem sein neues, bereits viel diskutiertes Buch "Situation und Konstellation" geschrieben. Wie können wir überhaupt noch selbstständig handeln, wenn die Spielräume in der Gesellschaft immer kleiner werden?
Familiengeschichten boomen, gerade wenn es um die Verstrickung der Ahnen in den Nationalsozialismus geht. Christina Strunck hat daraus ein faszinierendes, erschütterndes Projekt gemacht: Minutiös zeichnet sie in ihrem Buch "Die Aufsteiger" ein Gesellschaftsporträt am Beispiel der Kleinstadt Sprendlingen in der Nazizeit – und rekonstruiert die dunklen Flecken in einer ganz normalen deutschen Familie.
Das Zitat des Monats liefert diesmal Amanda Montell in ihrem Buch "Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie erkennen": Bei der Lektüre merkt man, wie wichtig Sprache für unsere Identität ist.
In der Klassikerrubrik stellen wir ein Buch vor, das schon 1963 glasklar und stilistisch glänzend die Wirkungen rechten Denkens analysierte: Fritz Sterns "Kulturpessimismus als politische Gefahr" über den Einfluss reaktionärer Intellektueller in Deutschland lange vor 1933. Der 2016 verstorbene Historiker emigrierte 1938 nach Amerika – pünktlich zum 100. Geburtstag des 2016 Verstorbenen wird jetzt sein leider brandaktuelles Buch wieder aufgelegt.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Amanda Montell: "Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie erkennen". Aus dem amerikanischen Englisch von Florian Kranz und Andrea Schmittmann. HarperCollins, 350 Seiten, 25 Euro
- Christina Strunck: "Die Aufsteiger. Deutscher Mittelstand unter Hitler: Eine Familiengeschichte". Rowohlt, 431 Seiten, 28 Euro
- Hartmut Rosa: "Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums". Suhrkamp, 247 Seiten, 25 Euro
- Fritz Stern: "Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland". Aus dem Amerikanischen von Alfred P. Zeller. Klett-Cotta, 496 Seiten, 25 Euro
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Vom Morden und vom Lieben
Der britische Booker Prize zählt zu den renommiertesten Literaturauszeichnungen weltweit. Erhalten hat ihn vor Kurzem David Szalay für seinen Roman "Flesh", der auf Deutsch unter dem Titel "Was nicht gesagt …
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Der britische Booker Prize zählt zu den renommiertesten Literaturauszeichnungen weltweit. Erhalten hat ihn vor Kurzem David Szalay für seinen Roman "Flesh", der auf Deutsch unter dem Titel "Was nicht gesagt werden kann" erschienen ist. Iris Radisch und Adam Soboczynski sprechen in der neuen Folge des Bücherpodcasts "Was liest du gerade?" über dieses hinreißende Werk. Es handelt von István, der mit seiner Mutter in einer ungarischen Plattenbausiedlung aufwächst – und auf verschlungenen Wegen in die höchsten Kreise Londons gerät. Gelingt ihm der soziale Aufstieg? Was bedeutet es heute, männlich zu sein? Ist er ein Mörder? Und wenn ja, trotzdem ein guter Mensch? Szalay führt uns in die Abgründe menschlicher Existenz.
Was man auch über Bodo Kirchhoffs umfangreichen Liebesroman "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt" sagen kann: Terese reist ihrem Mann nach Indien hinterher, um ihn mit seiner Geliebten zu erwischen. Kann das gut gehen?
Unser Klassiker ist diesmal Herman Melvilles berühmte Erzählung "Bartleby der Schreiber". Sie handelt vom großen Neinsager der Literatur: Sich im Bürojob jeder Tätigkeit zu verweigern, wird hier zum Lebensmotto der Moderne schlechthin.Unser Zitat des Monats kommt aus dem Erzählungsband "Stories 2" der amerikanischen Schriftstellerin Joy Williams.
