ERF Plus – Bibel heute

ERF Plus – Bibel heute

NewWer soll mich sehen?October 23, 2026 · 11 min
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Oct 23, 2026

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Die tägliche Bibelauslegung zum ökumenischen Bibelleseplan.

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  1. Wer soll mich sehen?

    11 min

    Der Bibeltext Offenbarung 3,7-13 – ausgelegt von Winfried Geisel. Zu wem schauen wir auf?Zu wem schauen Sie auf? Möglichkeiten bieten sich einige. Und es gibt genug Menschen, die lieben es, wenn zu ihnen …

    Show notes
    Der Bibeltext Offenbarung 3,7-13 – ausgelegt von Winfried Geisel.
    Zu wem schauen wir auf?

    Zu wem schauen Sie auf? Möglichkeiten bieten sich einige. Und es gibt genug Menschen, die lieben es, wenn zu ihnen aufgeschaut wird. Davon glauben manche, sie müssen sich nur genug in den Mittelpunkt drängen, dann werden sie gesehen. Sie machen sich groß und sei es durch Dreistigkeit gepaart mit Skrupellosigkeit. Großsein gefällt und Angesehensein stärkt – und füllt vielleicht sogar die eigenen Taschen.

    Das Beobachten der anderen mag interessant sein. Aber es hilft mir nicht zum Leben. Niemand bleibt da für immer im Fokus. Manche verschwinden einfach und alle sterben irgendwann. Dann kann auch die „Welt“ der aufschauenden Follower zusammenbrechen.

    Nein, diese Art des Lebens gefällt mir nicht. Darin sehe ich keine Zukunft. – Da bin ich froh über das Schreiben, das Jesus an die Gemeinde zu Philadelphia in Auftrag gegeben hat. Was ich darin lese, gilt für Philadelphia, die Gemeinden in der Zeit damals und alle Gemeinden. Ja, es gilt damals und heute und je und je ganz persönlich weiter bis über das Ende hinaus. Jesus lobt darin das „Kleinsein“ der Gemeinde und der Christenmenschen mitten in der Metropole Philadelphia. Deren Umstände sind kompliziert und manchmal wohl zum Verzweifeln. Sie sind angefeindet und bedroht.

    Gerade fängt man in der Gegend an, dem Kaiserkult zu folgen, auch weil man sich mehr Zusammenhalt verspricht und großen Schwung für die Ökonomie. Ihre Familienmitglieder verstehen oft den Schritt weg vom Göttergötzenglauben nicht und setzen die neuen Christen unter Druck. Und auch Juden damals in der Stadt und diejenigen, die extra angereist sind, tun alles, um die Gemeinde zu zerstören. Wie will man das aushalten? Wie kann die Gemeinde da standhalten? Es könnte doch helfen, wenn man glänzend dasteht und mächtig und groß rauskommt, so wären die Überlegungen wohl auch heute.
     

    Kleine Kraft in Philadelphia

    Und ausgerechnet da lässt Jesus ausrichten: „… du hast eine kleine Kraft …“ Und er lässt gleich anfügen: „…und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet…“ Das ist eigentlich ein Widerspruch, kommt mir in den Sinn. Mit kleiner Kraft, schwach und hilfsbedürftig kann ich nichts bewahren und in der Enge der Bedrängnis nicht zu Jesus stehen. Zähle ich mit kleiner Kraft nicht zu den Verlierern? Nicht bei Jesus. Ich denke, „kleine Kraft“ bezieht sich auf die eigene Stärke oder auf das, was ich dafür halte.

    Da sehen die Schwestern und Brüder in Philadelphia bei und aus sich selber keine bis wenig Glaubensstärke und -kraft. Auch der gesamten Gemeinde ergeht es so. Sie erkennen, aus unserer Kraft können wir dem Druck auf uns und die Gemeinde nicht standhalten. Die eigene Kraft reicht nicht aus. Wir müssen uns Jesus, dem Sohn Gottes, anvertrauen. Er muss uns bei sich festhalten. Er kennt unsere Lage, die Angriffe, das, was uns zu schaffen macht. Jesus kennt die Menschen, die Glauben angreifen; ihm ist alle Macht gegeben. Also wird es Jesus mit uns gut machen. Ja, was wir als Angriff auf uns verstehen, ist ja zumindest ebenso eine Attacke gegen Jesus selbst.

    Ich selbst bin aktuell nicht in der Not und erlebe aufgrund meines Glaubens keine Bedrängnis. Allerdings ahne ich, dass meine eigene Glaubensstärke nicht weit reicht. So verpasse ich immer wieder Gelegenheiten zum Zeugnis für Jesus und sein Werk. Ich selber kann immer nur zu Jesus rennen und ihn bitten: „Ich glaube, bitte stärke mein Vertrauen.“ Ich bekenne, in meinem ganz normalen Alltag bin ich als Christ auf die vertrauensstärkende Treue von Jesus Christus angewiesen. „Die Kraft von Jesus ist in den Schwachen mächtig“, bekennt Paulus.  Das erlebten die Christinnen und Christen in Philadelphia – und ich erlebe es auch.
     

    Aufschauen zu Jesus

    Mein Unvermögen ist kein Mangel. So lerne ich zu Jesus aufzuschauen. Das ist auch die Rettung für die Adressaten des Schreibens in Philadelphia. Sie schauen nicht auf sich. Sie laden auch niemanden ein, auf sie oder einen aus ihren Reihen zu schauen. Sie laden zum Blicken auf Jesus ein. Dabei bleiben sie. Gerade dann ermutigen sie dazu, wenn sich scheinbar Großes vor Jesus schieben will. Im Zweifel und in Angst, in allen Notlagen, haben sie Jesus nie aus den Augen gelassen. Mit allem sind sie zu ihm gekommen und haben die Lösung und Hilfe von ihm erwartet, so bescheinigt es ihnen Jesus selber. Es ist nun ein Missverständnis zu glauben, dass diese Christen untätig sind. Nein, aber sie handeln nicht einfach in Angst und Panik, sie legen es Jesus im Gebet vor und finden so Mittel und Wege. – Das ist das Zeugnis, das Jesus ihnen gibt. Und das müssen auch die Feinde anerkennen.

    Jesus bewegt diese dazu, zur Gemeinde zu kommen und zu bekennen, dass die, die auf Jesus schauen und sich auf ihn verlassen haben, Jesu ganze Liebe empfangen. – Diese Liebe von Jesus trägt die Menschen mit deren „kleinen Kraft“ zu jeder Zeit. Und Jesus lenkt den Lauf der Geschichte so, dass diese Treu-Empfangenden vor dem bewahrt wurden und sind, was aller Welt an Versuchung bevorsteht. Die Gemeinde in Philadelphia und Sie und ich, wir mit unserer Schwäche im Glauben, müssen sich nicht vor dem Bösen fürchten, das und der die Menschheit attackiert. Wer „klein“ und schwach ist, kann in Ruhe bleiben und auf Jesus schauen. Und weiter für die Menschen und die Welt beten und handeln.

    Mehr noch, vielmehr: Menschen, die Jesus ansehen – und sich mit ihrer Schwachheit und geringen Kraft – Jesus anvertrauen, werden wesentliche Teilhaberinnen und Teilhaber an Jesu ewiger Herrschaft sein. In seinem Tempel und seinem Reich haben diese vertrauenden Menschen tragende Aufgaben. Ihnen schreibt Jesus all das zu, was er getan hat, was er vollbracht hat und was er ist: Das Leben.

    Es kommt also darauf an, zu wem jemand aufschaut. Es ist entscheidend, wem Menschen folgen. Die Gemeinde in Philadelphia kann heute noch Beispiel sein, wie nützlich, förderlich, fruchtbar es ist, zu Jesus Christus aufzuschauen. Mut braucht es dazu. Diesen lässt Jesus in seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern wachsen.

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    Autor: Winfried Geisel

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  2. Wie hart!

    10 min

    Der Bibeltext Offenbarung 3,1-6 – ausgelegt von Klaus Schlicker. Ein hartes Urteil über SardesWie hart! Jesus beurteilt die Gemeinde in Sardes. Und sein Urteil fällt katastrophal aus! „Du hast den Namen, dass …

    Show notes
    Der Bibeltext Offenbarung 3,1-6 – ausgelegt von Klaus Schlicker.
    Ein hartes Urteil über Sardes

    Wie hart! Jesus beurteilt die Gemeinde in Sardes. Und sein Urteil fällt katastrophal aus! „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot!“

    Wie kommt er zu diesem Urteil? – Viel Leben ist in Routine erstarrt in Sardes. Es läuft so. Es läuft wie jedes Jahr. Es läuft wie seit Jahren.

    Was aber fehlt, ist Liebe und Hingabe. Liebe zu Gott und Liebe zu den einzelnen Menschen. Liebe zu denen, die am Rand stehen, zu den Schwachen; zu denen, die ganz anders sind als wir; Liebe, zu denen, die sich schwertun, vielleicht mit unserem Stil zu leben und zu glauben. – Na, denkt man sich vielleicht, die sollen doch erst einmal so werden wie wir; dann passen die vielleicht auch in unser schickes Gemeindehaus, in unsere altehrwürdige Kirche, in unsere feierlich-erhebenden Gottesdienste, in unseren netten Kreis, der sich so gerne trifft … Liebe fehlt!

    Und Hingabe! – Wissen Sie, was Hingabe ist?

    Da ist eine junge Geigenspielerin. Sie spielt ihre Sonate. Sie kann sie schon auswendig. Sie schaut gar nicht mehr auf die Noten. Wer ihr Gesicht sieht, sieht, wie sie verträumt, versunken die Töne spielt, als wären sie ihre eigenen. Voller Hingabe steht sie da und spielt: sie und die Töne – sind eins.

    Das ist Hingabe: sich in einer Sache ganz verlieren, ohne nach den Kosten zu fragen. Sich einer Sache hingeben und darin das eigene Leben entdecken.

    Liebe, Hingabe fehlt, sagt Jesus! Deshalb: Du hast einen Namen, dass du lebst, aber du bist tot! Eine harte Diagnose, eine scharfe Beurteilung! Kann dies wirklich sein?
     

    Eine Gemeinde lebt von ihrer Vergangenheit

    Die Gemeinde von Sardes lebte von ihrer Vergangenheit. Der Ort war früher einmal sehr berühmt und reich gewesen. Und offensichtlich hatte auch die christliche Gemeinde am Ort einmal eine große Vergangenheit, sodass man an anderen Orten von dieser Christengemeinde sprach. Sie hatte einen guten Ruf! Sie hatte eine blühende Gemeinde- und Jugendarbeit gehabt! Der Platz reichte nicht mehr aus in ihrem Gemeindehaus! Sie hatte auch ein brennendes Herz für die Mission gehabt. Jeder, auch schon die ganz Jungen, wussten, wie wichtig dies war! Doch dies ist lange her. Diese Zeiten sind vorbei. Jetzt lebt die Gemeinde noch von der Routine. So, wie es halt schon immer war.

    Zu ihr sagte Jesus: Du hast den Namen, dass du lebst, aber du bist tot! Werde wach! Werde wach, sagt Jesus! Kehr um! Wach auf! Jesus will auch Sie und mich aus dem Schlaf der Selbstsicherheit und Selbstzufriedenheit herausrufen. Wach auf, steh auf!

    Jesus selbst weckt immer wieder eine tote Christenheit auf und macht sie hellwach. Immer wieder ist es sein Wort, das neues Leben schafft. Sein Wort hat Schöpfermacht. Da entsteht Neues. Menschen werden wach für Jesus und gehen auf andere Menschen zu, helfen ihnen – einfach so; laden sie zum Glauben ein – ganz selbstverständlich. Neues Leben entsteht und bricht sich Bahn.

    So soll es auch bei Ihnen und mir sein! Wir können uns aufwecken lassen! Wir können uns neu von der Liebe von Jesus anstecken lassen und fragen, was denn heute wichtig ist. Wir können uns die Liebe von Jesus schenken lassen und dann zu den Menschen gehen, die müde geworden sind, die verzagt sind, die nicht mehr weiterwissen.
     

    Umkehr und die Liebe weitergeben

    Liebe weitergeben, helfen, einladen, sich mit uns zu freuen und Gemeinschaft zu erleben. Umkehren und Buße tun, wo wir uns an der Gemeinschaft untereinander versündigt haben durch böse Gedanken und böses Gerede übereinander; durch Eigensinn und Unversöhnlichkeit. Umkehren aus Bequemlichkeit und Feigheit und Jesus wieder klarer und deutlicher nachfolgen im Glauben, im Bekennen und im persönlichen Lebensstil!

    „So denke nun daran, WIE du empfangen hast – und halte es fest!“ – Jesus erinnert seine Gemeinde an die Anfänge. Die Gemeinde von Sardes hatte die erste Liebe zu ihrem Herrn verloren. Wie oft geschieht dies bei uns? Wie oft erstarren wir in Routine? Ist nicht unser ganzes Gemeindeleben oft nur noch Routine? Alle Jahre wieder das Gleiche?

    Aber Jesus erinnert uns an unseren Anfang des Glaubens. Er erinnert uns daran, dass er aus Liebe in diese Welt kam, um uns zu retten – und: um uns einen Auftrag zu geben: Seine Liebe weiterzutragen zu den Menschen um uns herum! Jesus ruft der Gemeinde zu – damals wie heute: Kehrt um! Orientiert euch neu! Lasst euch wieder zeigen, was Liebe ist!
     

    Verheißung: weiße Kleider und das Buch des Lebens

    „Wer überwindet“, so sagt er, „der soll mit weißen Kleidern angetan werden.“ Weiße Kleider verheißt er denen, die umkehren; keine „weißen Westen“, nein, weiße Kleider, von ihm gereinigt. So kommt nun nach der Umkehr doch noch das große Fest! Denn diese Kleider sind die Festtagskleider bei Gottes Fest in seiner ewigen Herrlichkeit! Das ist uns verheißen.

    Und dann noch eines: „Ihre Namen werde ich nicht austilgen aus dem Buch des Lebens“, sagt Jesus. Denen, die ganz mit Jesus leben, die seine Liebe annehmen und in ihrem Leben wirklich weitergeben, ist verheißen, dass am Ende der Tage das große Buch Gottes aufgetan wird. Und dann heißt es: „Siehe, ich habe DICH erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!“

    Was wird das für ein Jubel sein, wenn auch unsere Namen aufgerufen werden! Was wird das für ein Staunen sein! Was wird das für ein Fest sein! Ein Fest der Liebe und Hingabe an unseren wunderbaren Gott …


    Sie haben Fragen zur Bibel und zum christlichen Glauben? – Fragen Sie doch Nikodemus.AI:

     

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    Autor: Klaus Schlicker

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  3. Eine blühende Gemeinde, aber eine verführerische Prophetin

    12 min

    Der Bibeltext Offenbarung 2,18-29 – ausgelegt von Ade Gärtner. Thyatira – Handelsstadt in KleinasienHeute reisen wir nach Thyatira – das heutige Akhisar in der Türkei. Diese Stadt war in der Antike eine …

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    Der Bibeltext Offenbarung 2,18-29 – ausgelegt von Ade Gärtner.
    Thyatira – Handelsstadt in Kleinasien

    Heute reisen wir nach Thyatira – das heutige Akhisar in der Türkei. Diese Stadt war in der Antike eine bedeutende Handels- und Industriestadt in der kleinasiatischen Landschaft Lydien. Sie lag im Lykostal, an der Straße von Pergamon nach Sardes. Thyatira war für seine Textilindustrie und Purpurfärberei bekannt.

    In der Bibel lernen wir in Apostelgeschichte 16 eine Frau von dort kennen, Lydia, eine Purpurhändlerin aus Thyatira. Sie wurde die erste Christin auf dem europäischen Kontinent. Die Gemeinde in Thyatira entstand vermutlich erst etwas später in der Zeit, als Paulus drei Jahre in Ephesus und der Region missionierte.
     

    Das vierte Sendschreiben: Lob für die Gemeinde

    Auch an diese Gemeinde in Thyatira richtete der auferstandene Jesus seine Botschaft. [Es ist] das vierte sogenannte Sendschreiben in der Offenbarung des Johannes. In der Stille und Abgeschiedenheit der Insel Patmos hat Jesus ihm diese Botschaft offenbart. Jede Gemeinde bekommt die zu ihr passende Botschaft. Die Botschaft Jesu an die Gemeinde in Thyatira beginnt mit den Worten: „Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und seine Füße sind wie Golderz.“

    In allen sieben Sendschreiben stellt sich Jesus mit speziellen Eigenschaften und Wesenszügen vor. Hier einzigartig als der „Sohn Gottes“. Das ist mehr als ein Wesenszug. Das ist sein Hoheitstitel. Hier spricht Jesus, der Sohn des allmächtigen Gottes, des Kyrios und Weltherrschers, der Christus, der HERR der Gemeinde. Nun, was hat er denen in Thyatira zu sagen?

    Lob und Tadel. Wertschätzung und Kritik. Das ist nicht bei allen sieben Gemeinden gleich. Die ersten vier bekommen Lob und Tadel zu hören. Die Gemeinden in Sardes und Laodicea bekommen nur Tadel, kein Lob. Und die Gemeinde Philadelphia bekommt nur Lob. Thyatira also bekommt beides. Zuerst kommt ganz viel Lob: Ich kenne deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld und weiß, dass du je länger, je mehr tust.

    Eine blühende Gemeinde: Ich kenne eure ganze Gemeindearbeit und die Mitarbeitenden, wie sie sich engagieren. Ich sehe eure Programme, euer Gemeindeprofil und eure Positionierung in der Stadt. Toll! Mehr noch: Ich sehe eure Liebe untereinander und zu den Nichtchristen. Die strahlt wirklich aus in die Stadt. Ich sehe euren lebendigen Glauben und euren Glaubensmut. Ich sehe eure Geduld, Ausdauer und Standfestigkeit.

    Was würden Sie selbst an Ihrer Gemeinde loben und wertschätzend erwähnen, wenn man Sie fragen würde? In beruflichen Mitarbeitergesprächen oder Paargesprächen kann man sich als Grundregel merken: Beginne erst mit dem Lob des anderen. Lieber zwei positive Dinge zuerst. Dann kann er oder sie die anschließende Kritik auch besser hören. 
     

    Die Kritik: Isebel und ihre Verführung

    Nach dem ausführlichen Lob nun also die Kritik von Jesus: „Ich habe gegen dich, dass du Isebel duldest, die Frau, die sagt, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen.“

    Isebel kennen wir aus dem Alten Testament aus dem 1. Buch der Könige. Sie war die Frau von König Ahab im Nordreich Israel. Isebel ließ viele Propheten Jahwes, des Gottes Israels, verfolgen und töten. Und ihr Mann ließ Isebel gewähren. Sie hat auch den Baals-Kult in Israel eingeführt und die Anbetung der Fruchtbarkeitsgöttin Astarte in ihren Tempeln gefördert. Mit diesem Kult verbunden war eine andere Sexualmoral als im Glauben Israels. Da gab es Tempelprostitution. Religion und Liebe gingen ineinander über. Das war Sex und Gebet, beides hatte seinen Raum. Unter anderem dafür steht der Name Isebel.

    Nun gibt es in Thyatira offensichtlich eine Isebel, eine die Gemeinde verführende und lehrende Prophetin. Offensichtlich sind dieser Prophetin in Thyatira viele Gemeindeglieder auf den Leim gegangen, haben sich verführen und irreführen lassen. Die Frau hatte offensichtlich eine starke religiöse Kraft, vielleicht auch eine erotische Ausstrahlung.

    Die Isebel von Thyatira hat die Christen bei zwei Themen verführt: Essen von Götzenopferfleisch und Hurerei. Das Thema „Götzenopferfleisch“ ist heute für die Gemeinde Jesu kein Problem mehr. Anders verhält es sich mit dem zweiten Thema. Im Griechischen steht hier das Wort „porneusai“. Es steht da als Verb: also Hurerei treiben, Unzucht ausleben, Pornografie, Ehebruch begehen, freie Liebe proklamieren, usw. Es ging um sexualethische Themen. Es ging um ein selbstbestimmtes Leben und Entscheiden in allen diesen Fragen.

    Gewiss gibt es in christlichen Gemeinden und Kreisen, auch in christlichen Familien und Partnerschaften nicht selten eine sehr enge und verkrampfte Sexualmoral, die wenig von der Freude an der Sexualität und dieser wunderbaren Gottesgabe ausstrahlt. Sexualität ist etwas Gutes und Schönes. Wenn wir sie im Kontext von Gottes Schöpfungs- und Lebensordnung leben, ist da auch viel Freiheit und Freude zu erleben. Aber es lauern auch Gefahren und Irreführungen in diesem Thema. In Thyatira war es offensichtlich ein so großes Problem, dass der Auferstandene das beim Namen nennt und kritisiert.

    Es gibt erstrangige, zweitrangige und drittrangige Fragen in der Gemeinde Jesu wie in konzentrischen Kreisen von innen nach außen. Im Zentrum von Kreuz und Auferstehung Jesu darf es keine Kompromisse geben. In ethischen Fragen wie der Sexualmoral wird es in unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen auch unterschiedliche Sichtweisen geben dürfen, ohne die Glaubensgemeinschaft aufzukündigen – also eher zweitrangig. Drittrangig sind Fragen wie der Musikstil, die eingesetzte Technik, das Gemeindeprogramm usw. – da kann jede Gemeinde ihren Stil entwickeln. Aber es gibt eben auch Fragen, die kann eine Gemeinde nicht einfach laufen lassen. Da gilt es zu unterscheiden und ggf. zu entscheiden.

    Manchmal muss man um der Wahrheit willen Konflikte ausfechten in einer Gemeinde, damit nicht die Gemeinde im Ganzen krank wird. Aber es gibt einen Weg, mit Fehlentwicklungen und mit Sünde fertig zu werden und sie zu überwinden. Und diesen Weg weist Jesus durch Johannes der Gemeinde in Thyatira.
     

    Umkehr und Ermutigung

    Jesus sagt: „Ich habe ihr (Isebel) Zeit gegeben, Buße zu tun. – Isebel und allen, die andere verführt haben und sich haben irreführen lassen, ruft der Herr zu: Kehrt um von eurem verkehrten Weg. Tut Buße. Bekehrt euch! Ändert euren Sinn. Lasst euch vom Geist und Wort Gottes erneuern.“

    Zum Schluss kommt eine Ermutigung von Jesus: „Was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme.“ 

    Liebe Gemeinde, denke daran, was euch geschenkt ist und was ihr empfangen hat. Haltet fest an meinem Wort und Willen. Engagiert euch weiter im Dienst. Bleibt in der Liebe untereinander verbunden. Seid weiter stark im Glauben und bleibt treu, übt Geduld und Ausdauer. Es lohnt sich. Halte fest, was du hast, bis ich komme.

    Das ist die Zukunfts-Perspektive der Gemeinde: Jesus kommt. Auf ihn sollen wir schauen und auf ihn hören.

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    Autor: Ade Gärtner

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  4. Pergamon – ein Kulturzentrum

    12 min

    Der Bibeltext Offenbarung 2,12-17 – ausgelegt von Jörg Schulze. Ein Brief vom auferstandenen Christus: Aufbau des SendschreibensSoeben haben wir das dritte Sendschreiben gehört, das der Seher Johannes in seiner …

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    Der Bibeltext Offenbarung 2,12-17 – ausgelegt von Jörg Schulze.
    Ein Brief vom auferstandenen Christus: Aufbau des Sendschreibens

    Soeben haben wir das dritte Sendschreiben gehört, das der Seher Johannes in seiner Offenbarung empfangen hat. Es ist nach demselben Schema aufgebaut wie die ersten beiden und die vier folgenden Sendschreiben: Empfänger ist die jeweilige Christengemeinde. Heute ist es jene in Pergamon in Kleinasien. Absender ist der auferstandene Christus. Er diktiert das Schreiben. Mit einer Christusbezeichnung aus dem 1. Kapitel der Offenbarung stellt er sich vor. Hier ist es das Symbol des scharfen, zweischneidigen Schwertes. Es folgt ein Gemeindespiegel. Der gibt die konkrete Situation der Gemeinde wieder. Zuerst wird die Gemeinde gelobt für ihre guten Werke. Die christliche Gemeinde leistet Widerstand gegen den römischen Kaiserkult. Dann werden den Gläubigen Schwachstellen im Gemeindeleben vorgehalten. Unter ihnen leben Menschen, die eine Irrlehre verbreiten. Christus ruft die Gemeinde zur Umkehr: „Tue nun Buße!“ Der Schluss-Refrain aller Sendschreiben lautet: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!“ Dann folgt ein Siegerspruch. Denen, die die Anfechtungen überwinden, verheißt der kommende Christus himmlische Gaben. In Pergamon sind dies Manna und ein neuer Name auf einem weißen Stein. So weit ein Überblick zur Gliederung der heutigen Bibellese.
     

    Leben, wo der Thron des Satans ist: Christsein in Pergamon

    Schauen wir uns nun den Abschnitt etwas genauer an. Pergamon war am Ende des ersten Jahrhunderts Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Es war ein Kulturzentrum mit einer mächtigen Bibliothek. Dort lagerten mehr als 200 000 Schriftrollen. Übrigens, vom Namen der Stadt Pergamon wurde das Wort Pergament abgeleitet. Dieses Schreibmaterial wurde dort erfunden und verdrängte den zuvor verwendete Papyrus. Als Christ in Pergamon zu leben, war schwierig. „Du wohnst, wo der Thron des Satans ist“, heißt es gleich am Anfang des heutigen Abschnitts der Bibellese. Pergamon war eine der großen Kultstätten der Antike. Besonders zwei seiner vielen Heiligtümer waren berühmt. Da war zum einen der Altar zu Ehren von Asklepios, dem Gott der Heilkunde. Dieser zog kranke Menschen von nah und fern in die Stadt. Und zum anderen stand dort der monumentale Altar zur Verehrung von Zeus und Athene. Er beherrschte damals das Stadtbild. Wir kennen ihn heute als Pergamonaltar und können ihn rekonstruiert im Pergamonmuseum in Berlin besichtigen. [Kommentar: Das Pergamonmuseum ist wegen Sanierung geschlossen. Der Saal mit dem Pergamonaltar soll nach bisheriger Planung frühestens 2027 wieder zugänglich sein. ]

    Außerdem war Pergamon das Zentrum des Kaiserkultes in der Provinz. Der römische Kaiser Domitian forderte von seinen Untertanen göttliche Verehrung. Auch ihm zu Ehren wurden dort Statuen und ein Tempel errichtet. Wer sich weigerte, vom Kaiser als „Herrn und Gott“ zu sprechen, musste mit Verfolgung und Tod rechnen. Ständig schwebten die Forderungen des Kaisers wie ein Schwert über der Christengemeinde. Für sie war allein Jesus „Herr und Gott“. Darum wurden viele Christen ihres Glaubens wegen getötet. So wie Antipas von Pergamon. Ihn nennt Christus in diesem Sendschreiben seinen „treuen Zeugen“ der frohen Botschaft. Katholische und orthodoxe Christen verehren Antipas als Heiligen und Märtyrer.
     

    Lob und Tadel: Treue im Glauben statt fauler Kompromisse

    Inmitten einer heidnischen Umwelt und des Kaiserkultes hat die Gemeinde in Pergamon den christlichen Glauben behauptet und bewahrt, bezeugt und nicht verleugnet. Dafür hat sie großes Lob verdient. Und doch müssen die Christen sich einen Tadel gefallen lassen. Christus wirft der Gemeinde vor, dass sich bei ihr Irrlehrer eingenistet hatten. Jene vertraten die Lehre Bileams und die Lehre der Nikolaiten. Zwei Strömungen, die die Einheit der Christengemeinde in Gefahr bringen konnten. Sie warben mit vermeintlich christlichen, verlockenden und eingängigen Parolen. Sie waren nicht bereit, sich voll und ganz für das Christentum zu entscheiden. Sie wollten die Vorteile beider Welten genießen. So lehrten sie, es sei nichts Böses dabei, wenn man sich als Christ der Welt anpasse. Wenn man Kompromisse schließe mit weltlichen Verhaltensweisen und weltlicher Sittenauffassung. Wenn man Götzenopferfleisch essen oder Unzucht treiben würde.

    Christus kennt die Lage seiner Gemeinde. Er weiß, was in Pergamon geschieht. Damit die Unruhestifter die Christen nicht weiter im Glauben verwirren und vom wahren Glauben abbringen können, ist Korrektur notwendig. Christus fordert die Gemeinde auf, umzukehren von dem Weg, auf dem sie ist, und Buße zu tun. Sein Zorn richtet sich vor allem gegen jene, die die Gemeinde in die Irre führten, sie täuschten und verführten. Jenen droht Christus an, er werde mit ihnen streiten durch das Schwert seines Mundes.
     

    Verborgenes Manna und ein weißer Stein: Hoffnung, die bleibt

    Das Schwert ist ein Symbol für das strafende Gotteswort. Nach dem Hebräerbrief ist das Wort Gottes schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes an uns Menschen. Er ist Retter und Richter. Er lädt uns immer wieder ein, ermutigt uns und fordert uns aber auch auf, dass wir uns allein der Liebe Gottes anvertrauen. Darum: „Wer Ohren hat, der höre“. Wenn die Christen in Pergamon diesen Weckruf hören und ihren Glauben in der Not nicht verleugnen, wird ihre Glaubenstreue vom Herrn belohnt. Sie bekommen verborgenes Manna und einen weißen Stein, auf dem ihr neuer Name steht. Mit Manna speiste Gott das Volk Israel in der Wüste. Christus gibt sich allen, die treu sind und an ihn glauben, als Himmelsbrot, als Brot des Lebens. Ein weißer Stein bestätigte in Gerichtsprozessen zur Zeit der Offenbarung, dass die Person unschuldig ist und freigesprochen wird. Christus verspricht den Überwindern einen weißen Stein mit einem neuen Namen als Zeichen des Freispruchs vor dem Gericht Gottes.

    Die Wörter weiß und neu sind typisch für die Offenbarung des Johannes. Weiß ist die Farbe des Himmels. Das Wort neu meint hier etwas, das es so bisher noch nicht gegeben hat: das neue Jerusalem oder ein neuer Himmel und eine neue Erde. In der Jahreslosung für 2026 verspricht Gott: „Siehe, ich mache alles neu!“

    Das Sendschreiben an die Gemeinde in Pergamon kann auch heute Gläubige ermutigen, die in ihrer Not unsicher sind. Es gibt keinen Grund zur Resignation. Am Ende steht der Sieg Christi und das Kommen von Gottes neuer Welt. Ohne Tod, Leid und Tränen, Klage und Schmerzen. Das gibt Hoffnung zum Guten hin und Trost im Leben und im Sterben.

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    Autor: Jörg Schulze

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  5. Treu an Jesu Seite

    10 min

    Der Bibeltext Offenbarung 2,8-11 – ausgelegt von Sabine Müller. Ein Brief voller ErmutigungStellen Sie sich vor, Sie bekommen überraschend Post! Nein, keine Rechnung oder Mahnung, sondern einfach ein paar liebe …

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    Der Bibeltext Offenbarung 2,8-11 – ausgelegt von Sabine Müller.
    Ein Brief voller Ermutigung

    Stellen Sie sich vor, Sie bekommen überraschend Post! Nein, keine Rechnung oder Mahnung, sondern einfach ein paar liebe Zeilen. Wie schön und ermutigend! Ähnlich muss es wohl für die Gemeinde in Smyrna sein. Gott lässt sie mit diesem Sendschreiben durch den ApostelJohannes ermutigen. Smyrna liegt in Kleinasien, der heutigen Türkei, jetzt unter Izmir bekannt. In solchen Hafenstädten sind meist viele Nationalitäten und religiöse Strömungen vertreten. In der Zeit der ersten Christen lassen sich viele Römische Kaiser als Götter verehren. Das stellt die Nachfolger Jesu vor die Wahl: Entweder Gott oder dem Kaiser folgen, man kann nicht zwei Herren dienen. Unter dem Kaiser Domitian Ende des 1. Jahrhunderts ist es besonders schlimm: Den Christen drohen Misshandlungen, Verfolgung, Hass und oft sogar der Märtyrertod. Auch heute noch müssen sich viele Christen heimlich treffen, um unerkannt zu bleiben.

    Diese Umstände können das Evangelium nicht aufhalten und das Christentum nicht eindämmen. Diese Bedingungen können sogar der Nährboden zur Verbreitung des Christentums sein. Gott lässt die Gemeinde in Smyrna ermutigen, durchzuhalten und Gott treu zu bleiben (Vers 10).  Lohn für den Glauben und die Standhaftigkeit ist das ewige Leben. Niemand und nichts kann es den Nachfolgern rauben. Gott lenkt durch die Zeilen des Johannes den Blick auf Jesus, den Ersten und Letzten, den Ewigen und Lebendigen. Er ist Schöpfer des Universums und Herr über allem. Er hat das erste und auch das letzte Wort. Nichts ist ihm zu groß oder zu schwer. Als Sohn Gottes, der Mensch wurde, hat er es selbst erlebt, unverstanden zu sein und wegen des Glaubens Nachteile zu haben. Er blieb treu bis zum Tod, hat ihn aber durch seine Auferstehung besiegt. Wer an Jesus, den Sohn Gottes, glaubt, hat ewiges Leben (Johannes 5,24).

    Christus ist das Vorbild aller Christen, damals wie heute. Welch ein Trost ist es, den Herrn aller Herren an der Seite zu wissen, auch wenn das eigene Leben selbst immer wieder bedroht oder angefochten ist. Gottes Treue kennt keine Grenzen. Egal, wie weit wir uns entfernen oder wie tief wir fallen: Seine Liebe und Treue finden uns immer (Andreas Keiper).
     

    Arm nach außen, reich im Glauben

    Äußerlich betrachtet mag die Gemeinde arm erscheinen, aber innerlich ist sie reich an Glauben, Hoffnung und Zuversicht. Für die Armen, Schwachen, Verfolgten und Angefochtenen hat der Herr eine besondere Vorliebe. Gerade unter solchen Umständen zeigt sich, ob der Glaube echt und tragfähig ist. Interessant ist, dass wir im Brief an die Gemeinde in Smyrna keinerlei Kritik lesen. Das ist ungewöhnlich, häufig hagelt es doch eher negative Kritik oder das Positive kommt oft zu kurz.

    Was der Apostel Johannes wohl in unsere Situation schreiben würde?  Wird er darauf hinweisen, wie wichtig ein liebevoller Umgang ist? Oder bittet er, an der biblischen Lehre festzuhalten? Oder legt der Gemeinde ans Herz, im Gebet nicht nachzulassen? Sicherlich ist die Situation in jeder Gemeinde und im Leben des Einzelnen anders. Nah an Jesus zu bleiben, kann nie schaden.

    Was sind Sie bereit, um des Glaubens willen in Kauf zu nehmen? Weltweit erleben Christen Nachteile wegen des Glaubens, sind in Haft oder kommen sogar ums Leben. Auch wenn es in Europa noch moderater zugeht, so sind bekennende Christen doch zunehmend unverstanden, gelten als konservativ und Gottes Wort als nicht mehr zeitgemäß.
     

    Impulse für den Glaubensalltag

    Wie passend finde ich die Zeilen an die Gemeinde in Smyrna. Gottes Wort ist lebendig und gilt auch heute noch: Gott bittet durch den Apostel Johannes:

    • Halte durch, bleibe Gott treu.

    Die verfolgte Gemeinde ist für mich ein Vorbild. Es ist interessant, Berichte von Open Doors über verfolgte Christen zu lesen. Meist bitten Christen nicht um mildere Umstände, sondern um Standhaftigkeit, damit sie solche Prüfungen überstehen können. Denn oft wird darin der Glaube gestärkt, das Vertrauen in Gott größer.  

    • Halte an der Beziehung zu Jesus fest.

    In einer lebendigen Beziehung teilt man Leben miteinander. Im Gebet kann ich Gott alles sagen, was mich beschäftigt, was mir Angst macht, wofür ich dankbar bin. In dieser Beziehung finde ich Trost und Zuversicht, weil Gott Ihre und meine Zukunft bereits in Händen hält und einen Plan fürs Leben hat.

    Christen haben Anteil an Gottes Herrlichkeit. Ihr größter Schatz ist das ewige Leben, das ihnen keiner nehmen kann, selbst in Armut, Verfolgung oder Bedrängnis nicht.

    Jemand, der tatsächlich in Smyrna treu bis zum Tode war, ist der Kirchenvater Polykarp, der im Jahr 155 nach Christus den Märtyrertod starb. Er war ein Schüler des Apostels Johannes und Bischof von Smyrna. Er gilt als Vorbild im Glauben und in der Standhaftigkeit.

    Nicht nur den Römern ist die Nachfolge Jesu ein Dorn im Auge, auch Juden aus der Synagoge in Smyrna verfolgen in dieser Zeit die dortigen Christen.

    • Bezeuge auch weiterhin, was Gott tut.

    Gott hinterlässt Segensspuren im Leben. Es hilft, ein Tagebuch zu führen, um Gottes Wirken festzuhalten. Gott hört Gebet, handelt, führt und segnet, auch in Ihrem und in meinem Leben.

    • Bleibe in der Gemeinschaft.

    Christen sollen keine Einzelkämpfer sein. Ich lade Sie ein, sich einer Gemeinde anzuschließen. Sie ist ein Abbild für Gottes Reich. Gemeinde lebt von Vielfalt, wo man sich gegenseitig ermutigen und ergänzen kann.  Jeder wird gebraucht und ist willkommen. Fürbitte und Hilfe für den Nächsten sind Merkmale der Christen. Auch Sie können zum Ermutiger werden. Beten Sie für verfolgte Christen weltweit oder für Menschen im eigenen Umfeld, die neu zum Glauben gekommen sind. Sie brauchen Ermutigung und Gebet. Besonders am Anfang sind sie unsicher oder haben Fragen zum christlichen Glauben.

    • Es gehört Mut dazu, Glauben zu bezeugen und zu leben.

    Christen haben Verantwortung, als Licht in dieser Welt zu leuchten und auf Jesus als Licht der Welt hinzuweisen. Unser Leben gleicht dem Mond, der das Licht der Sonne widerspiegelt. Als Christen sind wir beschenkt und können Gottes Liebe weitergeben, weil er uns zuerst geliebt hat (1. Johannes 4,19).
     

    Gottes Wort für heute

    Was möchte Gott uns heute mitteilen? Was schreibt er in unsere Situation? Im Grunde genommen hat er diesen Brief in Form der Bibel schon vor 2000 Jahren abgeschickt. Gottes Wort ist zeitlos und lebendig und spricht immer wieder in das Leben seiner Leser. Darin bekennt Gott seine Liebe zu jedem Menschen. Diese Liebe dürfen wir weitergeben. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein (Lukas 4,4; Matthäus 4,4), sondern braucht Gottes Verheißungen mit Hoffnung und Zuversicht, gerade in diesen Zeiten. Gottes Wort ermutigt zum Glauben, zur treuen Nachfolge und zum authentischen Christsein – selbst in herausfordernden Zeiten.

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    Autor: Sabine Müller

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  6. Meine Worte oder Gottes Worte

    11 min

    Der Bibeltext Psalm 52 – ausgelegt von Udo Schnell. Dieser Psalm ist kein „netter“ Psalm. Er ist scharf. Denn der Psalm stammt aus der Zeit, als Saul noch König ist und David verfolgt und ihm nach dem Leben …

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    Der Bibeltext Psalm 52 – ausgelegt von Udo Schnell.

    Dieser Psalm ist kein „netter“ Psalm. Er ist scharf. Denn der Psalm stammt aus der Zeit, als Saul noch König ist und David verfolgt und ihm nach dem Leben trachtet – nachzulesen im 1. Samuel-Buch ab Kapitel 21.

    In dem Psalm wendet sich David gegen einen Menschen, der mit Worten und Taten zerstört und sich dabei sicher wähnt. Der Edomiter Doeg nimmt am Hof Sauls eine hohe Stellung ein – er verrät die Priester des Herrn, später bringt er sie auf Befehl Sauls sogar eigenhändig um. Ein Mann, der zuerst andere mit Worten verrät und damit Gewalt in Gang setzt.

    Der Psalm arbeitet mit einem starken Kontrast: Auf der einen Seite der „starke Mann“, der sich seiner Bosheit rühmt, seine Zunge als Waffe gebraucht, auf Reichtum vertraut. Auf der anderen Seite der Beter, der sagt: „Ich aber bin wie ein grünender Ölbaum im Hause Gottes; ich vertraue auf Gottes Güte immer und ewig.“

    Zwischen diesen beiden Gestalten spannen sich meine Gedanken. Drei Aspekte hebe ich hervor:
     

    1. Die zerstörerische Kraft der Worte

    Der Psalm beschreibt die Zunge des Bösen mit drastischen Bildern: Sie ist wie ein scharfes Werkzeug, sie trachtet nach Verderben, sie liebt Worte, „die Verderben bringen“. Worte sind hier nicht harmlos. Sie sind Waffen.

    Und heute brauche ich nicht weit schauen:

    • Hasskommentare im Netz, die Menschen entmenschlichen
    • Hetze gegen Minderheiten
    • Verschwörungserzählungen, die Misstrauen säen
    • beim Mobbing in Schulen und Betrieben wird jemand mit Worten gezielt klein gemacht

    Und auch unter Christen in der Kirche ist das ein Thema:

    • Ich rede über andere statt mit ihnen
    • Ich verteile Etiketten: „die Frommen“, „die Schwierigen“, „die Konservativen“, „die Liberalen“, …
    • Ich nenne es „Ehrlichkeit“, wenn ich anderen die Meinung sage – und merke nicht, dass meine Ehrlichkeit manchmal nur schlecht getarnte Lieblosigkeit ist

    Der Psalm hält mir einen Spiegel vor.

    Doch Gott hört meine Worte. Er hört, wenn Menschen mit ihrer Zunge zerstören. Und er hört auch das, was unausgesprochen bleibt – die verletzten Herzen derer, die zu viel ertragen haben.

    Martin Luther bringt den Auftrag Gottes für unsere Sprache im 8. Gebot auf den Punkt. Im Kleinen Katechismus schreibt er:
    „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseren Nächsten nicht mit der Lüge belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben; sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.“

    Das ist die Gegenbewegung zur „Zunge, die Verderben bringt“: nicht nur keine Lügen verbreiten, sondern aktiv den Ruf des anderen schützen, Gutes von ihm reden. Ein Maßstab für unsere Sprache – in der Gesellschaft, in der Kirche, im Netz, im Alltag.
     

    2. Die falsche Sicherheit der Mächtigen

    Im Psalm wird dieser „starke Mann“ beschrieben als einer, der „nicht Gott zu seiner Stärke macht, sondern vertraut auf seinen großen Reichtum“ – auf das, was er hat, was er kann, wen er kennt.

    Dabei geht es um jede Form von Macht und Sicherheit, auf die ich mich verlasse:

    • wirtschaftliche Stärke
    • politische oder soziale Netzwerke
    • Einfluss in Medien
    • auch Einfluss in kirchlichen Strukturen

    Die innere Haltung kann so klingen: „Ich schaffe mir meine Sicherheit selbst. Ich weiß, wie man redet. Ich weiß, wen ich anrufen muss. Ich komme durch – notfalls auf Kosten anderer.“

    Doch diese Sicherheit ist brüchig. Gott bleibt nicht auf Dauer Zuschauer. Gott setzt dem Bösen ein Ende.

    Für Menschen, die unter ungerechten Strukturen leiden, ist das eine wichtige Botschaft: Gott sieht, wenn Macht missbraucht wird. Er sieht, wenn Menschen klein gemacht werden. Die Gerichtsworte des Psalms sind Trost und Warnung zugleich: Trost für die, die leiden und sich fragen: „Sieht Gott das überhaupt?“ Warnung für die, die meinen: „Es wird schon niemand merken, wie ich mit meiner Macht umgehe.“

    Gott ist nicht dazu da, unsere Absicherungspläne zu segnen. Aber er bleibt treu in dem, was er verspricht: Gerechtigkeit, Trost, Beistand – und dass Unrecht vor ihm nicht ewig Bestand hat.
     

    3. Der grüne Ölbaum – Vertrauen in Gottes Güte

    Mitten in diesem scharfen Psalm steht ein zartes Bild: „Ich aber bin wie ein grünender Ölbaum im Hause Gottes; ich vertraue auf Gottes Güte immer und ewig.“

    Ein Ölbaum steht für Beständigkeit: tief verwurzelt, langlebig, voller Kraft. „Im Hause Gottes“ – das bedeutet: Der Beter versteht sein Leben in der Nähe Gottes. Seine Wurzeln reichen dorthin, wo Gottes Güte ist. Das hebräische Wort für „Güte“ ist „chesed“ – eine Gnade, eine Liebe, die treu bleibt, auch wenn ich schwanke.

    Es gibt eine andere Art zu leben als die des „starken Mannes“: Nicht: „Ich mache mich groß, indem ich andere klein mache.“ Sondern: „Ich lasse mich von Gott halten. Ich vertraue darauf, dass seine Güte mein Leben trägt.“

    Als Christ lese ich diesen Psalm im Licht Jesu.

    Jesus selbst ist viel später Ziel von Verleumdung und Lüge. Menschen legen falsches Zeugnis gegen ihn ab. Sie nutzen religiöse Sprache, um ihn zu verurteilen. Am Kreuz scheint es, als behalten die „starken Männer“ Recht – die mit der Macht, den Worten und den Waffen.

    Doch Gott hat ihn auferweckt. Damit setzt Gott ein Zeichen:

    • Die Macht der zerstörerischen Worte ist nicht endgültig.
    • Die scheinbar unerschütterliche Stellung der Mächtigen ist nicht endgültig.
    • Gottes Güte ist stärker.

    Martin Luther hat Glauben einmal so beschrieben: Glauben heißt, Gott beim Wort nehmen.

    Genau das tut der Psalmbeter, wenn er sagt: „Ich vertraue auf Gottes Güte immer und ewig.“ Er verlässt sich nicht auf Reichtum, nicht auf Netzwerke, nicht auf seine eigenen Worte – sondern darauf, dass Gott sein Wort hält.