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Literaturangaben:- David Szalay: "Was nicht gesagt werden kann". Roman. A. d. Engl. v. Henning Ahrens. Claassen Verlag, Berlin 2025, 384 Seiten, 25,00 EUR
- Bodo Kirchhoff: "Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt". Roman. dtv, München 2026, 576 Seiten, 28,00 EUR
- Herman Melville: "Bartleby, der Schreiber". A. d. Engl. v. Jürgen Krug. Insel Verlag, Berlin 2019, 88 Seiten, 14,00 EUR
- Joy Williams: "Stories 2". A.d. Engl. v. Julia Wolf. dtv, München 2025, 320 Seiten, 26,00 EUR
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So war das Sachbuchjahr 2025
Das Jahr geht vorbei, Zeit für Bilanzen. Maja Beckers und Alexander Cammann schauen in dieser letzten Sachbuch-Folge von Was liest Du gerade? im Jahr 2025 auf Bücher, die für spezielle Trends stehen oder große …
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Das Jahr geht vorbei, Zeit für Bilanzen. Maja Beckers und Alexander Cammann schauen in dieser letzten Sachbuch-Folge von Was liest Du gerade? im Jahr 2025 auf Bücher, die für spezielle Trends stehen oder große Themen des Jahres diskutieren. In der Rubrik „Der erste Satz“ geht es um ein Zitat aus dem Buch der Journalistin Eva Thöne unter dem Titel Weibliche Macht neu denken: Steckt im Kampf um Sichtbarkeit auch eine Gefahr für den Feminismus?
Katja Gloger und Georg Mascolos Buch Das Versagen über die deutsche Russlandpolitik steht seit Wochen auf den Bestsellerlisten. Ihre investigative Recherche liefert auf der Basis zahlloser Dokumente und Interviews mit Akteuren und Zeitzeugen einen schonungslosen Blick hinter die Kulissen von Außen- und Wirtschaftspolitik vor dem russischen Überfall auf die Ukraine.
Gesprächsbücher lagen in diesem Jahr im Trend: Die Politikerin Ricarda Lang und der Soziologe Steffen Mau liefern in ihrem Buch Der große Umbruch eines davon. Beide melden sich oft in den Medien zu Wort – wie funktioniert ihr Langgespräch aus zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven über die Krisen unserer Gegenwart?
In der „Klassiker“-Rubrik erinnern wir an den TV-Moderator, Journalisten und Buchliebhaber Roger Willemsen, der vor zehn Jahren gestorben ist: Unter dem Titel Liegen Sie bequem? sind viele seiner Texte, Kolumnen und Interviews in einem Sammelband erschienen, der um seine Begeisterung für das Lesen und die Literatur kreist. So steigt garantiert die Vorfreude auf das Lesejahr 2026!
Das Team von "Was liest Du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Eva Thöne: Weibliche Macht neu denken. Hanser Berlin, 240 Seiten, 24 Euro
- Katja Gloger/Georg Mascolo: Das Versagen. Eine investigative Geschichte der deutschen Russlandpolitik. Ullstein, 496 Seiten, 26,99 Euro
- Ricarda Lang/Steffen Mau: Der große Umbruch. Ein Gespräch über Krisen, Konflikte und Kompromisse. Ullstein, 400 Seiten, 24,99 Euro
- Roger Willemsen: Liegen Sie bequem? Von Lesen und von Büchern, hrsg. v. Insa Wilke, S. Fischer, 448 Seiten, 28 Euro
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Das Unheimliche wird alltäglich
In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts „Was liest du gerade?“ stellen Iris Radisch und Adam Soboczynski eine moderne Naturheilige vor, die in Marion Poschmanns Verslegende „Die Winterschwimmerin“ den …
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts „Was liest du gerade?“ stellen Iris Radisch und Adam Soboczynski eine moderne Naturheilige vor, die in Marion Poschmanns Verslegende „Die Winterschwimmerin“ den ganzen Winter über in Seen und Flüssen badet und überhaupt eine beeindruckende Großstadtnixe ist. Außerdem wollen wir wissen, was die Geschichten in Samantha Schweblins Erzählungsband „Das gute Übel“ so magisch und intensiv macht. Sind es die unheimlichen Tiere und die überraschenden Todesfälle? Oder liegt es an der genial verrutschten Perspektive, aus der die in Berlin lebende argentinische Autorin von den verrücktesten Ereignissen erzählt?
In jeder Folge wird auch ein Klassiker der Weltliteratur vorgestellt: Heute ist es der aktuell neu entdeckte Exilroman „Abschied von gestern“ von Lily Körber, der sehr authentisch von der Aufbruchsstimmung und der Mentalität der europäischen Emigranten in New York während des Zweiten Weltkriegs erzählt.
Unser Zitat des Monats kommt aus dem Roman der Pariser Journalistin Adèle Van Reeth „Das gewöhnliche Leben“, der eine echte Entdeckung ist. Außerdem: Geschenktipps zu Weihnachten.