    Zum Abschluss drei kurze Fragen zum Nachdenken:

    1. Wie rede ich? Sind meine Worte Werkzeuge des Lebens oder des Verderbens?
    2. Woran hänge ich mein Herz – an Sicherheiten oder an Gottes Verheißungen?
    3. Wo lasse ich mich pflanzen – tief verwurzelt in Gottes Güte oder nur auf dem Boden meiner eigenen Möglichkeiten?

    Gott ist der, der meine zerstörerischen Worte entwaffnet und mich neu pflanzt – als grünen Ölbaum in seinem Haus.

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    Autor: Udo Schnell

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  7. Ganz schön heftig, oder?

    10 min

    Der Bibeltext Offenbarung 2,1-7 – ausgelegt von Albrecht Gralle. Lob und Tadel: Die erste LiebeGanz schön heftig, wie Jesus mit seiner Gemeinde hier umgeht, oder? Da geben sich die Gemeindemitglieder richtig …

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    Der Bibeltext Offenbarung 2,1-7 – ausgelegt von Albrecht Gralle.
    Lob und Tadel: Die erste Liebe

    Ganz schön heftig, wie Jesus mit seiner Gemeinde hier umgeht, oder? Da geben sich die Gemeindemitglieder richtig Mühe, besuchen regelmäßig die Versammlungen, prüfen genau, was verkündigt wird, und entlarven Leute, die mit scheinbar geistlichen Reden die Gläubigen beeindrucken.

    Die Gemeinde ist klug, kennt sich in den heiligen Schriften des alten Bundes aus und weiß, worauf es letzten Endes ankommt. Da ist man mit ganzem Ernst bei der Sache, trifft sogar unpopuläre Entscheidungen und wehrt eine Irrlehre ab, die sich die Nikolaiten nennt und zum Evangelium zusätzliche geistliche Prüfungen verlangt, als ob das Opfer Christi nicht genug sei.

    Das alles ist richtig, sagt der erhöhte Christus, der den Überblick hat. Ich erkenne das an, dass es euch um die reine Lehre geht, dass ihr es nicht ertragen könnt, wenn das Wort Gottes verfälscht wird. So ein hartes Arbeiten an der Wahrheit, das würde nicht jede Gemeinde zustande bringen. Ich habe davor Respekt, sagt Christus. Und dann kommt sein Aber: „Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.“

    Schön und gut. Aber wie soll das gehen? Kann man sich hinsetzen und sich wünschen: Ich möchte die erste Liebe wiederhaben? Kann ein Ehepaar, dessen Ehealltag grau geworden ist, sich vornehmen: Wir wollen wieder verliebt sein? Wie soll das funktionieren? Man kann doch keine Gefühle befehlen!
     

    Viel Geist, aber wenig Liebe: Der Blick nach Korinth

    Unwillkürlich werde ich bei diesem Weckruf zur ersten Liebe an das Hohelied der Liebe im 1. Korintherbrief, Kapitel 13 erinnert und an die Situation in Korinth.

    Auch in Korinth ging es sehr geistlich zu: Erhebende Gottesdienste mit allen Facetten der Geistesgaben. Weisheit zum Unterscheiden der Geister, Sprachengebete, prophetisches Reden, Gebetserhörungen. Das war alles in Fülle vorhanden. Und was sagte der ApostelPaulus dazu?

    „Wenn ich mit Menschen und Engelszungen redete, hätte aber die Liebe nicht, dann würde alles hohl und leer klingen wie schepperndes Blech.“

    „Selbst, wenn ich von göttlichen Geheimnissen wüsste und alles beurteilen könnte und wenn ich Hindernisse und Sorgen, die wie Berge vor mir aufragen, versetzen könnte, würde es aber ohne Liebe tun, wäre ich nichts.“

    Es ist, als ob Paulus die Gemeinde in Ephesus zur Zeit des Sehers Johannes beschreibt, als er die Korinther ermahnt. Und er wird an bestimmten Stellen ganz konkret, was es bedeutet, die erste Liebe zu verlassen. Auch dort gibt es Ähnlichkeiten zu Ephesus.

    Paulus schreibt: Ihr feiert das Abendmahl als Liebesmahl, indem ihr vorher zusammen esst. Das ist gut. Aber dann höre ich, dass die Reichen, die zuerst kommen, weil sie nicht arbeiten müssen, die leckeren Zutaten wegessen und die Sklaven, die später von der Arbeit kommen, nur noch die kümmerlichen Reste vorfinden. Und dann wollt ihr das Abendmahl zusammen feiern? Wo ist da die Liebe? Liebe wartet auf den anderen. Denn Christus ist auch für die Sklaven gestorben. Findet zur echten Liebe zurück!
     

    Liebe zeigt sich in konkreten Taten

    Der Apostel Johannes sagt an anderer Stelle sehr deutlich: Wer sagt, er liebe Gott, lehnt aber seinen Bruder oder seine Schwester ab, der ist ein Lügner.

    Es ist nicht unbedingt entscheidend, die rechte Lehre zu haben, viel Bibelwissen anzuhäufen und die Wahrheit den Leuten auf den Kopf zuzusagen. Das alles mag wichtig sein für ein Gemeindeleben, aber der Grund, warum Jesus gekommen ist, war die Verhärtung unter den Menschen und dass sie sich von Gott entfernt hatten und nicht selbst den Weg zurückfanden. Sein Opfer, das wir im Abendmahl veranschaulicht bekommen, hat den Graben zwischen Gott und uns überwunden und die echte Liebe befreit.

    Liebe, so sagt es das Neue Testament an vielen Stellen, das sind nicht in erster Linie geistliche Sympathiegefühle oder gefühlvoller Lobpreis, so wichtig er auch ist, sondern Liebe zeigt sich in konkreten Taten der Nächstenliebe: Ein Becher Wasser für jemanden, der Durst hat, Kleidung für die, die frieren und nichts anzuziehen haben und ein Besuch im Gefängnis.

    Das biblische Wort für Liebe ist nichts Nebulöses, sondern ist eine Überwindung, die zu Taten führt wie bei dem Samariter, der einem Verwundeten hilft.

    Deswegen sagt der erhöhte Christus nicht: Kehre um und finde zu den ersten Liebesgefühlen für mich zurück, sondern: kehr um und tue die ersten Werke. Gemeint sind damit die Werke der Nächstenliebe.

    Ist das die berühmte Werkgerechtigkeit? Nein, denn aus dem echten Glauben und der echten Liebe wachsen wie von selbst die Werke der Liebe.
     

    Warnung und Verheißung für Ephesus

    Jesus, der Herr der Gemeinde, legt seinen Finger auf die wunden Punkte dieser ansonsten bewundernswerten Gemeinde in Ephesus:

    Fast alles richtig gemacht, aber ein normaler, armer Mensch am Rand der Gesellschaft, der in euren Gottesdienst kommt, fühlt sich bei euch nicht wohl. Er spürt nichts von eurer Liebe zu Gott bei all den klugen Worten. Er steht allein in einer Ecke und niemand kümmert sich um ihn.

    Und dann folgt noch eine Warnung: Wenn ihr nicht umkehrt, werde ich euren Leuchter wegstoßen von seiner Stätte.

    Da muss ich schon schlucken. Was bedeutet das? Es bedeutet nicht, dass die Gemeinde verdammt wird. Jesus liebt diese Gemeinde, wie er alle Sünder liebt, aber er sagt, dass Ephesus seine bedeutende Stellung unter den Gemeinden verlieren wird, wenn es die Liebe verliert.

    Der erhöhte Christus schließt dann mit einer Verheißung: Wer umkehrt, darf von den Früchten des Lebensbaumes essen, der im Paradies steht.

    Wer zur ersten Liebe zurückfindet, der hat Anteil an der neuen Lebensenergie, die nur Gott schenkt. Das ist ein Ziel, das motiviert.

    Bei allen wichtigen Entscheidungen und Entwicklungen in der Gemeindearbeit, bei allen Programmen und geistlichen Aufbrüchen bleibt die Liebe, die konkret wird, das Wichtigste.

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    Autor: Albrecht Gralle

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  8. Tag des Herrn

    13 min

    Der Bibeltext Offenbarung 1,9-20 – ausgelegt von Marion Christa Nickel. Die Offenbarung Jesu ChristiDas letzte Buch der Bibel, die „Offenbarung des Johannes“, ist im Grunde die „Offenbarung Jesu Christi“. Was …

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    Der Bibeltext Offenbarung 1,9-20 – ausgelegt von Marion Christa Nickel.
    Die Offenbarung Jesu Christi

    Das letzte Buch der Bibel, die „Offenbarung des Johannes“, ist im Grunde die „Offenbarung Jesu Christi“. Was Johannes niedergeschrieben hat, sind Enthüllungen oder Offenbarungen, die er von Jesus Christus als dem erhöhten Herrn, von Gott selbst empfangen hat.

    Der Inhalt zeigt die künftigen Ereignisse, die Gott am Ende der Tage für den Kosmos und für seine Gemeinde plant und zum Abschluss bringen will. Der Begriff „Ende der Tage“ wird auch als Endzeit bezeichnet. Eine Zeitperiode von Zeichen und Ereignissen, die auf die Wiederkunft von Jesus Christus hinweisen.
     

    Zeugnis in Bedrängnis: Johannes auf Patmos

    Im Vers 9 sagt der Apostel: „Ich, Johannes, euer Bruder und Mitteilhaber an der Bedrängnis und am Königtum und am Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos genannt wird, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu willen.“

    Weil Johannes in den Handelszentren Kleinasiens Jesus so lebendig bezeugte und das Wort Gottes treu verkündigte, wurde er verfolgt und von den Römern auf die griechische Insel Patmos verbannt. Während der römischen Herrschaft im Mittelmeerraum verfiel die Insel. Die Bevölkerung wanderte ab, und die Insel wurde für politische Gefangene genutzt.

    In der römisch-griechischen Welt sorgten die Kaiser für die Entwicklung der Kultur und des Handels. Blühende Handelszentren entstanden, aber auch die Korruption nahm zu. Die vielfältigen Kulturen, wie Wissenschaft, Kunst und religiöse Traditionen führten zur Verehrung von vielen Göttern, Göttinnen und Geistern.

    Die wachsende militärische und politische Macht Roms bewirkte, dass der Kaiser Domitian (81–96 n. Chr.) und Nachfolger von Kaiser Titus, sich selbst zum Gott ernannte. Johannes predigte Jesus Christus als den Herrn der Welten und erlebte gleichzeitig, dass die Römer das Sagen hatten. Da die Christen sich weigerten, dem Bild des vergöttlichten Domitian zu huldigen, führte dies zu Verfolgung und Unterdrückung.

    Im Blick auf totalitäre Staaten heute hat sich dahingehend nichts verändert. Weltweit sind gemäß aktueller Berichte von Hilfswerken wie Open Doors Millionen Christen von Verfolgung und Diskriminierung betroffen … des Evangeliums willen und aufgrund ihrer treuen Nachfolge.

    Johannes, nun isoliert von seinen Gemeinden in Anatolien, hat auf der Insel Patmos, durch die besondere Kraft des Heiligen Geistes, seine göttlichen Visionen empfangen. In diesen Visionen verwischten sich Zukunft und Gegenwart in einem Traumgesicht. Zukünftiges wurde für Johannes zur Gegenwart. Er sah Jesus in Herrlichkeit. Seine Stimme war machtvoll – wie von einer Posaune. In Israel spricht man von einem Schofar, einem Widderhorn. Ein langer Ton des Horns bedeutet: „Der König kommt und verkündet den Sieg der Gerechten.“

    Jesus erteilte Johannes den Auftrag, das Wort Gottes und das Zeugnis in besonderer Weise an die sieben Gemeinden Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea weiterzugeben.

    Der Ausdruck „Tag des Herrn“ im Vers 10 bedeutet Sonntag, der als Auferstehungstag Jesu Christi gefeiert wird. Johannes erhielt also seine geistlichen Visionen an einem Sonntag. Zum anderen bedeutet der „Tag des Herrn“: Tag des Zorns. Das ist die apokalyptische Vorschau auf den Tag des Gerichts, der großen Endabrechnung, von der bereits die Propheten im Alten Testament redeten.
     

    Der Menschensohn unter den goldenen Leuchtern

    Die sieben goldenen Leuchter, die Johannes erblickte, stellen die sieben Gemeinden dar. Die Leuchter sind aus Gold und zeigen den unschätzbaren Wert, den die Gemeinden für Gott haben. Gold ist geläutert und rein und wurde im Alten Bund Gott geheiligt. Die Zahl sieben weist auf die göttliche Vollkommenheit hin.

    Die Gemeinde ist vollkommen, weil Jesus in ihrer Mitte wandelt. Das bedeutet: Jesus ist seiner Gemeinde ganz nah. Die Gemeinde ist seine Herde. Das lesen wir im Johannesevangelium, Kapitel 10. Jesus ist nicht nur der Hirte der Gemeinde, sondern auch die ewige Lichtquelle. Er prüft und durchforscht jede Gemeinde. Jesus reinigt sie und achtet auf das Öl, ein Symbol für den Heiligen Geist. Die Gemeinden haben den Auftrag, das Licht Jesu Christi widerzuspiegeln und sichtbar zu machen (Matthäus 5,14).

    Jesus Christus ist der Hohepriester. Vers 13 beschreibt den Hohepriester Jesus Christus, wie ihn Johannes in der Vision wahrgenommen hat: „... mitten unter den Leuchtern einen, der einem Menschensohn gleich war, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel.“

    Das Gewand erinnert an die Beschreibung des Hohepriesters Aaron. Der goldene Gürtel, den Jesus trägt, symbolisiert seine königliche Herrschaft und Autorität. Das Grundmaterial der priesterlichen Kleidung Aarons war feine, weiße Leinwand. In Offenbarung 19,8 ist die feine Leinwand ein Bild für die Gerechtigkeit Jesu Christi. Die damaligen Priester Israels durften keine Wolle tragen, sondern nur Leinen (siehe Hesekiel 44,17). Jesus Christus diente als Priester der göttlichen Gnade nie aus eigener Anstrengung, sondern nur durch Gott selbst. Auch Christen heute müssen lernen, nicht in Selbstgerechtigkeit zu dienen, sondern durch Jesus Christus, unsere Gerechtigkeit (vgl. Philipper 3,9).

    In Vers 14 wird sein „weißes Haar“ als Zeichen seiner Macht und göttlichen Majestät dargestellt. „Weiß wie Schnee“ weist auf Gottes Reinheit und innere Schönheit hin. Seine göttlichen Augen sind wie Feuer und durchdringen alles, nichts kann vor seinem Blick verborgen bleiben. Seine Füße, wie glänzendes Erz, das im Feuer glüht, stehen für enorme Stabilität, Stärke und Beständigkeit. Zudem für das reine, unaufhaltsame Gericht Jesu Christi über das Böse.

    Die sieben Sterne in seiner Rechten sind die Engel der sieben Gemeinden in Kleinasien. Engel bedeutet Bote. Viele Theologen verstehen darunter die Leiter oder Ältesten der jeweiligen Gemeinden. Eine andere Deutung besagt, dass es sich tatsächlich um Schutzengel handelt.

    Das gesprochene Wort Jesu Christi ist wie ein zweischneidiges Schwert, es trennt Wahrheit von Lüge. Sein bloßes Wort reicht aus, um das Böse zu richten und Feinde zu besiegen.
     

    „Fürchte dich nicht!“: Der Lebendige mit den Schlüsseln des Todes

    Johannes überfiel Furcht beim Anblick der Herrlichkeit Jesu Christi. Er fiel nieder wie tot. Doch Christus legte seine Rechte auf ihn und sprach: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreiches.“

    Jesus Christus ist nicht nur ein wiederbelebter Mensch, sondern der göttliche Sieger über Tod und Unrecht, der die Macht des Bösen gebrochen hat.

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    Autor: Marion Christa Nickel

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  9. Wer sich zu Jesus Christus bekennt, lebt gefährlich

    10 min

    Der Bibeltext Offenbarung 1,1-8 – ausgelegt von Jan-Peter Graap. Wer hat die Welt noch in der Hand?Manchmal reicht eine Nachricht – und die Welt fühlt sich plötzlich unsicherer an. Krieg. Gewalt. Hass. Ich …

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    Der Bibeltext Offenbarung 1,1-8 – ausgelegt von Jan-Peter Graap.
    Wer hat die Welt noch in der Hand?

    Manchmal reicht eine Nachricht – und die Welt fühlt sich plötzlich unsicherer an. Krieg. Gewalt. Hass. Ich schalte das Radio aus, lege die Zeitung weg. Aber im Kopf gibt es keinen Aus-Schalter. Und dann kommen noch die ganz persönlichen Nachrichten dazu. Die, die in keiner Zeitung stehen: ein Gespräch, vor dem ich mich fürchte. Eine Schuld, die mich nicht loslässt. In solchen Momenten frage ich mich: Wer hat diese Welt eigentlich noch in der Hand? Ausgerechnet auf diese Frage antwortet das letzte Buch der Bibel: die Offenbarung des Johannes. Ein Buch, das viele mit gemischten Gefühlen aufschlagen. Die einen suchen darin einen geheimen Fahrplan für das Ende der Welt. Die anderen machen es lieber gleich wieder zu. Doch beide verpassen, worum es der Offenbarung im Kern geht.

    Johannes schreibt an Gemeinden, die unter Druck stehen. Wer sich zu Jesus Christus bekennt, lebt gefährlich. Manche verlieren ihre Arbeit, andere ihre Freiheit, einige ihr Leben. Darum steht eine Frage über allem: Hat Jesus Christus die Herrschaft aus der Hand gegeben? Die Antwort überrascht. Johannes beginnt statt mit Rom und seinen Mächtigen mit Jesus Christus: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.“ Das ist mehr als eine Überschrift. Es ist der Schlüssel zum ganzen Buch. Wer diesen ersten Satz überliest, wird sich im ganzen Buch verirren. Die Offenbarung enthüllt nicht zuerst die Zukunft. Sie enthüllt Jesus Christus. Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich Antworten suche, obwohl ich eigentlich eine Person brauche. Wer Jesus Christus kennt, sieht die Welt mit anderen Augen.
     

    Einer, der den schwersten Weg kennt

    Der Seher auf Patmos nennt ihn den treuen Zeugen. Das ist kein Ehrentitel. Es ist die Geschichte seines Lebens. Jesus blieb seinem Vater treu, als alle ihn verließen. Er wich dem Kreuz nicht aus. Darum spricht er nicht über das Leid wie ein Zuschauer. Er kennt es von innen. Wer sich Jesus anvertraut, folgt einem Herrn, der den schwersten Weg selbst gegangen ist. Ich habe Menschen erlebt, die genau darin Hoffnung fanden: Da ist einer, der meinen Weg kennt. Außerdem nennt Johannes ihn den „Erstgeborenen von den Toten“. Mit einem einzigen Ausdruck fällt Ostern in dieses Buch. Der Tod trennt Menschen bis heute. Aber seit Ostern hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Seit Ostern hat selbst die dunkelste Geschichte nicht mehr das letzte Wort. Darum beginnt die Offenbarung nicht mit Angst. Sie beginnt mit dem Auferstandenen.

    Doch Johannes bleibt nicht bei diesen beiden Titeln stehen. Er nennt Jesus auch den „Herrscher über die Könige der Erde“. Als er das schreibt, scheint der römische Kaiser unantastbar. Gerade deshalb bekennt Johannes: Die Macht der Herrscher ist groß. Aber sie ist nicht die letzte Macht. Der Herr der Welt ist Jesus Christus. Darum können Christen selbst dann hoffen, wenn die Verhältnisse gegen sie sprechen.
     

    Er liebt uns – nicht nur damals, sondern heute

    Der alte Apostel verändert nun den Ton und die Blickrichtung. Jetzt spricht er über Jesus: „Ihm, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut.“ Aus der Verkündigung wird ein Lobpreis. Das überrascht nicht. Wer Jesus Christus wirklich erkennt, beginnt ihn anzubeten. Mich bewegt dabei ein kleines Wort. Johannes schreibt nicht: „der uns geliebt hat“. Sondern: „der uns liebt“. Gegenwart. Jetzt.

    Vielleicht ist das der Satz, den wir am nötigsten haben. Vielleicht müssen auch wir das immer wieder hören. Wir denken leicht, Gottes Liebe gehöre der Vergangenheit an und habe ihren Platz zu besonderen Festen wie Weihnachten, Karfreitag oder Ostern. Doch Jesus liebt seine Gemeinde heute. Seine Liebe trägt nicht nur die ersten Christen. Sie trägt auch uns. Nicht weil unser Glaube so stark wäre. Sondern weil seine Liebe stärker ist als unser Glaube. Darum führt uns der Bibelabschnitt zum Kreuz.

    Christus hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut. Unsere tiefste Not ist nicht die Unsicherheit der Zukunft. Unsere tiefste Not heißt Schuld. Vergangenes können wir nicht ungeschehen machen. Aber Christus trägt, was wir nicht mehr tragen können. Darum ist die Offenbarung kein Buch der Angst. Sie ist ein Buch der Hoffnung. Der Richter, der am Ende kommt, ist derselbe, der am Kreuz sein Leben für uns gegeben hat.
     

    Die Zukunft hat ein Gesicht

    Johannes fügt noch einen Gedanken hinzu. Jesus Christus hat seine Gefolgsleute „zu einem Königreich und zu Priestern vor Gott“ gemacht. Mitten in einer Welt, die Christen an den Rand drängt, erinnert Johannes sie daran: Ihr gehört zu Gott. Eure Würde hängt nicht davon ab, was Menschen über euch sagen. Sie kommt von Jesus Christus. Dann richtet Johannes den Blick nach vorn. Mit einem Satz fasst er das ganze Buch zusammen: „Siehe, er kommt.“ Die Offenbarung beantwortet nicht zuerst die Frage: Was wird kommen? Sondern: Wer kommt? Jesus Christus kommt.

    Das gab den ersten Gemeinden Kraft zum Durchhalten. Und vielleicht ist das auch das, was wir heute am nötigsten haben. Wir brauchen keinen genauen Fahrplan der Zukunft. Sondern die Gewissheit, wer uns entgegenkommt. Am Ende spricht Gott selbst: „Ich bin das A und das O.“ Anfang und Ende liegen in seiner Hand. Dazwischen liegt unser Leben – mit seinen Freuden und seinen Wunden, mit seinen Fragen und seiner Hoffnung. Nicht alles wird uns erklärt. Auch die Offenbarung löst nicht jedes Rätsel. Aber sie zeigt uns den, der größer ist als unsere Fragen.

    Wenn Sie in den kommenden Wochen dieses letzte Buch der Bibel lesen, dann verlieren Sie den ersten Satz nicht aus den Augen: „Dies ist die Offenbarung Jesu Christi.“ Wer diesen ersten Satz festhält, wird die Offenbarung anders lesen. Nicht die Bilder erklären Christus. Christus erklärt die Bilder. Wer ihn festhält, entdeckt: Dieses geheimnisvolle Buch ist in Wahrheit ein großes Trostbuch. Darum endet die Offenbarung nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung. Die Zukunft ist kein dunkler Raum. Sie hat ein Gesicht. Es ist das Gesicht Jesu Christi.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Jan-Peter Graap

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  10. Ein klares Profil

    10 min

    Der Bibeltext Galater 6,10-18 – ausgelegt von Friedrich-Eckart Isemer. Die Beschneidung als Streitfrage und das KreuzPaulus erkennt zwei Problemfelder: Denjenigen, der seine Mitchristen zur Beschneidung …

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    Der Bibeltext Galater 6,10-18 – ausgelegt von Friedrich-Eckart Isemer.
    Die Beschneidung als Streitfrage und das Kreuz

    Paulus erkennt zwei Problemfelder: Denjenigen, der seine Mitchristen zur Beschneidung auffordert oder gar zwingt, sowie den Christen, der sich beschneiden lässt.

    Paulus wirft den örtlichen Autoritäten die Aufforderung zur Beschneidung vor, ja, geradezu den Zwang dazu. Ausgeübt von denjenigen, die „Ansehen wollen nach dem Fleisch“, also gesellschaftliche Anerkennung, um der Verfolgung zu entgehen.  

    Man kann unterstellen, dass sich Christen in Galatien durch die Beschneidung vor Verfolgung schützen möchten. Sie wollen sich in jüdischer Tradition Gott annähern, zugleich aber bekennen sie sich zum Kreuzestod von Jesus und damit zu ihrer Erlösung.

    Bei Paulus steht das Kreuz ganz zentral; es dreht sich alles um die Beziehung zu Gott, eine Herzensbeziehung in Treue zu Gott. Das Kreuz ist die einzige Tür in die Gemeinschaft mit Gott [4]. Die Beschneidung ist als Zeichen des Abfalls von Gott zu sehen. Auf den Christen liegt aber nach Galater 4,23–28 die Verheißung. Es gilt die neue Kreatur in Jesus Christus, im Bekenntnis zum Kreuz.

    Es kommt nicht auf das Beschnitten- oder Unbeschnittensein an.

    Den Glaubensgeschwistern gibt Paulus seinen Segen: „Friede und Barmherzigkeit über sie.“ Und wie es in dem Galater-Brief heißt: „Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen“.  

    Paulus stellt sich ganz unter das Kreuz und die Gnade Jesu Christi und gibt dies an die Gemeinden in Galatien weiter. So der Schlusssatz im Brief an die Christen in Galatien: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist“.
     

    Christenverfolgung und Mission heute

    Was hat nun dies alles mit uns zu tun? Weltweit erleben wir eine massive Christenverfolgung. Auch ich erlebe, dass das Bekenntnis zu Jesus gelegentlich Befremden auslöst. Es wird als rückwärtsgewandt interpretiert, dem Modernen verschlossen.

    Wer als Christ den Weg des geringsten Widerstandes gehen will, der wird sein Bekenntnis zurückhalten; vergleichbar zu Zeiten von Paulus also, sich beschneiden lassen. Dies setze ich der Abkehr vom Kreuz gleich.  

    Es bleibt für mich unverständlich, wie im Oktober 2016 höchste deutsche Bischöfe, evangelisch und katholisch, bei ihrem offiziellen Besuch auf dem Tempelberg in Jerusalem ihre Kreuze, und damit auch ihr Bekenntnis zum Kreuz Jesu ablegten.  

    Ist der Christ heute im Alltag eher defensiv eingestellt? Ich hoffe: nein. Realität aber ist, dass die Zahl der Gemeindemitglieder der beiden großen Kirchen kontinuierlich abnimmt.

    Brauchen wir Mission in Deutschland? Ich denke: ja. „Durch den Traditionsabbruch, den die DDR erzwungen hat, sind zwei komplette Generationen von der kirchlichen Wirklichkeit getrennt worden“, sagt der Pfarrer von Großschirma in Sachsen in der FAZ vom 7. Mai dieses Jahres. Das habe zu einer fast vollkommen atheistischen Gesellschaft geführt. „Wir wollen diesen Osten wieder missionieren“, so sagt er. Gleiches hoffe ich auch für den Westen Deutschlands [2].

    Auf der anderen Seite sehe ich große Feste unter dem Kreuz, zuletzt das Gospel-Sänger-Fest in Stuttgart mit 5.000 eingeladenen Sängern und über 50.000 Teilnehmern. Diese haben sich in großer Freude in der Porsche-Arena und in den Kirchen Stuttgarts versammelt.  

    Der Ruf nach Kirche und Seelsorge wird oft dann laut, wenn Katastrophen über uns kommen. Nach der Amokfahrt eines Autofahrers am 4. Mai dieses Jahres in der Leipziger Innenstadt reichte die Kapazität der Nikolai-Kirche nicht aus, um alle Betenden aufzunehmen.  

    Die Sehnsucht nach Trost ist groß. Offensichtlich existiert trotz aller Kirchenaustritte dennoch ein christliches Grundgefühl und -Gefüge, das uns nicht verlässt. Der Mensch, auch ein Atheist, ist ein religiöses Wesen und hat mit Religion nicht wirklich Mühe. Er lehnt sich allerdings auf, wenn er mit seiner Schuld vor Gott konfrontiert wird, von der er sich nur durch die Vergebung am Kreuz befreien kann [4]. So bleibt zu hoffen, dass wir als Christen auf diesem Grundstock wieder aufbauen können.

    In der Katholischen Kirche wird auf insgesamt niedrigem Niveau ein leichter Anstieg der Taufen im Jahr 2025 dokumentiert.  In Frankreich verzeichnet die katholische Kirche zu Ostern 2026 einen neuen Höchststand mit insgesamt 21 386 Taufen. Das entspricht einem Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr [3]. Und fast einer Verdoppelung der Taufrate gegenüber 2024 [5].  
     

    Persönliches Bekenntnis im Alltag

    Aber wie ist unser eigenes Verhalten einzuordnen? Das kann nur jeder für sich entscheiden. In meinem Umfeld, privat wie auch beruflich, lebe ich mein Christsein. Auch die atheistisch eingestellten Freunde nehmen daran keinen Anstoß, im Gegenteil. Sie fragen mich nach meinen Erlebnissen in Israel und nach den Widersprüchen, die sie in den Kirchen erleben. Das macht mir Mut. Hier erlebe ich Mission im kleinen privaten Umfeld. So kann ein jeder sein christliches Bekenntnis, seinen Beitrag nach außen tragen.

    Als Christen setzen wir durch die Eindeutigkeit unserer Beziehung zum Kreuz Jesu einen Kontrapunkt gegen die Beliebigkeit unserer Gesellschaft. Den Mönchen des Klosters Santo Domingo de Silos ist es mit ihrem Psalmengesang gelungen, in die Charts der Pop-Musik vorzudringen. Diese gregorianischen Gesänge gehen in ihrer Klarheit unter die Haut. Das fordert mich heraus. Die Eindeutigkeit im Glauben an Jesus Christus sollte zu meinem Wesen gehören.

    Ich möchte klar sprechen und erkennbar, wiedererkennbar sein mit einem eigenen Profil. Dem Profil: Ich vertraue Jesus Christus. Insbesondere auch für die, die sich in der Kirche nicht oder nicht mehr aufgehoben fühlen.
     

    Literatur
    1. William Barclay: Brief an die Galater / Brief an die Epheser / Auslegung des Neuen Testaments. Aussaat Verlag Neukirchen-Vluyn, 5. Aufl. 1994
    2. Markus Wehner, Großschirma: Der Missionar. Pfarrer Justus Geilhufe will sich nicht damit abfinden, dass die Kirche in Ostdeutschland stirbt. Er kämpft für ihr Überleben – und gegen die AfD. FAZ v. 7. Mai 2026 Nr. 105, S. 3
    3. Franziska Harter: Klarer Kurs, Katholischer Journalismus. Die Tagespost 26.03.2026
    4. Marcel Rebiai, Verein Gesher-Bridge, Jerusalem, persönliche Mitteilung vom 12.05.2026
    5. https://www.katholisch.de/artikel/52533-rekordhoch-bei-taufen-was-macht-die-kirche-in-frankreich-anders
    6. Stefan Weinfurter: Karl der Große. Piper Verlag 3. Auflage September

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    Autor: Prof. Dr. med. Friedrich-Eckart Isemer

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  11. Es ist passiert

    9 min

    Der Bibeltext Galater 6,1-9 – ausgelegt von Ingrid Braun. Wenn Worte und Taten entgleisenUnschöne Worte stehen im Raum. Bei einer Zusammenkunft des Mitarbeiterkreises explodiert einer, ich nenne ihn Aaron. Er …

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    Der Bibeltext Galater 6,1-9 – ausgelegt von Ingrid Braun.
    Wenn Worte und Taten entgleisen

    Unschöne Worte stehen im Raum. Bei einer Zusammenkunft des Mitarbeiterkreises explodiert einer, ich nenne ihn Aaron. Er wirft dem Gemeindeleiter alles Mögliche an den Kopf, bis dahin, dass es irgendwann aus ihm herausplatzt: „Dir trau ich’s zu, dass du auch in die Kasse greifst!“ Allen ist klar: Das stimmt so nicht. Was Aaron dem Leiter unterstellt, entbehrt jeglicher Grundlage.

    Die Sache mit Aaron habe ich erfunden. Aber so ähnlich kann es laufen: Da vergaloppiert sich einer komplett – mit Worten und vielleicht sogar mit Taten. Alle anderen schütteln nur noch den Kopf und fragen sich: Wie kann der bloß?

    Die christlichen Gemeinden in Galatien scheinen ähnliche Vorfälle zu kennen. Paulus erwähnt den Fall, dass ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird. Da hat einer danebengegriffen. Er hat nicht nur einen harmlosen Fehler gemacht in dem Sinn, dass er das Plakat rot statt blau gestaltet oder Semmeln statt Brezen gekauft hat. Es geht um einen Fehltritt, eine Verfehlung. Etwas, was falsch ist und was Schaden anrichtet. Das Ganze ist nicht beabsichtigt. Es ist passiert. Paulus schreibt von dem Fall, dass ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird.

    Ich kann mir die Reaktionen lebhaft vorstellen. „Wie konnte Aaron nur so ausfällig werden!“, wird hinterher gesagt. Und vielleicht denkt der eine oder andere: „Typisch Aaron! Von dem habe ich nichts anderes erwartet.“ Wenn einer einen Fehler macht, kann ich mich dem erhebenden Gefühl hingeben, dass ich selbst zum Glück ein bisschen besser bin als er.
     

    Mit sanftmütigem Geist zurechthelfen

    „Das geht gar nicht“, schreibt Paulus, „ihr seid doch Leute, die vom Heiligen Geist erfüllt sind! Eure Reaktion soll anders sein.“ Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid.

    Ich finde es bezeichnend: Paulus befasst sich nicht mit demjenigen, der den Fehler gemacht hat. Paulus geht es darum, wie die Gemeinde mit ihm umgeht.

    Und da ist vor allem eines angesagt: nicht von oben herab den anderen abzuurteilen, sondern ihm wieder zurecht zu helfen – und zwar mit Sanftmut. Sanftmut gehört zu den Früchten des Geistes, die Paulus in Kapitel 5 aufgezählt hat. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, den anderen zu entschuldigen, ihn in Schutz zu nehmen, wo nichts in Schutz zu nehmen ist. Es geht darum, dem anderen zu helfen, damit er wieder auf die richtige Bahn kommt.

    „Und das mit sanftmütigem Geist“, schreibt Paulus. Das heißt: So, dass ich mir bewusst bleibe: Ich bin doch auch nicht besser. Ich mache auch immer wieder Dinge falsch. Deswegen stelle ich mich nicht über den anderen. Ich stehe auf einer Stufe mit ihm. Gemeinsam versuchen wir, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

    „Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern“, schreibt Paulus.  

    Vergleicht euch nicht mit anderen. Schaut nicht darauf, ob ihr besser oder schlechter seid. Schaut darauf, dass es bei euch stimmt: dass euer Leben mit eurem Glauben übereinstimmt; dass das, was ihr sagt und tut, vor Gott recht ist. Bemüht euch darum, dass euer Leben Gott die Ehre gibt.

    Dem, der einen Fehler gemacht hat, mit sanftmütigem Geist wieder zurecht zu helfen und sich nicht über den anderen zu stellen, ist das eine, was Paulus wichtig ist. Das Zweite ist: Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Paulus weiß, wie schnell es geht, dass man ins gleiche Fahrwasser gerät. Ich meine noch, ich habe alles Recht, dem anderen seinen Fehler unter die Nase zu reiben – dabei bin ich selbst schon lieblos unterwegs. Ja, schlimmstenfalls übt der Fehler des anderen eine geheimnisvolle Anziehungskraft aus – so, dass ich selbst mithineingezogen werde. „Passt auf euch auf“, sagt Paulus, „damit euch das nicht passiert!“
     

    Die Last der Schuld nicht allein tragen

    „Lasst den anderen mit seiner Schuld nicht allein“, ist die dritte Aufforderung des Paulus. „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das GesetzChristi erfüllen.“

    Manchmal wird dieser Satz so verstanden, dass wir uns in der Gemeinde gegenseitig helfen sollen, wenn z. B. einer viel Leid ertragen muss. Das ist nie verkehrt. Paulus meint an dieser Stelle aber konkret die Last der Schuld. In der Gemeinde soll keiner mit der Last seiner Schuld allein gelassen werden. Es ist Aufgabe der Gemeinde, füreinander da zu sein – auch und gerade so, dass der, der schuldig geworden ist, den Weg findet, seine Schuld zum KreuzJesu zu bringen, um sie dort loszuwerden.

    „Letztlich“, schreibt Paulus, „wird sich jeder für sein Leben und Handeln selbst vor Gott rechtfertigen müssen.“ Das gilt auch für hochmütige Gedanken, die mir vorgaukeln, ich bin ein besserer Mensch. „Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen“, schreibt Paulus. „Jeder muss sich selbst für sein Reden, Denken und Tun vor Gott verantworten. Deswegen: Solange es möglich ist, helft einander, auf dem rechten Weg zu bleiben oder dahin zurückzukehren.
     

    Geistlich statt fleischlich leben

    Es soll in der Gemeinde geistlich zugehen und nicht fleischlich – nicht so, wie es normalerweise in der Welt läuft, wie mein Egoismus es mir vorgibt. Sondern so, wie der Geist Gottes es will.

    Denn eines bleibt klar: Wer meint, er könne auf den Geist verzichten, er wisse selbst, was für ihn gut ist, der wird am Ende genau da landen, wo sein Egoismus ihn hinführt – nämlich ins Verderben. Wer sich aber vom Geist leiten lässt, der wird vom Geist zum ewigen Leben geführt.

    Auch, wenn es oft zuerst der mühsamere Weg zu sein scheint: Wer sich vom Geist leiten lässt, ist auf dem richtigen Weg.

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    Autor: Ingrid Braun

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  12. Statt Freiheit – Zwang des Gesetzes

    10 min

    Der Bibeltext Galater 5,16-26 – ausgelegt von Ludwig Geisler. Freiheit durch Gnade und Gottes GeistPaulus schreibt den Christen in Galatien. Dort hat er auf seiner ersten Missionsreise Gemeinden gegründet. Das …

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    Der Bibeltext Galater 5,16-26 – ausgelegt von Ludwig Geisler.
    Freiheit durch Gnade und Gottes Geist

    Paulus schreibt den Christen in Galatien. Dort hat er auf seiner ersten Missionsreise Gemeinden gegründet. Das liegt noch nicht so lange zurück. Aber die Gemeinden sind verunsichert, und Paulus ist empört: „Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch verblendet?“, fragt er sie. Die gute Nachricht von der GnadeGottes, die uns von dem Zwang des Gesetzes befreit, wird infrage gestellt. „Gab Gott euch denn seinen Geist und wirkt er Wunder unter euch, weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft vom Glauben gehört habt?“ So will Paulus die Christen in Galatien an den Grund ihres Glaubens erinnern. Diese Frage will ich mir auch stellen. Die Frage nach einem christlichen Lebensstil in Übereinstimmung mit Gottes guten Weisungen, aber doch frei von den Regeln des Talmud, der jüdischen Gesetze. „Christus hat uns befreit, damit wir auch in Freiheit leben!“, ruft Paulus den Galatern in Kapitel 5,1 zu.

    Die Unterscheidung von Gesetz und Gnade, von Gerechtigkeit aus Werken oder aus Glauben muss immer wieder erklärt und bedacht werden. Der Brief an die Galater ist dafür ein lehrreiches Bibelbuch. Es könnte so einfach sein, wenn Gottes Geist in uns Klarheit schafft. Darin liegt die Herausforderung und darin besteht oft die Abweichung: Unsere menschliche Natur widerstrebt dem Geist Gottes. Unser selbstsüchtiges Wollen liegt in unserer von Gott abgewandten Natur – die Bibel nennt sie auch „Fleisch“. Als Pfingsten geschieht, sendet Jesus den versprochenen Helfer, Tröster und Sachwalter, den Heiligen Geist. Durch ihn werden die Apostel ermutigt und befähigt, von der Auferstehung und dem ewigen Leben zu reden. Durch Gottes Geist geschehen wunderbare Zeichen und werden Menschen verändert. Durch ihn wächst die Zahl der Jesus-Nachfolger, die Ecclesia, die Kirche.

    Die menschliche Natur und ihre Werke

    Die menschliche Natur wird aber nicht ausgelöscht, sodass es auch zu Streit, Zwietracht und Spaltungen kommt. Paulus erwähnt in unserem Text vierzehn „Werke des Fleisches“, also Untaten, die unsere Ichbezogenheit hervorbringt. Ich habe mich gefragt, was meine Schwachstellen sind. In allem ist es die mangelnde Selbstbeherrschung, ob bei sexueller Unmoral oder bei Genusssucht – die Bibel spricht von Fressgelagen. Unsere Gesellschaft leidet an Egoismus, an Feindseligkeit, Intrigen und Neidereien. Der Glaube wird angefeindet durch Götzendienst und Okkultismus.

    In den Zeiten des Apostels Paulus sind im Römischen Reich die Auswirkungen der Selbstsucht deutlich sichtbar. Intrigen und Mord sind unter den Herrschenden verbreitet. Von Julius Caesar bis Domitian werden im Römischen Reich fünf Kaiser ermordet. Die sexuelle Unmoral und Ausschweifung, die Trunkenheit und Fressgier werden zur Schau gestellt. Diese Verlockungen machen auch vor den Christen nicht halt. Die Bibel mahnt uns zur Bescheidenheit und zum Teilen unserer Güter. Im Brief des Jakobus (3,13) können wir lesen: „Wer von euch ist denn weise und verständig? Er soll das durch seinen Lebenswandel zeigen, und zwar in der Bescheidenheit, die aus der Weisheit kommt.“

    Die Frucht des Geistes: Farben des Lebens

    Im ersten Vers unseres Textes will ich es mir von Paulus sagen lassen, wer der entscheidende Bestimmer meines Lebens sein will: „Lasst den Geist Gottes euer Leben bestimmen, dann könnt ihr den Begierden in euch widerstehen.“ Dann werdet ihr nicht mehr von eurer Lust beherrscht.

    Paulus beschreibt uns dann eine Frucht mit neun Wesenszügen, die der Geist Gottes in unserem Leben „hervorbringt“. Wir können sie nicht selbst produzieren, aber wachsen lassen. Ich will mich erfüllen und leiten lassen und diese Wesenszüge ausstrahlen. Sie sollen die Farben meines Lebens sein.

    Liebe – Freude – Frieden – Geduld – Freundlichkeit – Güte – Treue – Sanftmut – Selbstbeherrschung.

    Welche Farbe hat mich von Anfang an begleitet? Welche Farbe soll in meinem Leben hervortreten? Welche Farbe ist noch sehr blass in meinem Leben?

    1. Die Freude hat mich am Beginn meines Christseins zuerst erfüllt und bleibt in mir als eine starke Kraft. Das Glück, bei Gott angenommen zu sein und bei Jesus Vergebung zu finden, ist für mich unbeschreiblich. So freue ich mich täglich über Worte der Bibel, aber auch an der Gemeinschaft mit Menschen, die mit mir auf dem Wege sind. So wie Esra es seinem Volk zurief, gilt es auch mir: „Die Freude am HERRN ist eure Stärke, sie gibt euch Kraft.“ (Nehemia 8,10)
    1. Die Freundlichkeit möge als Wesensmerkmal immer stärker hervortreten. Ich will sie reflektieren, weil Gottes Freundlichkeit mich anstrahlt. Paulus schreibt an Titus so schön: Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, hat er uns gerettet und durch den Heiligen Geist erneuert. (Titus 3,4) Ein freundliches Lächeln gibt meinem Gegenüber ein gutes Gefühl und provoziert eine Erwiderung. Ein freundliches Wort ist wie ein Sonnenstrahl im trüben Alltag.
       
    2. Die Selbstbeherrschung ist wie die Weisheit eine Gabe, die im Alter zunehmen soll. Ich bin schon alt, aber oft noch unbeherrscht. Wo sie fehlt, bin ich ungeduldig und lieblos. Im Brief des Petrus habe ich den weisen Rat gelesen: So setzt nun allen Fleiß daran, in eurem Glauben ein vorbildliches Leben zu führen und diesem Leben muss die Selbstbeherrschung folgen, der Selbstbeherrschung die Geduld und der Geduld die liebevolle Ehrfurcht vor Gott. (2. Petrus 1,6)
    Im Geist wandeln und Jesus nachfolgen

    So sind sich die Apostel bei aller Unterschiedlichkeit einig und konform mit ihrem HERRN Jesus Christus. Paulus, Jakobus und Petrus beschreiben die geistliche Frucht in einem Christenmenschen mit diesen Tugenden. Ich sagte schon, die Selbstbeherrschung fällt mir schwer, da braucht Gott mit mir Geduld. An meinem Tun und Handeln soll sichtbar werden, dass der Heilige Geist in mir etwas Neues begonnen hat. „Lasst uns nun auch im Geist wandeln“, steht kurz und klar in der Luther- und Schlachter-Übersetzung. Wandeln, das ist die christliche Bewegungsform; frei und doch nicht orientierungslos. Ich habe mich entschieden und will Jesus nachfolgen. Er ist der Ursprung, der Weg und das Ziel (Offenbarung 22,13).

    Die Verse 25 und 26 finde ich in der Neuen Genfer Übersetzung sehr treffend ausgedrückt: „Wir wollen uns auf Schritt und Tritt von Gottes Geist bestimmen lassen, nicht überheblich auftreten, einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!“ Dazu segne uns der HERR Jesus Christus. 

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    Autor: Ludwig Geisler

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  13. Glück wünschen

    11 min

    Der Bibeltext Psalm 32 – ausgelegt von Hans-Claus Ewen. Das Glück der VergebungHaben Sie schon einmal den Begriff „Brutto-National-Glück“ gehört? Im Königreich Bhutan steht das Recht auf Glück seit 2008 in der …

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    Der Bibeltext Psalm 32 – ausgelegt von Hans-Claus Ewen.
    Das Glück der Vergebung

    Haben Sie schon einmal den Begriff „Brutto-National-Glück“ gehört? Im Königreich Bhutan steht das Recht auf Glück seit 2008 in der Verfassung des kleinen Himalaya-Staates. Der ehemalige König Jigme Singye Wangchuck prägte den Begriff des Brutto-National-Glücks als Alternative für das Bruttoinlandsprodukt. Bhutan ist damit das einzige Land der Welt, dem das Glück seiner Bewohner wichtiger ist als sein wirtschaftlicher Erfolg.