- Marion Poschmann: Die Winterschwimmerin. Suhrkamp Verlag
- Samantha Schweblin: Das gute Übel, Suhrkamp Verlag
- Lily Körber: Abschied von Gestern; aus dem Englischen von Beate Swoboda, Verlag das kulturelle Gedächtnis
- Adèle Van Reeth: Das gewöhnliche Leben, aus dem Französischen von Joachim Unseld, Frankfurter Verlagsanstalt
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Vier Sachbücher zum Verschenken
Der Advent ist da, Weihnachten steht bald wieder vor der Tür und damit wie jedes Jahr die große Frage: Was soll man bloß schenken? Bücher sind schon mal eine großartige Wahl und wer Last-Minute-Fehlkäufe …
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Der Advent ist da, Weihnachten steht bald wieder vor der Tür und damit wie jedes Jahr die große Frage: Was soll man bloß schenken? Bücher sind schon mal eine großartige Wahl und wer Last-Minute-Fehlkäufe vermeiden will, für den haben Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuch-Folge von "Was liest Du gerade?" vier Tipps für ganz unterschiedliche Lesetypen parat.
- Rauschen in der Nacht. "Die Wildgans – eine Geschichte des 20. Jahrhunderts". Rowohlt Berlin, 272 Seiten, 26 Euro
- Stefan Weidner: "Yoga oder Die sanfte Eroberung des Westens durch den Osten". Hanser, 46 Seiten, 30 Euro
- Konstantin Richter: "300 Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG". Suhrkamp, 543 Seiten, 30 Euro
- Sarah Iles Johnston: "Von Göttern und Menschen. Die griechischen Mythen neu erzählt." C. H. Beck, 558 Seiten, 36 Euro
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Lost in Venedig
In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski über einen der besten deutschsprachigen Romane des Herbstes. Nämlich Katerina Poladjans kurzer …
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski über einen der besten deutschsprachigen Romane des Herbstes. Nämlich Katerina Poladjans kurzer, aber ungeheuer dichter Roman "Goldstrand". Eine junge Frau geht 1922 auf der Überfahrt von Odessa nach Konstantinopel über Bord und begründet damit ein familiäres Trauma von Verlust und Verlorenheit, das sich in ihrer Familie durch viele Generationen und viele Länder ziehen wird.
Zudem sprechen wir über das neue Werk des irischen Altmeisters John Banville mit dem Titel "Schatten der Gondeln" – ein Krimi und Schauerroman um einen Londoner Schriftsteller und seine eigentlich schwerreiche, aber leider enterbte Gattin, die nach dem gewaltsamen ehelichen Sex im Winter 1899 spurlos in Venedig verschwindet. John Banville kombiniert routiniertes Storytelling mit gänzlich überraschenden Wendungen der Ereignisse. Es kommt immer alles ganz anders, als man denkt.
Unser monatlicher Klassiker ist Virginia Woolfs Roman "Die Fahrt zum Leuchtturm" aus dem Jahr 1927. Hier tauchen wir tief ein in den herrlich chaotischen und bewegenden Bewusstseinsstrom einer englischen Familie, die Ferien macht und gerne eine Fahrt zum Leuchtturm unternehmen würde – ein Vorhaben, das erst ein Jahrzehnt später und ganz am Ende des legendären Romans zu einem glücklichen Ende kommt.
Unser Zitat des Monats stammt aus dem neuen Erzählungsband von Harper Lee "Das Land der süßen Ewigkeit".
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Katerina Poladjan: Goldstrand. S. Fischer Verlag, gebunden, 160 Seiten, 22,00 Euro
- John Banville: Schatten der Gondeln; aus dem Englischen von Elke Link; Ki&Wi Verlag, 384 Seiten, 25,00 Euro
- Harper Lee: Das Land der süßen Ewigkeit; aus dem Amerikanischen von Nicole Seifert; Penguin Verlag, 208 Seiten, 25,00 Euro
- Virginia Woolf: Die Fahrt zum Leuchtturm, diverse Ausgaben
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Mythos Precht, Mama Kebekus
Richard David Precht ist ein Bestseller-Garant, auch mit seinem neuen Buch "Angststillstand". In der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann über seine …
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Richard David Precht ist ein Bestseller-Garant, auch mit seinem neuen Buch "Angststillstand". In der neuen Sachbuchfolge von "Was liest du gerade?" diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann über seine Thesen zur Meinungsfreiheit und darüber, was hinter seiner Popularität steckt. Egal, was er schreibt: Warum wird er dafür immer von den einen gefeiert, von den anderen gehasst?
Ähnlich populär wie Precht ist Carolin Kebekus, ob im Podcast, in ihrer Fernsehshow oder in ausgebuchten Hallen. Im vergangenen Jahr wurde der Comedystar Mutter, jetzt erscheint ihr Buch über diese Erfahrung: "8000 Arten, als Mutter zu versagen". Ist das genauso lustig wie ihre Auftritte? Und welche Botschaften hat sie sonst noch parat?
In der Rubrik "Der erste Satz" geht es um ein Zitat von Annekathrin Kohout aus ihrem Buch "Hyperreaktiv". Die Kulturwissenschaftlerin erklärt die gravierenden Veränderungen für die demokratische Öffentlichkeit, die Diskussionen in sozialen Medien auslösen – und führt vor, mit welchen Methoden dort um Deutungsmacht gekämpft wird.
Als Klassiker haben diesmal gleich 500 Klassikerinnen und Klassiker ihren Auftritt: Manfred Pfister hat in einem Prachtband über die "Englische Renaissance" lauter kluge, lustige und oft ziemlich aktuelle Texte über den Alltag und das Denken aus dem 16. und 17. Jahrhundert versammelt, erklärt und übersetzt. Vom Tabakverbot über Utopien, von Frauenbildern bis zu starken "Hamlet"-Stellen: Plötzlich rückt eine ferne Epoche ganz nah und zeigt, dass sie mehr als nur Shakespeare bedeutet.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Annekathrin Kohout: Hyperreaktiv. Wie in sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft wird. 189 Seiten, Wagenbach, 18 Euro
- Richard David Precht: Angststillstand. Warum die Meinungsfreiheit schwindet. 208 Seiten, Goldmann, 20 Euro
- Carolin Kebekus: 8000 Arten, als Mutter zu versagen. 192 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 22 Euro
- Manfred Pfister: Englische Renaissance. Shakespeare & Company, 478 Seiten, Galiani, 98 Euro
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Die für immer geschlossene Bibliothek
In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski dieses Mal auf der Frankfurter Buchmesse über das neue Buch des frisch gekürten …
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski dieses Mal auf der Frankfurter Buchmesse über das neue Buch des frisch gekürten Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai "Im Wahn der Anderen". Die Erzählungen des ungarischen Autors lassen uns tief eintauchen in den Bewusstseinsstrom seltsamer Sonderlinge, mal in den Kopf eines irrlichternden Ungeheuers, mal in den Kopf eines verrückten New Yorker Bibliothekars, der gerne eine Bibliothek eröffnen würde, in der die Bücher mit sich alleine bleiben und nie ausgeliehen werden können: eine für immer geschlossene Bibliothek. Der diesjährige Nobelpreisträger ist ein Meister im Bau grotesker Labyrinthe, in denen man sich lustvoll verlieren kann.
Außerdem geht es um den neuen Roman "Meine Mutter" der Kölner Fotografin Bettina Flitner. Nach ihrem Erfolg mit dem Erinnerungsbuch "Meine Schwester" geht es jetzt um das Leben ihrer Mutter, die genauso wie die Schwester freiwillig aus dem Leben schied. Gibt es einen Fluch in dieser Familie? Die Erinnerung führt die Autorin zurück nach Schlesien, wo die Urgroßeltern einst ein Sanatorium betrieben. Das eindringliche Buch steht in einer Reihe von aktuellen Erinnerungsbüchern über das Leben und die Vertreibung deutscher Familien aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten.
Unser Klassiker ist in dieser Podcastfolge das legendäre Mutterbuch "Wunschloses Unglück" aus dem Jahr 1972 von Peter Handke. In der Erzählung erinnert sich der Literaturnobelpreisträger des Jahres 2019 ebenfalls an seine Mutter, die sich 1971 das Leben nahm.
Unser Zitat des Monats stammt aus dem Roman "Huris" des franko-algerischen Autors Kamel Daoud.
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Literaturangaben:
- László Krasznahorkai: Im Wahn der Anderen. Drei Erzählungen. Übersetzung Heike Flemming. Mit 34 farbigen Zeichnungen von Max Neumann. S. Fischer Verlag.