    Wenn ich Menschen zum Geburtstag gratuliere, wünsche ich ihnen Glück. Jungvermählten wünsche ich Glück für ihren gemeinsamen Weg, Schulabgängern eine glückliche Zukunft. Dabei verstehe ich unter Glück meist Dinge wie Gesundheit, Erfolg, Freude, Frieden und eine gute materielle Versorgung.

    Der Psalm, um den es heute geht, bezieht sich nach Ansicht vieler Bibelausleger – wie auch Psalm 51 – auf Davids Ehebruch mit Bathseba und auf den Auftragsmord an ihrem Ehemann Uria. Das Glück, von dem David in diesem Zusammenhang spricht, ist ein ganz anders geartetes Glück: das Glück eines Menschen, dem GottSünde, Übertretung und Schuld vergeben hat. Dieses Glück ist nicht mit der Redewendung „Glück gehabt!“ zu verwechseln. Es beschreibt einen bleibenden Zustand, der mit der Vergebung beginnt.

    Schuld erkennen und ihre Folgen verstehen

    Die Schwere seiner Schuld unterstreicht David durch mehrere Begriffe: Sünde, Übertretung, Schuld und Trug. Je nach Übersetzung finden sich auch Wörter wie Treubruch, Rebellion, Missetat oder Ungerechtigkeit. Damit wird deutlich, dass Sünde nicht nur ein Fehler oder eine menschliche Schwäche ist. Die verschiedenen Begriffe beleuchten unterschiedliche Seiten derselben Wirklichkeit.

    Sünde bedeutet zunächst das Überschreiten einer von Gott gesetzten Grenze. David übertrat die Gebote „Du sollst nicht ehebrechen“ und „Du sollst nicht morden“. Zugleich bedeutet Sünde: da verfehlt jemand das von Gott gesetzte Ziel. Sünde ist Rebellion gegen Gott und nimmt den Bruch der Gemeinschaft mit ihm bewusst in Kauf. Besonders interessant ist der Begriff „Trug“. Er beschreibt den Selbstbetrug des Menschen, der versucht, seine Schuld zu rechtfertigen oder zu verharmlosen.

    David hat erkannt, dass seine einzige Hoffnung darin bestand, seine Schuld zu bekennen. Seine Erfahrung zeigt, dass Sünde nicht nur eine moralische oder ethische Angelegenheit ist. Er beschreibt körperliche Beschwerden, die er mit seinem Fehlverhalten verbindet. Die Bibel macht deutlich, dass die Sünde des Menschen Auswirkungen auf die gesamte Schöpfung hat. Das wird schon im ersten Buch der Bibel auf den ersten Seiten deutlich: Nach dem Sündenfall wird der Erdboden verflucht (1. Mose 3,17). Und im Neuen Testament behauptet der ApostelPaulus im Römerbrief, dass die ganze Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen wurde und bis heute seufzt und in Geburtswehen liegt (Römer 8,20–22). Sowohl beim Propheten Jesaja als auch im letzten Buch der Bibel, beim Seher Johannes, ist davon die Rede, dass Gott eine neue Erde schaffen wird. Wenn Sünde bereits die Schöpfung so tief betrifft, wie viel mehr den Menschen selbst!

    David beschreibt die zerstörerische Wirkung der Sünde mit Bildern aus der Natur: ausgetrocknete Flüsse während großer Hitze und reißende Sturzfluten nach heftigen Regenfällen. Er wusste, dass unausgesprochene Schuld ihn letztlich zugrunde richten würde.

    Sündenbekenntnis und Rechtfertigung

    Für David bedeutete Sündenbekenntnis, dass er sich Gottes Urteil über die eigene Schuld unterwirft: keine Beschönigung, keine Ausreden, keine Verniedlichung und keine Rechtfertigung. Der Weg zu dem eingangs beschriebenen Glück führt nur über das ehrliche Eingeständnis: „Ich bin schuldig und habe Strafe verdient.“

    Im Neuen Testament greift Paulus diesen Psalm in Römer 4 auf und erklärt die Rechtfertigung allein aus Glauben mit den folgenden Worten:

    „Dem, der nicht mit Werken umgeht, sondern an den glaubt, der den Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet … Selig sind die, denen die Ungerechtigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind.“ (Römer 4,5–8)

    Die Sünde des Menschen machte den stellvertretenden Tod JesuChristi notwendig. David erwähnt bereits zwei wesentliche Aspekte der Erlösung: Die Schuld muss bedeckt und dem Menschen muss Gottes Gerechtigkeit zugerechnet werden. Dieses „Bedecken“ bedeutet nicht, dass Schuld einfach übergangen wird. Im Hebräerbrief, Kapitel 9, wird deutlich: „Ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung.“ Das ist ein Hinweis auf den Opferkult Israels – anfangs in der Stiftshütte, dem mobilen Heiligtum aus der Zeit der Wüstenwanderung. Später dann im Tempel in Jerusalem. Die Opfer dort verdeutlichten dieses Prinzip: Die Schuld des Sünders wurde symbolisch auf ein Opfertier übertragen, während dessen Unschuld dem Sünder zugutekam. Diese Opfer haben bereits auf Jesus Christus hingewiesen. Am Kreuz wurde ihm die Schuld der Menschheit zugerechnet. Sein Tod – 1000 Jahre nach David – hat erst die Möglichkeit eröffnet, dass allen Glaubenden Gottes Gerechtigkeit zugerechnet wird.

    Gottes Führung im vertrauensvollen Blickkontakt

    Zum Schluss des Psalms spricht David über Gottes Führung. Wer seine Schuld bekannt und sich von ihr abgewandt hat, kann darauf vertrauen, dass Gott ihn leitet. Es ist offensichtlich nicht Gottes Wunsch, den Menschen wie ein Maultier oder Pferd zu kontrollieren, um ihnen so seinen Willen aufzuzwingen. Gottes Wille mag nicht immer das sein, was seine Kinder für gut und gerecht halten, aber angesichts der empfangenen Vergebung können sie lernen, ihm vertrauensvoll zu folgen. Gott meint es immer gut, auch wenn man seine Wege nicht direkt versteht. Diese Führung beschreibt David mit dem Bild des Augenkontakts.

    Mich erinnert das an kleine Kinder auf einem Spielplatz. Die Eltern beobachten ihre Kinder aufmerksam. Möchte ein Kind etwas tun, von dem es weiß, dass es vielleicht falsch ist, sucht es oft den Blickkontakt mit den Eltern. Deren Blick genügt häufig als Antwort. Ebenso sucht ein Kind nach einem gelungenen Verhalten den Blick der Eltern, um Bestätigung und Freude zu erfahren. Auch hier sagt der Blick oft mehr als Worte.

    So verstehe ich Davids Bild von Gottes Führung. Zwischen Gott und seinen Kindern soll ein lebendiger Blickkontakt bestehen. Jesus selbst beschreibt seine Beziehung zum Vater mit den Worten: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht“ (Johannes 5,19).

    Natürlich bedeutet das nicht, dass wir Gott mit unseren leiblichen Augen sehen. Solche Erfahrungen schildert die Bibel nur in besonderen Ausnahmen. Paulus betet im Epheserbrief darum, dass die „Augen des Herzens“ geöffnet werden, damit wir geistliche Wirklichkeiten erkennen (Epheser 1,17–18).

    Ich glaube, dass genau darin der Blickkontakt mit Gott besteht. Wie das Kind den Blick seiner Eltern sucht, können wir die Augen unseres Herzens auf Gott richten. Im Gebet und im Hören auf sein Wort schenkt er Orientierung, Korrektur und Bestätigung. Wer seine Schuld bekennt und Gottes Vergebung angenommen hat, lebt nicht nur im Glück der Versöhnung, sondern kann auch darauf vertrauen, dass Gott ihn auf seinem Weg liebevoll führt.

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    Autor: Hans-Claus Ewen

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  14. Zur Freiheit befreit

    11 min

    Der Bibeltext Galater 5,1-15 – ausgelegt von Lydia Dummert. Die Sehnsucht nach Freiheit"Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft …

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    Der Bibeltext Galater 5,1-15 – ausgelegt von Lydia Dummert.
    Die Sehnsucht nach Freiheit

    "Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!"

    Ich lese diese Worte des Paulus, und in mir wird ein tiefer, lang ersehnter Wunsch berührt:

    FREIHEIT!

    Wegen schwerer Krankheit wurde ich plötzlich aus dem Leben herausgerissen und musste mit Mitte 40 einige Jahre in einem Pflegeheim verbringen. Ich fühlte mich in mehrfacher Hinsicht wie in einem Gefängnis: Mein zuvor "normal" funktionierender Körper war über Nacht pflegebedürftig und auf einen Rollstuhl und fremde Hilfe angewiesen.

    Mein Körper, den ich zuvor so selbstverständlich in seiner großartigen Funktionsweise hingenommen hatte, setzte mir deutliche Grenzen:

    Ich war nicht mehr frei, zu gehen, zu stehen, allein zu essen oder mich zu waschen.

    Ich war aber auch nicht mehr frei, mein Zuhause und die Menschen, mit denen ich es teile, zu wählen. Ich musste mich wohl oder übel auch mit Menschen arrangieren, mit denen ich mich sonst nicht umgeben hätte.

    Ich musste mich an Regeln halten, die ich nicht selbst gewählt hatte, musste damit leben, dass jederzeit jemand – auch ohne anzuklopfen – in mein Zimmer kommen konnte.

    Und wenn ich hier das Wort "Zuhause" verwende, so vermied ich es damals fast zwanghaft, dies für meine neue Unterkunft zu verwenden. Denn diesen Ort hätte ich nie freiwillig gewählt.

    Doch nicht nur äußerlich und körperlich fühlte ich mich in meiner Freiheit beschnitten, auch seelisch fühlte ich mich in meiner Freiheit bedrängt. Ich fühlte mich wie ein gläserner Mensch. Die Schweigepflicht wurde im Heim nicht besonders hochgehalten; und jeder wusste viel zu viel Persönliches über den anderen.

    Heute – nach langem Warten und Kämpfen – habe ich meine körperlichen Funktionen beinahe vollständig zurückerlangt, und ich habe wieder ein eigenes Zuhause!

    Das erfüllte mich zu Beginn mit einem großen Glücksgefühl und auch Dankbarkeit.

    Doch meine Psyche hatte gelitten – zu viel war in der Vergangenheit an Schmerzhaftem geschehen. Bin ich also auch jetzt noch nicht frei?

    Was Paulus mit Freiheit meint

    Und ich frage mich: Was meint Paulus eigentlich mit Freiheit? Spricht er von einer anderen Freiheit als der, an die ich bei dem Wort Freiheit denke? Ich glaube schon.

    Aber was hat Freiheit mit Beschneidung zu tun? Wer sich beschneiden lässt, muss, so Paulus, „das ganze Gesetz tun“. Doch wer durch das Gesetz gerecht werden möchte, der hat Christus verloren und ist aus der Gnade herausgefallen.

    Was will Paulus damit sagen? Soll ich mich nicht an Gottes Gebote halten? Ja, wäre das sogar falsch, da ich dann Christus verliere?

    Vielleicht hilft ja der historische Kontext. Paulus schreibt an Gemeinden in Galatien, die offenbar unter dem Einfluss stehen, dass der Glaube an Christus allein nicht ausreicht.

    Stattdessen werden offenbar besonders für nichtjüdische Christen die Beschneidung und damit die Übernahme wesentlicher Elemente des jüdischen Gesetzes als Voraussetzung für die volle Zugehörigkeit zu Gottes Volk gefordert.

    Dahinter steht also das Grundproblem: Wird ein Mensch allein durch den Glauben an Christus gerecht – oder muss er zusätzlich die Forderungen des Gesetzes erfüllen?

    Gnade statt religiöser Leistung

    In Vers 6 sagt Paulus dazu: „Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

    Eigentlich, so meine ich, ist diese Aussage des Paulus doch wirklich befreiend. Ich darf mich frei machen von einem religiösen Leistungsdenken. Ich muss nicht zuerst viel beten, viele gute Werke tun und regelmäßig in die Kirche gehen. Nein – allein der Glaube genügt.

    Das klingt doch in einer Leistungsgesellschaft, in der wir leben, beinahe befremdlich. Wenn ich mehr Gehalt oder eine höhere Position im Job möchte, muss ich dafür erstmal etwas (und vielleicht sogar mehr, als mir guttut) leisten. Zuerst muss ich etwas investieren, bevor ich etwas bekomme.

    Hier scheint es aber gerade umgekehrt zu sein. Denn hier – so verstehe ich Paulus – habe ich es mit einem gnädigen Gott zu tun. Für ihn muss ich nicht in Vorleistung gehen. Mein Glaube an ihn genügt.

    Bedeutet das dann im Umkehrschluss: Ich kann tun und lassen, was ich will, und trotzdem falle ich nicht aus Gottes Gnade?

    Nein. Auch dies scheint nicht Paulus´ Intention zu sein. Auch wenn mich Gottes Gnade freispricht, so soll diese Freiheit nicht dem „Fleisch Raum geben“.

    Fleisch meint hier aber nicht einfach den menschlichen Körper, sondern den Menschen in seiner von Gott losgelösten, selbstbezogenen Lebensweise.

    Freiheit meint hier also nicht Zügellosigkeit. Denn es gilt das Gesetz der Nächstenliebe.

    Das wirkt im ersten Moment doch widersprüchlich: Zuerst stellt sich Paulus gegen eine Gesetzesgerechtigkeit, aber dann soll ich mich doch an ein Gesetz, das sogar „das ganze Gesetz“ umfasst, halten …

    Freiheit, die zur Liebe befähigt

    Aber vielleicht löst sich dieser scheinbare Widerspruch, wenn ich die Funktion des Gesetzes bei Paulus betrachte. Es geht nicht darum: Ich liebe meinen Nächsten, damit Gott mich annimmt. Sondern: Weil Gott mich in Christus angenommen hat, kann ich meinen Nächsten lieben. Und was ich ebenfalls für sehr wichtig erachte: Auch mich selbst.

    Eigentlich sagt dieses Gebot doch aus, was ich aus der Psychologie kenne: Wenn ich mich selbst nicht mag und nicht gut zu mir bin, wird es schwer, sich anderen in Liebe zuzuwenden.

    Wenn ich mich aber wirklich als von Gott geliebten und durch seine Gnade freigesprochenen Menschen sehe, dann kann ich vielleicht auch ein Segen für meine Mitmenschen sein.

    Dies zu glauben, ist sicherlich nicht immer leicht.

    Aber es erscheint es mir wert.

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    Autor: Lydia Dummert

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  15. Freiheit, die Gott meint

    10 min

    Der Bibeltext Galater 4,21-31 – ausgelegt von Dirk Bösenberg. Freiheit in Gottes Gegenwart und das himmlische JerusalemPaulus schärft uns im Galaterbrief, Kapitel 2, Vers 20 ein: „Ich lebe, doch nun nicht ich …

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    Der Bibeltext Galater 4,21-31 – ausgelegt von Dirk Bösenberg.
    Freiheit in Gottes Gegenwart und das himmlische Jerusalem

    Paulus schärft uns im Galaterbrief, Kapitel 2, Vers 20 ein: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern der Christus – der Sohn Davids, der Sohn Gottes – lebt in mir.“ Gott selbst lebt in einem Christen.
    Ich habe die Freiheit, ihm zu gehören; die Freiheit, von seiner Auferstehungsmacht getragen zu
    sein; und die Freiheit, für immer in Gottes Gegenwart zu sein.

    1. Paulus greift verschiedene Bilder aus der hebräischen Bibel auf. Ein schönes Bild ist das von
    Jerusalem, das droben und unsere Mutter ist, die sich in Jubel und Freude über die große
    Schar ihrer Kinder ergreifen lässt. Was ist damit im Lichte der jüdischen Tradition gemeint?
    Zum einen, Jerusalem ist der Ort, der nach 2. Samuel 5 von David erobert und zur Stadt
    Davids wird. Zum anderen, nach 2. Samuel 7: Gott bindet sich an David und verheißt, dass
    Davids Königshaus auf Dauer bestehen wird, und kündigt an, dass der Sohn Davids ihm ein
    Haus bauen wird – den Tempel auf dem Zion. Das Lied für den Tempeldienst Psalm 132,11–
    14 ruft: „Denn der Ewige hat David eine Treue geschworen, von der Er nie ablassen wird: Aus
    der Frucht deines Schoßes werde ich dir [Nachkommen] auf den Thron setzen! Wenn deine
    Söhne meinen Bund halten und dieses Zeugnis von mir, das ich sie lehre, sollen auch ihre
    Kinder für alle Zeiten auf deinem Thron sitzen. Denn der Ewige hat Zion für sich gewählt, es
    als seinen Wohnsitz gewollt. Das ist meine Ruhestätte für immer; hier will ich wohnen, denn so
    will ich es …“. Gottes Gegenwart ist mit Jerusalem für immer verbunden. Dazu kommt Jesaja
    25,6–9 (in Kurzform): Gott lädt alle Völker zu einem Festmahl ein, hebt den Schleier der Völker
    ab, verschlingt den Tod, trocknet jede Träne und nimmt die Schmach seines Volkes weg – und
    die Antwort der Erlösten lautet: „Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und
    fröhlich sein über sein Heil.“ Für das Wort „Heil“ steht hier in der hebräischen Bibel: Yeshuah,
    das Wort für Jesus. Dann kann man sagen: „Weil der Tod auf ewig verschlungen ist, lasst uns
    jubeln und fröhlich sein über Yeshua-Jesus.“ Hier hat jeder die Freiheit, in der Gegenwart
    Gottes zu sein. Jeder hat die Freiheit, ihm zu gehören.

    Der Abrahambund und der Umgang mit Gottes Verheißung

    2. Nun zum Abrahambund, der besagt: Gott gibt Abraham das Versprechen: „Ich will dich segnen
    … und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen … Und in dir sollen gesegnet
    werden alle Geschlechter der Erde.“ Diese Verheißung ging nicht an Hagar und Ismael,
    sondern an Sara und Isaak. Aus dieser Linie ist das Volk Israel hervorgegangen – und nach
    einer langen Zeit der Zerstreuung lebt es heute wieder in seinem Land. Abraham, Sara und
    Hagar haben Gottes Wort auf eigene Faust so umgeformt, dass es ihrer eigenen Planung
    diente. Das ist Gott gegenüber überheblich und übergriffig. So Gottes Wort in die eigene Logik
    zu pressen oder über Gottes Wort zu richten, mag wie Freiheit aussehen – doch die Folgen
    zeigen das Gegenteil.

    Sinai und irdisches Jerusalem: Freiheit und Gefangenschaft

    3. Dann ein weiteres Bild, vom Sinai, von Knechtschaft und dem damaligen irdischen Jerusalem:
    In 2. Mose 20 steht das Volk Israel hinter einer Grenze, die Moses um den Berg gezogen hat,
    getrennt von der Gegenwart Gottes. In den Versen 18–19 heißt es: „Und das ganze Volk sah
    den Donner und die Blitze und den Posaunenschall und den rauchenden Berg; und als das
    Volk solches sah, erschraken sie und blieben ferne stehen. Und sie sprachen zu Mose: Rede
    du mit uns, so wollen wir hören; aber Gott rede nicht mit uns, dass wir nicht sterben.“
    Das Volk Israel lebt nach seiner Befreiung aus Ägypten in Freiheit – und doch ist es gefangen in
    seiner Angst und der Trennung von Gott. Gott selbst ist in ihrer Mitte, sie hören Gottes Stimme,
    und doch bauen sie das goldene Kalb. Sie sind so frei und doch gefangen in ihrem Hochmut. Gott
    löst seinen Bund mit Israel nicht auf.
    Das gilt auch für die damalige Stadt Jerusalem. Man lebt die Freiheit von Gottes Gedanken. Es
    gibt einen Tempel mit Gottesdiensten. Der König stammt nicht aus dem Hause Davids, die
    Priesterschaft ist zerrissen, ein tägliches Opfer für den Kaiser, dazu im Land drei römische
    Tempel. Es gibt eine lebendige Religiosität, und gleichzeitig kann man mit Jesaja 1, Vers 4 sagen:
    „Wehe dem sündigen Volk, dem Volk mit Schuld beladen, dem boshaften Geschlecht, den
    verderbten Kindern, die den HERRN verlassen, den Heiligen Israels lästern, die abgefallen sind!“
    Sie erleben: Wer sich über Gott stellt, wählt die Unfreiheit. Und doch sendet Gott seinen Sohn
    Jesus und eine Freiheit, mit Gott zusammen zu sein.

    Das Gesetz hören und Gott in Jesus gehören

    4. Es wird gefragt: „Hört ihr nicht das Gesetz?“ (Vers 21)

    Damit kann gemeint sein: „Ihr hört das Gesetz nicht.“ Oder: „Gott sei Dank, es gibt die Heilige
    Schrift, und da kann ich Gott zuhören. Also schaue ich mal in die Schrift.“ Da frage ich mich: Mit
    welcher Einstellung gehe ich an das Alte Testament heran? Will ich akzeptieren, dass es das
    Fundament der Geschichte Gottes mit Israel und mit den Christen ist?
    5. „Ihr, die ihr unter dem Gesetz sein wollt.“ (Vers 21)
    Ich meine, hier sind nicht die Juden gemeint. Hier werden Nicht-Juden in den Blick genommen, zu
    denen gesagt wird: „Ich sage euch, die ihr das wahre Volk Gottes unter dem Gesetz sein wollt, ihr
    wollt nicht hören, was das Gesetz sagt.“ Sie wollen Israels Vorrang übernehmen. Die Freiheit, sich
    über Gott zu stellen, hilft nicht. Die Freiheit, Gott in Jesus zu gehören, schon. Weil sie sich mit
    Jesus verbunden fühlen, nehmen sie sich die Freiheit, die Verheißungen zu modernisieren und
    weiterzuentwickeln. Jesus ist doch kein Instrument zur Freiheit! Er ist die Freiheit, Gott in Jesus zu
    gehören. Er ist die Freiheit in mir – Gottes Gegenwart.

    [1]Übersetzung von Miriam Magall, 2023, aus: Das Buch der Psalmen, Ohel Josef Jizchak, Verlag „Jüdisches“ e.V. 

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    Autor: Dirk Bösenberg

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  16. Das richtige Sehvermögen

    11 min

    Der Bibeltext Galater 4,8-20 – ausgelegt von Claudia Volkmann. Paulus ist in Sorge. Er fragt sich, ob all seine Liebesmüh, die Galater mit dem Evangelium vertraut zu machen, vergeblich war. Offenbar sind …

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    Der Bibeltext Galater 4,8-20 – ausgelegt von Claudia Volkmann.

    Paulus ist in Sorge. Er fragt sich, ob all seine Liebesmüh, die Galater mit dem Evangelium vertraut zu machen, vergeblich war. Offenbar sind Irrlehrer unterwegs, die sie auf Abwege führen wollen. Gerade, wenn jemand (oder auch eine Gruppe) noch jung im Glauben ist, kann dies leicht geschehen. Zu beurteilen, was wahr ist oder eben nicht, muss ich ja erst lernen. Auf den Heiligen Geist zu hören, gelingt anfangs sicher nicht immer. Im Glauben zu reifen, ist ein Prozess. Paulus erinnert die Christen in Galatien an das Evangelium, ermahnt sie. Doch ist der Apostel auch dankbar für ihre Hilfsbereitschaft, die er „in seiner Schwachheit des Leibes“ erfahren hat. Es klingt, als hätte Paulus ein größeres Problem mit den Augen gehabt.