- Bettina Flitner: Meine Mutter. Kiepenheuer & Witsch.
- Kamel Daoud: Huris. Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Matthes & Seitz.
- Peter Handke: Wunschloses Unglück. Suhrkamp Verlag.
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Was bitte ist guter Geschmack?
Der Bücherherbst ist da, die Frankfurter Buchmesse steht bevor – und die Welt starrt immer noch auf den Nahen Osten, voller Mitleid, Verzweiflung oder einfach Ratlosigkeit. Die Journalistin Sarah Levy hat den …
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Der Bücherherbst ist da, die Frankfurter Buchmesse steht bevor – und die Welt starrt immer noch auf den Nahen Osten, voller Mitleid, Verzweiflung oder einfach Ratlosigkeit. Die Journalistin Sarah Levy hat den Schock des 7. Oktober vor Ort erlebt: Sie ist 2019 von Deutschland nach Israel gezogen. Jetzt hat sie über ihre Erfahrungen dort im Alltag ihrer Familie ein Buch geschrieben, zwischen Ängsten und Hoffnungen: "Kein anderes Land" liefert diesmal den "ersten Satz", über den Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuch-Folge von "Was liest Du gerade?" diskutieren.
Geschmack ist etwas, was jeder von uns gerne hätte – und sehr viele bilden sich ein, ihn zu besitzen. Ulrich Raulff hat jetzt mit "Wie es euch gefällt" eine originelle Geschichte des Strebens nach gutem Geschmack geschrieben, von der Mode über Gärten zum Wein, von antiken Vorbildern, italienischem Stil, New Yorker Luxus und Pariser Glamour. Hilft das elegante Buch beim Kampf gegen die Geschmacklosigkeit?
In die Tiefsee führt uns die Wissenschaftsjournalistin Laura Trethewey in ihrem Buch "Bis zum Grund der Welt": Denn anders als die Mondoberfläche kennen wir den Meeresboden bislang kaum, denn 70 Prozent von ihm sind noch nicht kartographiert. Seit einigen Jahren hat der Wettlauf in der Erfassung dieser verborgenen Welt begonnen – die Reporterin erzählt von ehrgeizigen Forschern und reichen Finanziers, vom Streben nach Gewinn und Erkenntnis.
Der Klassiker stammt diesmal vom 2019 verstorbenen Kunsthistoriker Martin Warnke: 1985 hat er mit seinem Buch "Hofkünstler" die Sicht auf Maler und Bildhauer revolutioniert. Nicht der Markt brachte seit dem 18. Jahrhundert den Künstlern die Freiheit, sondern Warnke entdeckte sie schon lange zuvor: Die allmächtigen Herrscher und Päpste in der Renaissance sicherten ihren Meistern die Autonomie für geniale Meisterwerke.
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Literaturangaben:
- Sarah Levy: Kein anderes Land. Aufzeichnungen aus Israel. 336 Seiten, Rowohlt, 24 Euro.
- Ulrich Raulff: Wie es euch gefällt. Eine Geschichte des Geschmacks. 480 Seiten, C.H. Beck, 36 Euro.
- Laura Trethewey: Bis zum Grund der Welt. Das abenteuerliche Rennen um die Kartierung des Meeresbodens. Aus dem amerikanischen Englisch von Rudolf Mast, 364 Seiten, Mare, 28 Euro.
- Martin Warnke: Hofkünstler. Zur Vorgeschichte des modernen Künstlers, 512 Seiten, Wagenbach, 42 Euro
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Die Leiden der jungen Wahl
In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski über das neue Buch von Caroline Wahl und den Streit, der im deutschen Feuilleton und im Netz …
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In der neuen Folge unseres Literaturpodcasts "Was liest du gerade?" diskutieren Iris Radisch und Adam Soboczynski über das neue Buch von Caroline Wahl und den Streit, der im deutschen Feuilleton und im Netz über die Bestsellerautorin ausgebrochen ist.
Außerdem geht es um ein echtes Meisterwerk: Ian McEwans neuer Roman "Was wir wissen können". Es spielt in der Zukunft: Großbritannien ist ein Inselmeer, Hamburg und London sind nach einem Atomunfall untergegangen, Deutschland gehört zu Russland. Warum, fragen sich die jungen Leute im Jahr 2119, war die vergangene Zivilisation so bescheuert, einfach unterzugehen? Für sie sind wir nicht weniger beschränkt als die Menschen, die sich im Dreißigjährigen Krieg gegenseitig abgeschlachtet haben. Aber sie bewundern auch unsere Freiheit und unseren Luxus, denn ihre Lebenserwartung liegt nur noch bei 62 Jahren. Und leckeres Essen gibt es auch nicht mehr.