    Ein vermindertes Sehvermögen kann sehr beschwerlich im Alltag sein – beim Lesen, Schreiben, Finden von Gegenständen, aber auch unterwegs. Jeder Stein kann zur Stolperfalle werden und die Orientierung mühsam. Allen Widrigkeiten zum Trotz behält Paulus die Übersicht und sendet den Christen in Galatien einen Brief. Er hätte allerdings lieber direkt mit ihnen gesprochen. In der persönlichen Kommunikation lässt sich vieles klarer ausdrücken als schriftlich. Die Dringlichkeit, die Paulus empfindet, kommt vermutlich noch deutlicher an.

    Bei einem schriftlichen Feedback kann es auch heute noch zu allerlei Missverständnissen kommen. Als Absender zu erkennen, wie das Geschriebene auf den Empfänger wirkt oder wirken könnte, braucht einiges an Fähigkeiten. Ich persönlich habe auf diesem Gebiet schmerzhaft aus Fehlern gelernt.

    Als Pastorin und Gemeindeleiterin treffe ich täglich Entscheidungen und habe dies (zumindest meistens) nach bestem Wissen und Gewissen getan. Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass ich von Menschen angefeindet werde. Manchmal einfach, weil ich eine Frau in Leitungsverantwortung bin. In anderen Fällen, weil jemand der Meinung ist, dass er Dinge besser weiß, selbst wenn ihm der Hintergrund völlig fehlt. Es gibt Missverständnisse. Oder vielleicht ist einer bloß „mit dem falschen Fuß aufgestanden“ und ich bekomme seine schlechte Stimmung ab.

    Früher, wenn mir jemand seinen Unmut schriftlich mitgeteilt hat (z. B. per E-Mail) und ich seine Äußerungen ungerecht oder ungerechtfertigt fand, habe ich sofort schriftlich geantwortet. Meine Verärgerung hat den nötigen Schub geliefert, sehr viel schneller als sonst in die Tasten zu hauen und – zack!!! – war die lange Nachricht abgeschickt. Meine Antwort fand der Empfänger wiederum nicht komisch. So wird Ärger befeuert, schneller als ich denke. Die Stellschrauben wieder zurückzudrehen und die Situation und die Menschen zu beruhigen, ist nicht immer möglich. Wer mehr Lebenserfahrung mitbringt, weiß wahrscheinlich, wie gut es ist, noch einmal eine Nacht darüber zu schlafen, wenn ich im Eifer des Gefechts eine Antwort geschrieben habe, statt sie abzusenden.

    Vor Jahren ist es mir passiert, dass mir jemand beleidigend und sehr aggressiv, wie ich fand, eine seitenlange Mail geschickt hat. Meine Antwort, detailliert und messerscharf, war schnell getippt, aber ich habe sie erstmal zwischengespeichert. Am nächsten Tag, als das „Mütchen“ sich wieder abgekühlt hatte, habe ich mich selbst über die Tonart gewundert, die mich zwischen den Zeilen lautstark anzufallen schien. Wie gut, dass ich diesen Text nicht abgeschickt hatte!

    Mit dem, was der Heilige Geist uns an biblisch beschriebener „Frucht des Geistes“ gibt – zum Beispiel Sanftmut, Liebe, Freundlichkeit und Geduld – schreibe ich aus dem inneren Abstand heraus viel friedfertiger. Vielleicht verständnisvoller. Dennoch setze ich klare Grenzen, ermahne manchmal oder beende ein Gespräch. Wenn jemand keinerlei konstruktive Bereitschaft hierfür erkennen lässt, Wertschätzung und Respekt fehlen, will ich meine Zeit und Kraft an der Stelle nicht mehr investieren, sondern lieber da, wo ich wirklich gebraucht werde und willkommen bin. Diese Entscheidung hat auch mit Prioritäten, Selbstschutz und Gesundheit zu tun. Die biblische Formulierung von den „Perlen vor die Säue“, klingt hart, doch manchmal werde ich daran erinnert.

    Auch solche Dinge tut der Heilige Geist, er deckt Wahrheit auf, die gelegentlich unbequem sein kann. Buße fühlt sich auch nicht primär angenehm an. Jesus hat gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wahrheit sollte an Gnade gekoppelt sein. Jemandem auch mal ein Feedback zu geben, das ihm vielleicht nicht so gut schmeckt, ist Teil meiner Aufgaben. Die Aussage „Das ist nicht liebevoll, und als Christ darfst du dich nicht so verhalten!“ ist bei manchen Menschen erstaunlich schnell bei der Hand – egal wie gut die Absicht hinter einer Rückmeldung ist, wieviel ich gebetet oder was ich dabei geistlich gehört habe. Manchmal bedeutet Liebe, jemandem zuzumuten, sein Handeln oder auch seine Haltung zu überdenken. Wer Drogen nimmt, findet den Appell, damit aufzuhören, vielleicht lieblos. Ist es tatsächlich liebevoller, schweigend zuzuschauen, wie er sich zugrunde richtet?

    Paulus sagt selbst, dass er ratlos wegen der Christen in Galatien ist. Es zuzugeben, kann Überwindung kosten. „Guter Rat ist teuer“, sagt der Volksmund. Wie wertvoll ist es, wenn der Heilige Geist uns als Berater zur Seite steht und wir in Weisheit vom Himmel her unterwegs sind! Dann kehrt Frieden auch in einem selbst ein, egal, wie das Gegenüber wüten mag. Jesus ist der Friedefürst – Paulus weiß das. Gut, wenn ich es ebenfalls erkenne und beherzige.

    Jemand hat mir einmal gesagt: „Nicht alles, was dir widerfährt, ist deines Kommentares wert!“ Das hat mich sehr geprägt. In der Verabreichung von Medikamenten gibt es eine sogenannte 10 R-Regel: die richtige Person, das richtige Medikament, die richtige Dosierung, die richtige Applikationsart, der richtige Zeitpunkt und die richtige Dauer, die richtige Aufbewahrung, das richtige Risikomanagement, die richtige Dokumentation und die richtige Entsorgung. Nicht alle diese Punkte lassen sich auf unseren Zusammenhang übertragen, die meisten ansatzweise aber schon, wie ich finde. Wahrheit und Richtigkeit liegen nah beieinander. Wenn Liebe und Barmherzigkeit dazu kommen, kann ein Feedback echte Hilfe bedeuten (wenn jemand es will und die „R‘s“ passend sind). Zu viel, ein falscher Zeitpunkt, zu hart, zu weich etc. kann völlig kontraproduktiv sein – man denke an Risiken und Nebenwirkungen! Paulus wusste um diese Dinge und hat sich bestmöglich ausgedrückt. Wir können viel von ihm lernen.

    Ich wünsche Ihnen segensreiche Gespräche an jedem neuen Tag.

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    Autor: Claudia Volkmann

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  17. Vom Knecht zum Erben

    8 min

    Der Bibeltext Galater 4,1-7 – ausgelegt von Julien Schmidt. In den Versen 1 – 2 beginnt Paulus mit einem Bild aus dem damaligen Alltag. Solange ein Kind minderjährig ist, besitzt es keinen höheren Status als …

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    Der Bibeltext Galater 4,1-7 – ausgelegt von Julien Schmidt.

    In den Versen 1 – 2 beginnt Paulus mit einem Bild aus dem damaligen Alltag. Solange ein Kind minderjährig ist, besitzt es keinen höheren Status als ein Sklave. Obwohl es später alles erben würde, hat es als Minderjähriger nicht mehr Autorität als ein Sklave. Tatsächlich steht es sogar unter diesem. Sklaven werden damals auch als Erzieher für Kinder eingesetzt. Das Kind hat nicht mehr Freiheit als ein Sklave, in manchen Situationen sogar noch weniger. Dass das Kind genau wie ein Sklave unter anderen steht, dauert so lange an, bis der Vater den Sohn zum Erben erklärt.

    In Vers 3 wendet Paulus dieses Bild an. „Unter dem Gesetz“ bedeutet, dass die Juden unter die rechtlichen Vorschriften des Mosaischen Gesetzes versklavt sind. Die Nichtjuden hingegen kennen den wahren Gott, den Gott Israels noch nicht, bis Jesus Christus in die Welt kommt. Vorher haben die Nichtjuden mit der Anbetung von menschengemachten Göttern und heidnischen Ritualen zu tun.

    Die Bestimmungen des Gesetzes sind ein Zeichen der Unreife. Unter dem Gesetz sind die Juden versklavt und abhängig. In diesem Sinne hält sie das in einem Zustand geistlicher Unreife. Manche Christen leben tatsächlich wie Sklaven. Sie sind zwar vor der Hölle gerettet, aber sie verpassen die herrliche Wahrheit, dass sie Söhne und Töchter Gottes sind.

    Paulus erinnert die Christen in Galatien daran, so zu leben, wie sie es als Kinder Gottes dürfen. Bereits in Galater 3, Vers 26 hat er ihnen geschrieben: „Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus.“ Sie sind also nicht nur Erlöste, sondern Gottes Kinder.

    Die Galater als Nichtjuden kannten den wahren Gott früher nicht und dienten Götzen, also menschengemachten falschen Göttern.

    Auf seiner ersten Missionsreise hat Paulus sein Leben riskiert, als er zu den Galatern reiste, um ihnen das Evangelium zu verkündigen. Er wurde von den Menschen in Galatien gesteinigt. Sie dachten, er sei tot, und ließen ihn einfach liegen.

    Paulus verkündigte den Galatern die gute Nachricht von Jesus Christus. Nämlich, dass sie allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt und Kinder Gottes sind. Nach Paulus kamen dann Juden und lehrten die nichtjüdischen Galater, dass sie das Mosaische Gesetz einhalten sollen.

    Da sich die Christen in Galatien von diesen falschen Lehrern verwirren ließen, erinnert Paulus sie in den folgenden Versen daran, dass sie allein durch Christus erlöst und Kinder Gottes sind.

    In Vers 4 schreibt der Apostel vom Kommen von Gottes Sohn, Jesus Christus. Dieser kommt zur Fülle der Zeit. „Fülle der Zeit“ meint die von Gott bestimmte Zeit, zu der die Prophetien auf den Erlöser Jesus Christus erfüllt werden. Dieser Erlöser muss Jude sein und zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott, um sein Volk von dem Gesetz zu befreien.

    Zu diesem Erlöser sagt Paulus drei Dinge: Erstens sendet Gott seinen Sohn, was seine Gottheit betont. Zweitens wird er von einer Frau geboren, was sein Menschsein betont. Drittens wird er unter dem Gesetz geboren, was seine jüdische Identität betont. Er ist also Jude, Gott und Mensch zugleich.

    In Vers 5 werden zwei Gründe für das Kommen des Sohnes genannt. Erstens kommt er für die Juden, damit er die loskauft, die unter dem Gesetz sind. Zweitens – hier ist der Wechsel zum Pronomen „wir“ zu beachten – damit wir (Juden und Nichtjuden) die Sohnschaft empfangen. Der Weg zur Reife ist also das Kommen des jüdischen Erlösers, der sowohl Gott als auch echter Mensch ist.

    Diese neue Reife führt zu drei Ergebnissen. Die erste Folge in Vers 6 besteht darin, dass Gott seinen Heiligen Geist in die Herzen der Gläubigen sendet. Dieser soll den Menschen bewusst machen, dass dies der Beginn einer neuen Beziehung ist. Da die Gläubigen nun eine Verwandtschaftsbeziehung zu Gott haben, können sie nun „Abba, Vater“ rufen. Das Wort „Abba“ bedeutet nicht einfach nur Vater, sondern kann mit „Papa“ übersetzt werden. Der Geist lebt in den Herzen der Gläubigen und wendet sich mit den Worten „Abba, Vater“ an Gott.

    Und auch die Gläubigen haben das Recht, den Vater so anzusprechen, was Römer 8,15 zeigt. Genau so hat Jesus Christus den Vater (Markus 14,35-36) im Garten Gethsemane kurz vor seiner Kreuzigung angesprochen. Er weiß, dass ihm nicht nur der grausamste römische Foltertod bevorsteht, sondern dass er stellvertretend für die Sünde der Welt den heiligen und gerechten Zorn Gottes erleidet.

    Am Kreuz ruft der Herr Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

    Der Herr Jesus trägt dieses Leid, diese Trennung von Gott, damit Christen nicht nur nicht in die Hölle kommen, sondern damit sie Kinder Gottes und Christus ähnlich sein dürfen. Christusähnlichkeit ist Gottes höchster Wille für alle Menschen. Alle Christen soll dies daran erinnern, die Kindschaftsbeziehung zu Gott dem Vater zu führen, die sie in Christus zu ihm haben dürfen.

    Und alle, die Jesus Christus noch nicht als ihren Herrn und Retter angenommen haben, soll es ermutigen, dies zu tun und selbst Kind Gottes zu werden.  Ich schließe mit Johannes 1,12: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“.

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    Autor: Julien Schmidt

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  18. Das Foto auf meinem Schreibtisch

    9 min

    Der Bibeltext Galater 3,19-29 – ausgelegt von Christian Nicko. Ein Foto mit FolgenAuf meinem Schreibtisch liegt ein neues Foto meiner Frau. Mein Blick fällt immer wieder darauf. Sie schaut konzentriert in die …

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    Der Bibeltext Galater 3,19-29 – ausgelegt von Christian Nicko.
    Ein Foto mit Folgen

    Auf meinem Schreibtisch liegt ein neues Foto meiner Frau. Mein Blick fällt immer wieder darauf. Sie schaut konzentriert in die Kamera, fast ein wenig überrascht. Wie immer sieht sie gut aus, auch wenn das Schwarzweißbild etwas körnig geraten ist. Die Aufnahme stammt weder aus einem alten Fotoalbum noch von einem Urlaub oder einem besonderen Fest. Über dem Bild steht in großen, unübersehbaren Buchstaben: „Bußgeldbescheid“.

    Was ist passiert? – Meine Frau ist mit dem Auto unterwegs. Irgendwo auf ihrer Strecke steht ein Verkehrsschild: Höchstgeschwindigkeit 30 km/h. Vielleicht ist sie gerade in Gedanken. Vielleicht achtet sie auf den Verkehr oder sucht nach der richtigen Abzweigung. Jedenfalls übersieht sie das Schild. Als sie an der Messstelle vorbeifährt, zeigt das Messgerät 41 km/h an. Elf Kilometer pro Stunde zu schnell.

    Keine rücksichtslose Raserei. Keine vorsätzliche Missachtung der Regeln. Sie hat das Schild schlicht nicht gesehen.

    Doch einige Wochen später liegt der Brief im Briefkasten. Das Foto, der Bescheid, die Zahlungsaufforderung. Die Straßenverkehrsordnung in Deutschland kennt keinen Paragraphen, der besagt: „Wer das Schild aus Versehen übersehen hat, ist entschuldigt.“ Das Gesetz fragt nicht: „Hast du es absichtlich getan?“ Das Gesetz fragt nur: „Hast du dagegen verstoßen?“

    Das Ergebnis ist eindeutig. Die zulässige Geschwindigkeit wurde überschritten. Damit liegt ein Verstoß vor. Ob wissentlich oder unwissentlich, ob absichtlich oder aus Unachtsamkeit, spielt für die Feststellung der Schuld keine entscheidende Rolle.

    Das Gesetz spricht sein Urteil.

    Das Gesetz macht Schuld sichtbar

    Der Bußgeldbescheid auf meinem Schreibtisch erinnert mich an das Gesetz Gottes. Gott gibt das Gesetz, um Sünde in meinem Leben sichtbar zu machen. Er gibt das Gesetz, um mir zu zeigen, wie sehr ich ihn brauche. Es offenbart seine heiligen Maßstäbe und macht deutlich, wie weit mein Herz von ihm entfernt ist.

    Das Gesetz wirkt wie ein Röntgenbild: Es zeigt die Verletzung, kann sie aber nicht heilen. Es deckt meine Schuld auf, überführt und klagt mich an, es kann mich jedoch nicht freisprechen. Genau hier setzt Paulus in Galater 3 an: Das Gesetz macht meine Schuld sichtbar, doch Rettung finde ich nicht im Gesetz, sondern allein in JesusChristus.

    Dieses Denken entdecke ich auch in meinem eigenen Leben. Mein Problem ist oft, dass ich mich durch meine Leistung vor Gott rechtfertigen möchte. Ich denke: Wenn ich nur genug bete … Wenn ich ein guter Christ bin … Wenn ich mich genügend anstrenge … – … dann wird Gott mich annehmen.

    Dabei erwarte ich vom Gesetz etwas, was es gar nicht leisten kann. Ich versuche, mich selbst vor Gott zu beweisen und seine Anerkennung zu verdienen.

    Doch Paulus macht deutlich: Dafür ist das Gesetz nicht geeignet. Das Gesetz ist kein Retter. Es zeigt nur, dass ich einen Retter brauche. Das Gesetz ist ein Wegweiser zum Retter.

    Ein Wegweiser zu Christus

    Um das zu verdeutlichen, verwendet Paulus in Vers 24 das Bild von einem „Zuchtmeister“, das mir heute kaum noch vertraut ist. Im griechischen Haushalt ist damit kein Lehrer gemeint, sondern ein Begleiter. Er begleitet die Kinder im Alltag. Er passt auf sie auf. Er bringt sie zur Schule und sorgt dafür, dass sie sicher an ihr Ziel kommen. Doch dieses Amt ist nicht für immer gedacht. Eines Tages wird das Kind erwachsen. Dann endet die Aufgabe des Zuchtmeisters.

    Genauso beschreibt Paulus die Aufgabe des Gesetzes: Es führt mich zu Christus. Es zeigt mir meine Schuld und macht deutlich, wie sehr ich einen Retter brauche. – Als Jesus Christus in die Welt kommt, ist die Aufgabe des Gesetzes erfüllt. Das bedeutet nicht, dass Gottes Gebote schlecht oder überflüssig sind. Ganz im Gegenteil. Sie bleiben gut und zeigen den Willen Gottes. Aber sie können keinen Menschen retten. Das Gesetz weist nur auf den hin, der retten kann: auf Jesus Christus.

    Nun kommt Paulus zu dem Gedanken, auf den alles hinausläuft. In den Versen 26 bis 29 schreibt er: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“

    Diese Worte verändern meinen Blick auf mich selbst. Meine Identität hängt nicht mehr von meiner Leistung ab. Sie wird nicht durch meine Herkunft bestimmt. Auch mein sozialer Status spielt keine Rolle. Weder Erfolg noch Versagen legen fest, wer ich bin. Selbst meine Vergangenheit definiert mich nicht. Wenn ich zu Christus gehöre, dann bin ich ein Kind Gottes. Allein aus Glauben.

    Allein aus Glauben angenommen

    Viele Jahrhunderte später entdeckt Martin Luther diese Wahrheit neu. Lange Zeit versucht er selbst, durch Frömmigkeit, Disziplin und gute Werke Frieden mit Gott zu finden. Doch je mehr er sich anstrengt, desto deutlicher erkennt er seine eigene Schuld. Schließlich kommt er beim Lesen der Bibel zu der Erkenntnis: Gott nimmt Menschen nicht an, weil sie genug leisten, sondern weil sie Jesus Christus vertrauen. Diese Erkenntnis verändert sein Leben. Aus dieser Erkenntnis wächst einer der zentralen Grundsätze der Reformation: Sola fide – allein aus Glauben.

    Das Ende von Galater 3 lädt mich deshalb ein, neu auf Jesus Christus zu schauen. Nicht auf meine Leistung. Nicht auf meine Fehler. Nicht auf das, was mir fehlt. Wenn ich zu Christus gehöre, muss ich Gott nichts beweisen. Ich brauche mir seine Liebe nicht verdienen. Ich muss nicht ständig fragen, ob ich genug getan habe. Durch Jesus Christus bin ich angenommen. Vollständig. Dauerhaft. Unverdient.

    Wenn ich auf mich selbst schaue, finde ich oft Zweifel und Unsicherheit. Wenn ich auf Christus schaue, finde ich Gewissheit und Frieden. Ich bin Gottes Kind. Nicht weil ich alles richtig mache. Sondern weil Jesus alles für mich getan hat. Das ist die befreiende Botschaft des Evangeliums.

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    Autor: Christian Nicko

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  19. Wann wird eingelöst, was Gott verspricht?

    9 min

    Der Bibeltext Galater 3,15-18 – ausgelegt von Daniel Behrens. Papa, wann machen wir das endlich?“„Papa, wann machen wir endlich die Radtour?“ „Papa, wann gehen wir in die Innenstadt zum Shoppen?“ „Papa, wann …

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    Der Bibeltext Galater 3,15-18 – ausgelegt von Daniel Behrens.
    Papa, wann machen wir das endlich?“

    „Papa, wann machen wir endlich die Radtour?“ „Papa, wann gehen wir in die Innenstadt zum Shoppen?“ „Papa, wann gucken wir den Film?“ Diese oder ähnliche Fragen kennen wahrscheinlich alle Eltern. Ich habe etwas versprochen, aber noch nicht eingelöst. Und genau dann haben Kinder ein besonders gutes Gedächtnis. Manchmal lautet meine Antwort dann: „Später“, „Heute nicht“ oder einfach nur „Bald“.

    Sie können es sich wahrscheinlich denken, für meine Kinder sind das unbefriedigende Antworten. „Bald“ bedeutet für meine Kinder ungefähr fünf Minuten, für mich schon mal fünf Tage oder vielleicht auch einige Wochen. Ich kann Ihnen sagen, das gibt zu Hause Diskussionen, wann „Bald“ oder „Gleich“ ist. Auch wenn unsere Vorstellungen auseinandergehen, ist eines klar: Nur weil ein Versprechen noch nicht eingelöst wurde, ist es nicht aufgehoben. Das Versprechen ist auch dann nicht aufgehoben, wenn ich meinem Kind für die Zwischenzeit einen Arbeitsauftrag gebe. Zum Beispiel: „Räume dein Zimmer auf.“ Das kann schon mal vorkommen, dass ich für die Zwischenzeit einen Arbeitsauftrag erteile. So ein Arbeitsauftrag für die Zwischenzeit ist aber auch keine Bedingung, um mein Versprechen einzulösen.
     

    Ein Versprechen mit weitem Horizont

    Mit diesem Gedanken argumentiert Paulus. Gott gibt Abraham ein Versprechen. Dieses Versprechen hat zeitlich einen sehr weiten Horizont. Viel weiter als mein „Später“, „Heute nicht“ oder „Bald“. Gottes Versprechen lautet: Durch einen Nachkommen Abrahams sollen alle Menschen gesegnet werden. Gott meint damit Jesus Christus, der aber erst viele Jahrhunderte später auf diese Welt kommt. Einige Jahrhunderte nach Gottes Versprechen an Abraham kommt das Gesetz des Mose. In diesem Gesetz stehen hunderte von Regeln und Geboten, nach denen Israel leben soll. Paulus macht deutlich, dass dieses Gesetz das Versprechen von Gott an Abraham nicht nachträglich verändert. Das Gesetz ist keine nachträgliche Bedingung für sein Versprechen. Das Gesetz macht aus Gottes Geschenk keinen Vertrag, den der Mensch erst erfüllen muss. Paulus vergleicht dieses Versprechen Gottes mit einem Testament, das ich auch nicht einfach so ändern kann. Gottes Versprechen hat Bestand über die Jahrhunderte, bis Jesus kommt.
     

    Warum Regeln leichter scheinen als Vertrauen

    Aus der Perspektive der Christen in Galatien ist das Entscheidende sogar schon geschehen. Sie müssen nicht warten wie Abraham. Sie haben die gute Nachricht von Jesus gehört. Sie haben geglaubt. Sie haben Gottes Gnade erlebt. Aber genau deshalb finde ich das, was dann passiert, so merkwürdig. Denn auf einmal wollen die Christen in Galatien nicht den versprochenen Jesus, sondern das Gesetz des Mose in den Mittelpunkt stellen. Sie lassen sich einreden, dass der Glaube an Jesus allein doch nicht genügt. Dass noch etwas hinzukommen muss. Sie glauben, dass sie bestimmte religiöse Leistungen brauchen. Sie glauben, bestimmte Vorschriften müssen eingehalten werden, um wirklich zu Gott zu gehören. Wie gesagt, ich finde merkwürdig, was dort passierte, und frage mich: Warum? Warum tauschen sie ein Versprechen gegen ein Regelwerk? Warum möchten sie sich etwas mit Leistung verdienen, was ihnen schon längst geschenkt worden ist?

    Vielleicht ist eine Antwort, weil Regeln manchmal einfacher sind als zu vertrauen. Ein Versprechen macht mich abhängig von dem, der es mir gegeben hat. Ich kann nichts dafür tun, dass das Versprechen eingelöst wird, außer zu vertrauen, dass Wort gehalten wird. Eine Regel dagegen gibt mir etwas an die Hand. Ich kann feststellen: Das habe ich geschafft. Da war ich gehorsam. Das habe ich richtig gemacht. Vielleicht liegt genau darin die Versuchung. Gnade klingt wunderbar – aber ich kann nur vertrauen, ich kann mir nichts erarbeiten. Wenn es einzig und allein auf die Gnade ankommt, auf das Geschenk Gottes durch Jesus Christus, kann ich nicht am Ende sagen: „Das habe ich mir erarbeitet.“ Es gibt nichts, worauf ich stolz sein kann. Ich kann nur mit leeren Händen vor Gott stehen und seiner Gnade vertrauen. So, wie er es versprochen hat.
     

    Gottes Versprechen gilt – auch wenn ich scheitere

    Mein Eindruck ist, dass genau das mir manchmal schwerfällt. Ich baue mir lieber meine eigenen religiösen Gesetzbücher. Darin steht dann, wie oft ich in der Bibel lese. Wie regelmäßig ich bete. Was ich alles in der Gemeinde mache. Wie vorbildlich mein Leben aussieht. Vielleicht auch, welche Überzeugungen ich in Glaubensdingen habe. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Vieles davon ist gut und wichtig. Aber problematisch wird es, wenn ich glaube, deshalb von Gott angenommen zu sein. Weil dann mache ich genau das, wovor Paulus die Christen in Galatien warnt: Ich mache etwas, das nach dem Versprechen Gottes kommt, zur Bedingung für das Versprechen. Dabei ist die Reihenfolge entscheidend. Gott sagt nicht, dass er segnet, wo genug geleistet wird. Sondern er segnet durch Christus und aus diesem Segen lebe ich. Und das verändert mein Handeln. Ich bete nicht, damit Gott mich liebt, sondern weil er mich liebt. Ich lebe nicht nach Gottes Willen, damit ich von ihm angenommen werde, sondern weil er mich angenommen hat, versuche ich nach Gottes Willen zu leben. Das hat er versprochen und sein Versprechen gilt. Auch wenn ich gerade wenig von Gott spüre. Auch wenn mein Glaube vielleicht gerade schwach erscheint. Auch wenn ich an mir selbst scheitere. Gottes Versprechen hängt nicht an mir, sondern daran, dass er sein Wort hält.

    Meine Kinder dürfen mich an meine Versprechen erinnern. Und manchmal muss ich zugeben, dass ich eines vergessen habe. Bei Gott ist das anders. Was er versprochen hat, vergisst er nicht. Und in Jesus zeigt er, dass er zu seinem Versprechen steht: In Jesus sind Sie und ich gesegnet. Das ist ein Geschenk und kein Verdienst. Wir müssen nichts hinzufügen, damit Gottes Versprechen gilt. Unser Vertrauen ist von Gott gefragt.

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    Autor: Daniel Behrens

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  20. Ein Hymnus auf Gott

    10 min

    Der Bibeltext Psalm 65 – ausgelegt von Volker Kungel. Psalm 65Unser Psalm ist ein Hymnus, der die Taten und Segnungen Gottes preist. Die Gemeinde ist im Tempel versammelt. Sie betet Gott als Schöpfer und König …

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    Der Bibeltext Psalm 65 – ausgelegt von Volker Kungel.
    Psalm 65

    Unser Psalm ist ein Hymnus, der die Taten und Segnungen Gottes preist. Die Gemeinde ist im Tempel versammelt. Sie betet Gott als Schöpfer und König der Welt an. Ich teile den Psalm in drei Teile auf:

    Die Verse 2–6 verherrlichen Gott, der im Tempel auf dem Berg Zion gegenwärtig ist. In den VV 7–9 wird Gott als Schöpfer der Berge und als der Sieger über das chaotische Urmeer verehrt und die Verse 10–14 loben Gott als den, der Regen schenkt, damit Früchte wachsen. Gott versorgt sein Volk. Er macht es gut.
     

    1. Teil: Gottes Taten und Segen

    Psalm 65 stellt feierlich fest, dass Gott alles Lob gebührt. Er wird „Erhörer des Gebets“ genannt. Ihm erfüllt man seine Gelübde. Was Gott tut, tut den Menschen gut. Er wirkt „Heil“. D. h. er bringt wieder in Ordnung, was in Unordnung ist und heilt, was zerbrochen ist. Darum kommen die Menschen zu ihm.

    Die Menschen bringen ihre „Angelegenheiten der Sünden“ zu Gott. Damit ist alles gemeint, was Gottes Willen widerspricht. Schuld trennt von Gott. Sie entwickelt sich zu einer Last, die unerträglich wird. Darum machen sich die Menschen auf den Weg in den Tempel, um Gott um Vergebung zu bitten.

    Wenn Gott Schuld vergibt, ist die Trennung von Gott überwunden. Der Weg zu Gott ist wieder frei. Gemeinschaft mit Gott ist wieder möglich. Das Leben kommt wieder in Ordnung.

    In den Lobpreis ist ein Glückwunsch eingefügt. Der Psalm gratuliert denen, die zu Gott kommen und bei ihm im Tempel wohnen dürfen. Die Nähe zu Gott ist ihr Glück. Nicht nur die Priester dürfen zu Gott kommen. Jeder ist willkommen. Jeder darf Vergebung empfangen. Jeder soll ganz eng mit Gott verbunden sein.
     

    2. Teil: Gott ist der Schöpfer der Welt

    Gott hat diese Welt geschaffen. Er hat die Berge durch seine Kraft gegründet. Sie stehen für immer fest. Wie einen Gürtel hat Gott seine Macht angezogen. Er hat gegen das Meer gekämpft, das wild und ungestüm die Erde bedeckt hat. Er hat es besiegt und in seine Grenzen gewiesen. Er hat Land und Meer getrennt.

    Für Israel ist das Meer eine unheimliche und furchteinflößende Chaosmacht. Der Schöpfer ist und bleibt der Herr über diese Macht. Gott steht über dem, wovor wir Menschen uns fürchten. Er ist der Herr. Er beherrscht das Chaos.

    Gott gestaltet die Welt und beherrscht das Chaos. [Hinweis: Wiederholung des vorherigen Absatzendes – beabsichtigt?] Die Menschen erschrecken vor den gewaltigen Taten Gottes. Und doch ist nicht die Angst das beherrschende Moment. Aus der Furcht wird Ehrfurcht. Im Osten wie im Westen setzt sich der Jubel über die Schöpfung Gottes durch. Gott wird als der Herr der Schöpfung geehrt.
     

    3. Teil: Gott überschüttet das Land mit Segen

    Mit dem Land ist wohl Israel gemeint. Israel ist abhängig vom Regen. Wenn Gott Regen schenkt, dann geht die Frucht auf. Dann darf man hoffen, dass es eine gute Ernte gibt. Dann ist man über das Jahr hinweg gut versorgt.

    Immer wieder schenkt Gott Regen. Beständig schafft er die Voraussetzungen dafür, dass genug wächst und kein Hunger droht. Jahr für Jahr erlebt Israel, dass Gott es gut versorgt. Gott kümmert sich um die Seinen.

    Der Regen wird als Segen Gottes verstanden. Gott überschüttet und bereichert das Land. Er tränkt die Felder und Wiesen. Die Quelle des Regens bildet der „Gottesbach“. In der Vorstellung Israels befindet sich der im Himmel. Er ist immer gefüllt. Bei Gott ist immer genügend da.

    Von Gott her kommen Regen und Segen. Er teilt ihn verschwenderisch aus. Die Begriffe, die hier verwendet werden, beschreiben die Fülle, die von Gott kommt: Gott hinterlässt Spuren, die von Fett triefen. Wenn es regnet, wird die Steppe zur saftigen Weide. Herden von Vieh überziehen das Grün wie ein Kleid. Der Weizen bedeckt die Täler. Mensch und Tier, ja, das ganze Land, jauchzt Gott zu, der seinen Segen gibt und es regnen lässt.

    Welch ein Bild der Güte und Freundlichkeit wird Ihnen und mir durch diesen Psalm vor Augen gemalt! Gott ist ein Gott, der Gebet erhört und Schuld vergibt. Mag sein, dass die Schuld auch für mich unerträglich schwer wird. Ich brauche diese Last nicht länger zu tragen. Gott vergibt. Er nimmt mir die Last ab und überwindet die Trennung zwischen mir und ihm. Ich gehöre zu Gott. Ich darf für immer bei ihm sein. Gott nahe zu sein, ist mein Glück.

    Gott ist der Schöpfer der Welt. Er hat sie in seiner Hand. Das Chaos hat er besiegt und im Griff. Er steht über dem, was mir Angst und Sorgen macht. Gott ist größer und stärker als alles, was mich niederdrückt und verunsichert. Ich berge mich bei ihm und begebe mich in seine Arme. Bei ihm bin ich in guten Händen. Von ihm gehalten und geborgen, kann kommen, was mag: Es wird mich nicht zerbrechen.


    Gott versorgt uns

    Wie Gott sein Volk versorgt, so sorgt er auch für Sie und mich. Er lässt nicht Strafe und Gericht auf mich herabprasseln, sondern er segnet mich aus der Fülle seines Reichtums. Seine Quellen versiegen nicht. Er gibt mir, was ich brauche: Nahrung und Kleidung, ein Dach über dem Kopf. Er stellt mir liebe Menschen zur Seite. Er füllt mir die leeren Hände. Er beschenkt mich reichlich. Wenn ich ihn habe, habe ich alles, was ich brauche.

    Gott ist überaus freundlich und gütig. Lassen wir uns von diesem Psalm anstecken. Stimmen wir in den Jubel der Schöpfung ein. Loben wir ihn in seiner Gemeinde. Preisen wir seine Güte. Ehren wir ihn für seine Großzügigkeit.

    Ich bete Gott an, weil er mich so gut versorgt. Und ich beuge mich vor ihm, der mir meine Schuld nicht zurechnet, sondern vergibt. Und ich freue mich, dass er mich bei sich haben will – heute schon und in alle Ewigkeit.

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    Autor: Volker Kungel

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  21. Vertrauen statt Glaubensvorschriften

    11 min

    Der Bibeltext Galater 3,1-14 – ausgelegt von Edgar Penning. Ein herber Schlag – auf dem Rasen und in GalatienDas war ein herber Schlag für die deutsche Fußballmannschaft. Ein vorzeitiges Aus bei der WM 2026 im …

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    Der Bibeltext Galater 3,1-14 – ausgelegt von Edgar Penning.
    Ein herber Schlag – auf dem Rasen und in Galatien

    Das war ein herber Schlag für die deutsche Fußballmannschaft. Ein vorzeitiges Aus bei der WM 2026 im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Die Enttäuschung stand den Fans ins Gesicht geschrieben. Worte wie: „Seid ihr blind über den Rasen gelaufen? Habt ihr verlernt, wie man Fußball spielt?“, mögen evtl. hier und dort gefallen sein. Der heutige Bibeltext aus Galater 3 beschreibt eine ähnliche Anspannung. Hier geht es nicht um ein Fußballspiel. Sondern es geht um das Gemeindeleben der Christen in Galatien, über die Paulus sehr enttäuscht ist. Statt der Treue zu Jesus stellen die Galater Glaubensvorschriften in den Vordergrund. Die Predigt über Jesus verliert mehr und mehr an Bedeutung. Paulus muss Tacheles reden. Das Hauptproblem beim Namen nennen. Wir Norddeutschen würden sagen: „Hier muss Butter bei die Fische.“ Eine gute Bekannte schrieb mir vor einiger Zeit: „Lieber Edgar, Dir wünsche ich gute Gedanken zu Galater 3! Es ist wohl leichter, diese Ermahnung im Radio vorzutragen, als im Gottesdienst mit Besuchern vor der Nase.“ Meine Bekannte ahnte wahrscheinlich, welche Herausforderung dieser Text in sich trägt. Der Brief des Paulus kann durch die Blume auch als Mahnung für uns heute verstanden werden.
     

    Paulus und die Gemeinden in Galatien

    Paulus hatte die Gemeinden in Galatien auf einer seiner Missionsreisen mitgegründet. Wenn Paulus von den Galatern spricht, dann handelt es sich um keine einzelne Stadt. Es geht um Christen in mehreren Gemeinden, vermutlich in der römischen Provinz Galatien in Kleinasien – in der heutigen Türkei. Dorthin wanderten im dritten Jahrhundert vor Christus keltische Stämme ein. Diese stammten von der bretonischen Küste aus Gallien, dem heutigen Frankreich. Paulus begegnete dort Menschen, die noch nie etwas von Jesus gehört haben. Für ihn war es eine große Herzensangelegenheit, diesen Menschen von Jesus Christus zu erzählen.
     

    Vom Geist begonnen – im Gesetz gelandet?

    In der BasisBibel steht über Galater 3,1-5 folgende Überschrift: „Die Galater wenden sich von der Botschaft des Glaubens ab.“ Nur darum geht es Paulus in seinem Brief. Weiter heißt es: „Ach ihr unvernünftigen Galater. Wer hat euch so verhext? Ist euch denn Jesus nicht eindrücklich genug als Gekreuzigter vor Augen gestellt worden? Ich möchte nur eines von euch wissen: Warum habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Weil ihr das Gesetz befolgt, oder weil ihr die Botschaft des Glaubens gehört habt? Begonnen habt ihr aus der Kraft des Heiligen Geistes. Und jetzt wollt ihr aus eigener Kraft zum Ziel kommen?“

    Paulus schreibt später in Galater 4,8: „Damals, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr Göttern, die in Wirklichkeit keine sind.“ (SCH2000) Zitat Ende. Zu ihrem Glauben an Jesus Christus gesellte sich eine gesetzliche Frömmigkeit. Beschneidung, jüdische Satzungen waren die neuen Heilsbedingungen. Paulus kann es nicht verstehen, dass die Freiheit durch Christus durch Glaubensvorschriften ersetzt wird. Paulus hat sein Erlebnis mit dem Heiligen Geist vor Damaskus noch sehr gut in Erinnerung. Jesus selbst ist ihm durch ein Licht vom Himmel begegnet. (Dies ist in der Apostelgeschichte 9,3-6 nachzulesen.) Für Paulus ist Jesus keine Einbildung. Er unterliegt auch keiner Träumerei oder einem Hirngespinst. Nein! Jesus redet mit Paulus, wie Gott einst aus der Wolkensäule zu Mose sprach. Paulus ist so davon ergriffen, dass er als Christenverfolger zu jemandem wird, der jetzt auf Christus hinweist. Sein bisheriger Rufname Saulus (was bedeutet: eifriger, gesetzestreuer Jude) soll nun durch seinen Hauptnamen Paulus abgelöst werden. Dies bedeutet „der Kleine“. Er wird klein, damit Christus in ihm groß wird. Und genau das wünscht sich Paulus auch für die Christen in Galatien. In den Anfängen wirkt der Heilige Geist große Wunder, sodass sich viele Galater taufen lassen. Die Anzahl der christlichen Gemeinden wächst stetig.
     

    Allein der Glaube – der Sound der Hoffnung

    Es ist schon erstaunlich, dass wiedergeborene Christen in jeder Zeitepoche dazu neigen, ihre Befreiung durch Jesus in feste Ordnungen und Gesetzesvorgaben zu pressen. Wie oft sind mir schon in meinem frühen Leben Sätze begegnet wie: Du darfst als Christ nicht tanzen. Du darfst als Christ am Sonntag kein Fahrrad fahren. Der Gottesdienst darf nicht länger als eine Stunde dauern. Und beim Gebet solltest du aufstehen. Vielleicht kennen auch Sie ähnliche selbstgemachte Vorschriften. Auch mit der Kleiderordnung im Gottesdienst habe ich so manche spannende Begegnung. Ordnung in christlicher Gemeinschaft mag an vielen Stellen sinnvoll sein. Aber sie darf nicht zum allgemeinen Allheilmittel werden.

    Ich frage mich oft, warum ist die Einladung Gottes in den Himmel sehr oft mit Bedingungen verknüpft? Wo sie doch nur durch Menschen gemacht sind. Heute weiß ich, dass allein der Glaube an Jesus Christus und seine Botschaft mich vor Gott rein spricht. Von Abraham heißt es: „Er glaubte Gott und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an.“ (1. Mose 15,6)

    Aber auch ich bin in Gefahr, in Gesetzlichkeiten abzurutschen. Mit 14 Jahren war ich wohl der stolzeste Christ im ganzen Land. Ich dankte Gott, dass ich im gesamten Kindesalter jeden Abend mein Abendgebet sprach: „Lieber Heiland, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Ich habe später verstanden, dass dieses Gebet nicht unweigerlich eine Eintrittskarte für den Himmel ist. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass die Kraft des Glaubens nicht aus mir selber entspringt. Sondern immer aus dem Geist Gottes heraus. In Zeiten, wo ich Jesus nicht im Blick habe, wird mein Vertrauen zu Gott schwächer. Mein Gottesvertrauen wird allerdings dann gestärkt, wenn ich meinen Alltag bewusst mit Jesus gestalte.

    Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Frage stellen: Verspüren Sie heute noch die anfängliche Liebe Jesu in Ihrem Herzen? Martin Pepper beschreibt diesen Zustand in einem seiner Lieder, „Sound der Hoffnung“, wie folgt: „Ein himmlischer Raum tut sich uns weit, weit auf. Und das Schwache wird stark, es geht durch bis ins Mark, das Gnädige wirkt uns zur Rettung … Heiliger Geist. Sound der Hoffnung.“ [

    Bitte erhalten auch Sie die Lebendigkeit des Heiligen Geistes in Ihrem Herzen. Davon profitiert auch Ihre örtliche Gemeinde. Seien Sie gewiss, dass Sie im Glauben mit Jesus einmal rein vor Gott stehen werden. Seien Sie sich sicher, dass Jesus bereits am Kreuz alle Ihre und meine Schuld auf sich genommen hat. Lösen Sie sich von den Gedanken, immer vor Gott perfekt dazustehen. Allein der Glaube ist Ihre und meine einzige Heilsbedingung. Das ist der Sound der Hoffnung und die Gewissheit, die Gott von Anbeginn seiner Schöpfung jedem von uns zuspielt!

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    Autor: Edgar Penning

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  22. Der Konflikt zwischen Petrus und Paulus

    12 min

    Der Bibeltext Galater 2,11-21 – ausgelegt von Jens Kreisel. Vorgeschichte: Gemeinden und Mission in GalatienSie haben eben einen spannenden und sehr ehrlichen Text gehört. Er stammt aus einem Brief von Paulus …

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    Der Bibeltext Galater 2,11-21 – ausgelegt von Jens Kreisel.
    Vorgeschichte: Gemeinden und Mission in Galatien

    Sie haben eben einen spannenden und sehr ehrlichen Text gehört. Er stammt aus einem Brief von Paulus an die jungen christlichen Gemeinden in der Provinz Galatien. Diese Gemeinden sind durch die erste Missionsreise von Barnabas und Paulus entstanden.

    In den Versen zuvor in Kapitel 2 schreibt Paulus von einer Reise nach Jerusalem. Dort wurde eine Aufgabenteilung zwischen Petrus und Paulus besprochen. Es ging um die Frage, wie das Evangelium Juden und Heiden erreichen soll (Galater 2,8). Nun kam Petrus persönlich zu Besuch nach Antiochia in Pisidien. Das damalige Verwaltungszentrum der Provinz Galatia heißt heute Antakya und liegt im Süden der Türkei.

    Die Gemeinde in Antiochia war eine missionarisch gesinnte und kulturell bunte Gemeinde. Zum ersten Mal wurden hier aus Antiochia Missionare ausgesandt. Das waren Barnabas und Paulus (Apostelgeschichte 13).

    Was war aber nun der Anlass für den Konflikt zwischen Petrus und Paulus, hier in unserem Textabschnitt?

    Dazu ein Rückblick in die Apostelgeschichte. Zuerst in Kapitel 10:

    Dort wird berichtet, wie die ersten Nichtjuden um Kornelius in Cäsarea Christen wurden. Diese allerersten Heidenchristen wurden getauft und damit ganz offiziell in die Gemeinde von JesusChristus aufgenommen (Apostelgeschichte 10,47). Im Vorfeld war Petrus dieser Besuch bei Kornelius sehr schwergefallen. Es brauchte eine besondere Vision, um diese alte Grenze zwischen Juden und Nichtjuden zu überwinden.

    Bei seiner Rückkehr nach Jerusalem (Apostelgeschichte 11) direkt danach bekommt Petrus heftigen Gegenwind. Es gibt heftigen Streit in der Jerusalemer Gemeinde. Doch Petrus berichtet ihnen von den Bekehrungen im Haus des Kornelius.

    Da loben alle gemeinsam Gott. Der Konflikt scheint fürs Erste beendet. In Apostelgeschichte 11,18 heißt es: Sie priesen Gott und sagten: »Jetzt hat Gott also auch den Nichtjuden die Umkehr zu ihm ermöglicht und hat ihnen damit den Weg zum Leben eröffnet.« [NGÜ]
     

    Der Konflikt in Antiochia

    Soweit diese Vorgeschichte. Inzwischen sind wohl zehn Jahre vergangen. Aber die Zeit allein löst keine Konfliktursachen …

    Paulus berichtet hier von einem Gemeindebesuch von Kephas in Antiochia. Petrus wird hier auf Griechisch Kephas genannt. Und anfangs ist alles entspannt. Petrus isst gemeinsam mit den nichtjüdischen Christen. Er praktiziert auch das gemeinsame Abendmahl, so wie es dort normal und üblich war.

    Doch dann kommen noch einige andere jüdische Besucher aus Jerusalem. Sie berufen sich auf Jakobus, den aktuellen Gemeindeleiter. Und sie gehören zu einer Gruppe jüdischer Christen, die weiterhin die jüdischen Speisegebote streng einhalten und nach den Regeln des mosaischen Gesetzes leben.