Außerdem geht es um Dorothee Elmigers Roman "Die Holländerinnen", der es auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hat. Eine Theatergruppe reist auf den Spuren eines echten Kriminalfalls durch Panama, wo im Jahr 2014 zwei Holländerinnen im Urwald verschwunden sind. Es wird eine Expedition ins "Herz der Finsternis", auch wenn es nur eine Kunstaktion ist, ein Reenactment. Die Autorin erzählt besonders kunstvoll und mit vielen literarischen und philosophischen Anspielungen von der Faszination des Menschen für das abgrundtief Entsetzliche.
Unser Klassiker ist Goethes Longseller "Die Leiden des jungen Werther", das schönste und traurigste Buch über die erste ganz große Liebe eines jungen Mannes.Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Caroline Wahl: Die Assistentin. Roman. Rowohlt Verlag. 368 S., 24 Euro.
- Ian McEwan: Was wir wissen können. Roman. Diogenes Verlag. Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Robben. 480 S., 28 Euro.
- Dorothee Elminger: Die Holländerinnen. Roman. Hanser Verlag. 160 S., 23 Euro.
- Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther.
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Dein Körper, deine Klasse
Sie ist wieder da, nach elf Jahren und acht Millionen verkauften Büchern: Giulia Enders hat nach ihrem Weltbestseller Darm mit Charme ihr zweites Buch geschrieben. Hat Organisch wie ihr Erstling das Zeug zum …
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Sie ist wieder da, nach elf Jahren und acht Millionen verkauften Büchern: Giulia Enders hat nach ihrem Weltbestseller Darm mit Charme ihr zweites Buch geschrieben. Hat Organisch wie ihr Erstling das Zeug zum Megaerfolg? Darüber diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann in der neuen Sachbuch-Folge von "Was liest du gerade?" Enders will den Leserinnen und Lesern Wissen über den menschlichen Körper vermitteln, den wir immer noch zu wenig kennen. Was daran ist die typische Enders-Mischung, was macht die 35-jährige Medizinerin diesmal anders?
Seit einigen Jahren diskutieren wir wieder stärker über soziale Ungleichheit, Herkunft und ungerecht verteilte Lebenschancen. Da kommt der Philosoph Hanno Sauer mit seinem Buch Klasse. Die Entstehung von Oben und unten gerade richtig: Warum existieren Klassen überhaupt und wie erkennt man sie? Soll man sie abschaffen oder lieber nicht – und was ist an ihnen eigentlich so schlimm?
Die Rubrik "Der erste Satz" dreht sich diesmal um ein Gefühl, das wir alle kennen: Nostalgie. Die britische Historikerin Agnes Arnold-Forster erkundet seine Geschichte im Laufe der Jahrhunderte als private und gesellschaftliche Emotion – mal als Warnung, mal als Verteidigung.
Die Klassikerin ist diesmal Margaret Fuller: Die 1850 im Alter von nur 40 Jahren verstorbene amerikanische Essayistin, glänzende Literaturkritikerin und Reporterin gehört zu den bahnbrechenden Figuren des frühen Feminismus, vor allem mit ihrem Buch Frauen im 19. Jahrhundert. Jetzt kann man sie in dem Band Die Freiheit ist weiblich mit ihren besten Texten endlich auf Deutsch wiederentdecken.
Das Team von "Was liest du gerade?" erreichen Sie unter [email protected].
Literaturangaben:
- Agnes Arnold-Forster: "Nostalgie. Geschichte eines gefährlichen Gefühls". Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt, 304 Seiten, Reclam, 28 Euro
- Hanno Sauer: "Klasse. Die Entstehung von Oben und Unten". 368 Seiten, Piper, 26 Euro
- Giulia Enders: "Organisch". Illustriert von Jill Enders, 338 Seiten, Ullstein, 24,99 Euro
- Margaret Fuller: "Die Freiheit ist weiblich. Schriften zur Romantik und Revolution". Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von Lisa Kunze, 368 Seiten, Wallstein, 34 Euro
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