    Ihre Forderung ist einfach, aber falsch: Christen müssen entweder auch die jüdischen Gesetze vollständig einhalten. Andernfalls müssten die Juden sich weiterhin von diesen unreinen Heiden absondern, um sich selbst nicht zu verunreinigen.

    Doch Petrus hatte ja in der Vergangenheit bereits klar erkannt, dass auch Nichtjuden vollwertige Christen sind.

    Sie sind nicht zur Einhaltung des jüdischen Gesetzes verpflichtet. Reinheit vor Gott kommt nicht durch das Essen.

    Dennoch handelt Kephas hier gegen seine Überzeugung, aus Furcht vor Eskalation. Um des lieben Friedens willen beugt er sich den gesetzlichen Forderungen der „Judaisten“ aus Jerusalem. Paulus benennt dieses Verhalten „Heuchelei“.

    Und das Vorbild von Petrus zieht weitere Kreise. Immer mehr jüdische Christen verlassen daraufhin ebenso die Tischgemeinschaft mit den nichtjüdischen Geschwistern. Ja, selbst Barnabas wird zu dieser Heuchelei verführt. So erfahren wir in Vers 13.

    Das kann Paulus nicht länger mit anschauen.
     

    Rechtfertigung allein durch den Glauben

    Er „stellt Kephas persönlich zur Rede, denn der war im Unrecht“ [BB]. Und fährt fort: „Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?“

    Nun könnten Sie fragen: Warum wird dieser Konflikt öffentlich vor versammelter Menge ausgetragen? Wohl, weil es sich hier um eine bedeutsame Grundfrage handelt. Diese betrifft alle in der Gemeinde. Judenchristen und Heidenchristen.

    Vers 16 bringt diese Grundfrage des Glaubens sehr gut auf den Punkt:

    „Wir wissen: Kein Mensch gilt vor Gott als gerecht, weil er das Gesetz befolgt. Als gerecht gilt man nur, wenn man an Jesus Christus glaubt. … Denn durch diesen Glauben an Christus werden wir vor Gott als gerecht gelten – und nicht, weil wir tun, was das Gesetz vorschreibt.“ [BB]

    Mit anderen Worten: Allein der Glaube macht gerecht vor Gott. D. h. Christsein vertraut auf die Vergebung und Sühne, die Jesus Christus durch Kreuz und Auferstehung bewirkt hat.

    Paulus betont dies zugespitzt in dem Satz „Ich bin mit Christus gekreuzigt“ (Vers 19). Und das mündet in das persönliche Bekenntnis: Christus lebt in mir!

    Paulus betont, wie auch später der Reformator Martin Luther: Allein der Glaube rettet. Allein durch den Glauben an Christus werden wir gerecht gesprochen vor Gott (Vers 16).

    Keine Einhaltung von Regeln, Gesetzen oder Traditionen kann das bewirken.

    Und deshalb steigert Paulus im weiteren Verlauf des Briefes diese Aussagen noch:

    Wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben (2,21).

    Ihr verliert die Gnade, ihr verliert Christus, wenn ihr durch die Einhaltung des Gesetzes gerecht vor Gott werden wollt (5,4).

    Dieses Thema ist ganz grundsätzlich für den Glauben an Jesus Christus. Deshalb verhandelt Paulus die Sache öffentlich mit Kephas, vor den Augen und Ohren der Gemeinde. Und es sollen auch die übrigen Gemeinden in der Provinz Galatien erfahren. Deshalb schreibt Paulus davon in diesem Brief.
     

    Eine sachliche Streitkultur für die Wahrheit

    Grundfragen brauchen Klarheit. Keine Verharmlosung: „Du siehst es so, ich sehe es so. Hauptsache wir haben uns lieb.“ Manchmal ist es nötig, um inhaltliche Dinge zu ringen, vielleicht auch Traditionen aus der Vergangenheit zu korrigieren. Alleiniger Maßstab soll und darf dabei nur das Wort Gottes sein.

    Bemerkenswert finde ich die Streitkultur von Paulus. Keine Suche nach Verbündeten hinter dem Rücken. Sondern direkte und sachliche Klärung – „von Angesicht zu Angesicht“.

    Und es gibt keine persönlichen Attacken, keine alten Geschichten – „du hast ja damals schon Jesus verleugnet …“

    Nichts davon.

    Denn Paulus kämpft hier nicht gegen Petrus, sondern für die Wahrheit. Er will nicht Macht ausüben. Sondern er will Petrus überzeugen. Und zwar vom Wort Gottes. Er argumentiert von Jesus Christus her. Paulus sagt nicht: Nach meiner Meinung ist das so. BASTA!

    Sondern er versucht, Petrus und die anderen von ihrem Irrweg zurückzubringen. Dadurch will Paulus die drohende Spaltung der Gemeinde verhindern. Diese sachorientierte Streitkultur von Paulus half Petrus umzudenken. Und dieses Verhalten kann für uns heute Vorbild sein.

    Fußnote für das Skript:
    [*Der britische Theologe und Bibellehrer John Stott plädiert für eine frühe Abfassung des Briefes, noch vor dem „sogenannten“ Apostelkonzil in Apostelgeschichte 15. Denn Paulus erwähnt das Apostelkonzil und die dort getroffene Übereinkunft über den Umgang mit nichtjüdischen Christen im ganzen Brief nicht.]

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    Autor: Jens Kreisel

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  23. Zugehörig

    10 min

    Der Bibeltext Galater 2,1-10 – ausgelegt von Frank Fenske. Mitglied sein – und doch nicht dazugehören?Wie gehöre ich dazu? Diese Frage taucht in meinem Leben immer wieder auf. Vordergründig kann ich diese Frage …

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    Der Bibeltext Galater 2,1-10 – ausgelegt von Frank Fenske.
    Mitglied sein – und doch nicht dazugehören?

    Wie gehöre ich dazu? Diese Frage taucht in meinem Leben immer wieder auf. Vordergründig kann ich diese Frage oft schnell beantworten: Ich muss nur eine Vereinsmitgliedschaft unterschreiben. Gehöre ich dann mit dem offiziellen Eintritt in den Verein wirklich dazu? Bin ich angenommen und willkommen? Aus so manchem Verein bin ich nach kurzer Zeit wieder ausgetreten. Denn ich stellte fest: Die offizielle Mitgliedschaft ist das eine. Die andere Seite sind die Erwartungen der Menschen an mich. Nicht immer kann ich diese Erwartungen erfüllen. Folglich werde ich nicht angenommen. Im Galaterbrief behandelt Paulus genau diese Frage. Allerdings geht es Paulus nicht um eine bloße menschliche Vereinsmitgliedschaft. Vielmehr geht es ihm um die Frage: Wie gehöre ich bei Gott dazu? Wie bin ich bei Gott angenommen?
     

    Ein Evangelium für Juden und Heiden

    Nach immerhin vierzehn Jahren kommt Paulus erneut nach Jerusalem. Er bespricht sich mit den dortigen Aposteln. Er erzählt ihnen das Evangelium, welches er unter den Heiden predigt. Er tauscht sich mit ihnen aus. Er möchte wissen: Was haltet ihr von meiner Botschaft? Paulus weiß: Die Apostel in Jerusalem verkündigen das Evangelium unter den Juden. Ist seine Botschaft mit deren Botschaft kompatibel? Oder gibt es Unterschiede? Diese Frage möchte Paulus klären. Es ist ihm ein Anliegen, dass die Einheit der Apostel bestehen bleibt. Die Zielgruppen mögen unterschiedlich sein. Das Evangelium soll dasselbe sein: „Heiden und Juden sind bei Gott angenommen, wenn sie an Jesus glauben. Die Zugehörigkeit zu Gott ist dabei unabhängig von der Einhaltung der jüdischen Gesetze.“ Schnell wird im Gespräch deutlich: Die Botschaft beider Seiten stimmt überein. Titus, ein Grieche und Heidenchrist, den Paulus mitgenommen hat, ist der Testfall. Obwohl er nicht beschnitten ist, zwingt ihn keiner der Jerusalemer Apostel zur Beschneidung. Beide Seiten sind sich einig: Allein der Glaube an Jesus Christus ist der Schlüssel, um bei Gott dazuzugehören. Wir müssen nichts weiter tun. Daher ist es nur logisch, dass Titus sich nicht beschneiden lassen muss. Denn sein Glaube an Jesus reicht aus.
     

    Wenn Gebote wichtiger werden als Gnade

    Obwohl Paulus sich in dieser zentralen Frage mit den Aposteln in Jerusalem einig ist, stellt er fest: Es haben sich einige falsche Brüder in die Gemeinde gedrängt. Sie sind gar nicht gefragt worden. Sie spielen sich einfach als Apostel auf. Sie wollen die Gemeinde zum Einhalten der Gesetze zwingen. Besonders wichtig ist ihnen das Gebot der Beschneidung. Sie sagen: „Ohne die Einhaltung der jüdischen Gesetze könnt ihr nicht selig werden.“

    Mit dieser Aussage wird aber die Botschaft des Evangeliums angegriffen. Nicht das Einhalten irgendwelcher Gebote lässt uns zu Gott gehören. Allein der Glaube an Jesus und die Gnade Gottes ist es. In dieser Frage gibt es keinen Spielraum für Kompromisse. Daher stellt sich Paulus gemeinsam mit den Jerusalemer Aposteln entschlossen und vor allem einheitlich gegen diese Brüder. Er schreibt: „Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bleibe.“

    Ich frage mich: Gibt es auch heute noch solche Brüder und Schwestern? Gibt es auch heute noch Christen, die das Einhalten der Gesetze und Gebote höher erachten als die Gnade?

    Vor einigen Jahren erlebte ich in meinem Leben einen schweren Bruch und einen tiefen Einschnitt. Ich gestand vor Gott ein: Ich bin gescheitert. In dieser Situation kamen ein paar Brüder und Schwestern auf mich zu. Sie redeten auf mich ein. Sie vermittelten mir den Eindruck: Durch dein Scheitern hast du nun die Gnade Jesu verspielt. In einer anderen Situation erlebte ich, wie einem Mitbruder gar gedroht wurde: „Gott wird dir nun seinen Segen entziehen.“ Solchen Brüdern und Schwestern tritt Paulus entschieden entgegen. Gott entzieht niemandem aufgrund seines Scheiterns seinen Segen. Unsere Identität vor Gott gründet sich auf Jesus und eben nicht auf eine makellose Lebensgeschichte. Wir gehören zu Gott, weil wir an Jesus als unseren Erretter glauben, und eben nicht, weil wir alle Gebote fein säuberlich eingehalten haben. Der heutige Bibeltext fordert mich heraus: Vertraue ich wirklich darauf, dass Gottes Gnade und der Glaube an Jesus allein genügt? Oder meine ich: Ich muss mir Gottes Liebe doch durch das Einhalten der Gebote verdienen? Ich begriff damals während meiner Auszeit im Kloster und auch durch den Zuspruch von anderen Brüdern und Schwestern die Botschaft des Evangeliums ganz neu. Mir wurde durch Jesus zugesprochen: Du darfst unvollkommen sein. Meine Gnade weicht nicht von Dir. Du gehörst weiterhin zu mir, auch wenn Du nicht alle Gebote gehalten hast. Dein Glaube an mich reicht aus. Es gibt keine Ausnahme. Das ist das Evangelium.
     

    Allein deine Gnade genügt

    Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass die Gebote Gottes unwichtig sind. Paulus selbst fordert mich an anderen Stellen zu einem heiligen Leben auf. Er spricht auch an zahlreichen Stellen die Sünde klar und deutlich an. Es bleibt aber dabei: Ich gehöre zu Gott, wenn ich an Jesus als meinen Erretter glaube. Jeder, der diese Botschaft infrage stellt und meint zu wissen, dass es gewisse Sünden gibt, die von der Gnade Gottes ausgenommen sind, der verfälscht das Evangelium.

    Haben Sie diese Botschaft des Evangeliums bereits innerlich begriffen? Sind Sie sich dieser Gnade allein aus Glauben im tiefsten Herzen bewusst? Oder denken Sie, dass Sie sich die Liebe Gottes durch das Einhalten der Gebote verdienen müssen? Dann ermutige ich Sie: Kommen Sie ganz neu zu Jesus. Nehmen Sie seine Gnade und Liebe ganz neu an. Er möchte auch Sie heilen von Ihrem Leistungsdruck. Er möchte Sie in die Freiheit führen. Er möchte Ihnen ganz neu seinen Frieden schenken, auch und gerade dann, wenn Sie schwach sind und versagt haben. So können Sie dankbar zusammen in das Lied von Martin Pepper und Ken Janz einstimmen: „Allein deine Gnade genügt, die in meiner Schwachheit Stärke mir gibt, ich geb’ dir mein Leben und was mich bewegt. Allein deine Gnade genügt.“

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    Autor: Frank Fenske

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  24. Bekehrung und Berufung des Paulus

    12 min

    Der Bibeltext Galater 1,10-24 – ausgelegt von Friedhelm Appel. Galatien und die bedrohte BotschaftWir schreiben etwa das Jahr 50 n. Chr. und Paulus schreibt einen Brief an Christen in der Region …

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    Der Bibeltext Galater 1,10-24 – ausgelegt von Friedhelm Appel.
    Galatien und die bedrohte Botschaft

    Wir schreiben etwa das Jahr 50 n. Chr. und Paulus schreibt einen Brief an Christen in der Region Galatien.

    Galatien ist sowohl eine römische Provinz als auch ein regionaler Landstrich. Die Region liegt mitten in der heutigen Türkei, zwischen Ankara im Norden und dem Mittelmeer im Süden.

    Die Menschen, die dort wohnen und die Region prägen, sind tatsächlich Nachkommen mitteleuropäischer Kelten und Gallier, daher der Name Galatien. 300 Jahre vorher ziehen viele Mitteleuropäer in diese Region, teilweise als Soldaten-Söldner, und besiedeln anschließend die Region.

    Mitteleuropäische Religions-Kulte werden dort praktiziert und die Dialekte der mitteleuropäischen Sprachen werden noch lange erkennbar. Außerdem gibt es Minderheiten von jüdischen Gemeinden.

    Dort befinden sich Städte, die Paulus auf einer ersten internationalen Reise aufsucht. Durch seine Verkündigung entstehen dort erste christliche Gemeinden.

    Nun, vielleicht fünf Jahre nach der Neugründung, sind die Gemeinden bedroht. Das Evangelium wird verwässert und undeutlich. Die fremden Religions-Kulte und auch die jüdisch-pharisäischen Lehren breiten sich in den Gemeinden aus.

    Für Paulus ist die Bedrohung nichts Neues. Erst kürzlich hat er in Jerusalem mit den anderen Aposteln über diese Themen diskutiert, sie besprochen und eine Orientierung veröffentlicht.
     

    Paulus' Auftrag und Autorität

    Jetzt ist er dran, durch einen Brief den Gemeinden das Evangelium als Grundlage deutlich zu machen. Er unterstreicht, dass ausschließlich und einzig und allein dieses eine Evangelium die Grundlage von Kirche und Gemeinde sein kann.

    Nach der Einleitung kommt Paulus im Brief auf seine Kompetenz zu sprechen. Das ist nun unser Abschnitt. Was autorisiert ihn, dass er sagen kann und darf, was die einzige Grundlage von Kirchen und Gemeinde ist? Was legitimiert ihn, als Verkündiger, als Apostel und als Grundsteinleger mit Richtlinienkompetenz aufzutreten?

    Paulus sagt: Ich verkündige das Evangelium als Diener Christi.

    Zum ersten: Es geht nicht darum, Menschen zu gefallen. Paulus macht diesen Dienst nicht, um Geld zu verdienen und sein Girokonto zu füllen. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit eigenem Handwerk und erhält auch freiwillige Spenden. Er lehrt nicht, um Anerkennung zu bekommen und in der sozialen Hierarchie nach oben zu klettern, so dass er politisch oder kulturell einflussreich ist. Es geht auch nicht darum, Menschenmassen zu manipulieren und sie psychisch abhängig zu machen, sodass er als der große Guru im Mittelpunkt steht.

    Seine Dienstverpflichtung gilt einzig und allein gegenüber Jesus Christus. Von ihm erwartet Paulus Auftrag, Lohn und Anerkennung. Von ihm, dem Lebensspender und Erretter, erwartet Paulus alles; alles, was er braucht.
     

    Herkunft und Kraft der Botschaft

    Eine zweite Legitimation belegt Paulus mit dem Hinweis auf den Ursprung der Botschaft. Das Evangelium kommt nicht von Menschen und ihren Ideen. Menschen können sich so etwas nicht ausdenken. Diese gute Nachricht ist Gottes Plan. Und sie wird übermittelt aus der direkten Begegnung mit Jesus – und nicht durch Lehrmeinungen irgendwelcher schlauer Leute. Die Apostel erleben den Auferstandenen, Jesus. Er schult sie wochenlang höchstpersönlich und direkt. Er legt ihnen die Schrift aus. Ähnlich ist es auch bei Paulus als dem letzten Ur-Apostel: Vor und in Damaskus erhellt Jesus ihm aus erster Hand die Zusammenhänge, die er früher studiert hat. Paulus fällt es wie Schuppen von den Augen: Das Alte Testament enthält die Botschaft, wie Gott durch Jesus in diese Welt eingreift.

    Die dritte Legitimation ist die Deutlichkeit der Kraft. Nicht allein, dass Menschen geheilt oder befreit werden. Bei Paulus sind die Auswirkungen der Kraft dieser Botschaft deutlich zu sehen, und zwar von jedem seiner Zeitgenossen: Paulus war ein machtpolitisch Legitimierter, mit hohen religiösen Zertifikaten ausgestatteter, hasserfüllter und machtgieriger Religionsverfechter. Und jetzt ist er ein Menschenfreund und lebt aufopfernde, selbstlose Liebe. Solch eine Veränderung kann nur einer bewirken, der etwas Neues erschaffen, Leben spenden und den Geist Gottes vermitteln kann: Der Sohn Gottes selbst.
     

    Berufung und heutige Anwendung

    Ein weiterer Punkt: Paulus sieht sich berufen von Mutterleib an. Schon vor der Geburt sieht Gott seine Würde, seine Schönheit, seine Ebenbildlichkeit und seinen Auftrag. Schon im Verborgenen, im Mutterleib hat der Vater mit ihm eine Beziehung aufgebaut. Wie das auch bei den Propheten der Fall ist. So etwas kann er nicht objektiv beweisen. Aber es ist real. Seelenverwandtschaft mit Gott. Kommunikation der Geborgenheit. So etwas ist die intimste Beziehung zweier Personen. Das strahlt nach außen. Und hier bei Paulus bedeutet das, dass er sich seines Weges so klar ist, dass er nicht von Menschen und den anderen Aposteln abhängig wird.

    Nach seiner Berufung in Damaskus geht er nicht zu den Christen in Jerusalem, um dort vor ihnen Prüfungen abzulegen, um Zeugnisse zu erhalten oder Legitimations-Zertifikate und Stempel entgegenzunehmen. Er geht südöstlich ins arabische Ausland, um das Evangelium zu verkündigen. Vielleicht geht er in diesen ersten Jahren auch bis zum Berg Horeb, dem Berg Mose, im Westen der arabischen Halbinsel. Dort gibt es bis heute viele Informationen über Gottes Handeln mit seinem Volk.

    Danach geht er über Damaskus zurück in seine Heimat: Tarsus, die Regionalstadt von Kilikien. In der Region baut er erste Gemeinden auf. Und am Markt in Tarsus ist auch heute ein Schild angebracht: „Hier lebte und studierte der große Philosoph Paulus“.

    Nicht weit von Tarsus entfernt liegt die Mittelmeerinsel Zypern. Dort lebt ein Levit namens Josef. Als Jerusalemer Tempeldiener wird er Christ. Seine Freunde nennen ihn: Barnabas: Sohn des Trostes. Er wird auf Paulus aufmerksam. Und Barnabas nimmt Paulus mit zu einem ersten kurzen Besuch bei Petrus in Jerusalem.

    Danach beruft Barnabas den Paulus nach Antiochien, um der Gemeinde dort zu helfen. Und gemeinsam unternehmen sie von dort ausgehend eine erste gemeinsame internationale Team-Reise.

    So belegt Paulus in unserem Briefabschnitt seine Legitimation als Apostel und seine Richtlinienkompetenz für die Kirche.

    Auch wir sind heute berufen, das Evangelium weiterzusagen. Wir brauchen kein anderes Evangelium zu erfinden. Das Evangelium ist uns überliefert ist durch den Heiligen Geist und die Bibel in Übereinstimmung mit den anderen Aposteln. Aber auch wir brauchen heute eine Berufung und Legitimation. Bei Paulus erkenne ich eine dreifache Berufung: Eine fachliche, eine innere durch den Heiligen Geist und eine durch Menschen mitgeteilte. Auf was berufen Sie sich heute, das Ihnen Grundlage und Vollmacht gibt, das Wort Gottes zum Bau seiner Gemeinde weiterzugeben? Sind es Zertifikate von Menschen oder ist es eine Begegnung mit Jesus und eine daraus erwachsene, lebendige und intime Beziehung mit ihm?!

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    Autor: Friedhelm Appel

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  25. Kein anderes Evangelium!

    10 min

    Der Bibeltext Galater 1,6-9 – ausgelegt von Marina Helmerich. Ein anderes Evangelium?Ich glaube an JesusChristus. Aber reicht das aus? Muss ich mich beweisen und ein gutes christliches Leben führen, damit ich …

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    Der Bibeltext Galater 1,6-9 – ausgelegt von Marina Helmerich.
    Ein anderes Evangelium?

    Ich glaube an JesusChristus. Aber reicht das aus? Muss ich mich beweisen und ein gutes christliches Leben führen, damit ich wirklich errettet bin? Im heutigen Bibeltext wird diese Frage deutlich.

    Paulus ist erschüttert. Seine Briefe an Gemeinden beginnt er sonst immer mit Dank gegenüber Gottes Wirken und Lob für die Gemeinde, die er anschreibt. Diesmal nicht. Er kommt ohne weitere Umschweife direkt zur Sache. Er kann es nicht fassen, wie schnell die Gemeindemitglieder in Galatien sich von Jesus Christus abwenden, der sie durch seine Gnadeberufen hat. Und nicht nur das, sie wenden sich einem anderen Evangelium zu. Die Reaktion von Paulus zeigt mir, dass er nicht toleriert, wenn jemand das Evangelium verdreht oder verändert.
     

    Gottes Geschenk – ganz ohne Gegenleistung

    Evangelium – das griechische Wort bedeutet einfach „gute Nachricht“ oder „Frohe Botschaft“. Wenn das Wort im christlichen Glauben verwendet wird, beschreibt es, dass Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch für unsere Sünden am Kreuz gestorben und nach drei Tagen auferstanden ist.

    Dadurch hat Jesus den Menschen wieder Zugang zu Gott und das ewige Leben ermöglicht. Seine stellvertretende Tat reicht für jeden Menschen aus, um gerettet zu werden. Es ist sein Geschenk an die Menschen. Ich darf dieses Geschenk einfach annehmen. Damit beginnt christlicher Glaube und damit ist meine Errettung vollendet. Ich kann diesem Geschenk nichts hinzufügen. Meine guten Taten, meine Disziplin, mein frommes Auftreten – nichts davon kann mich retten oder meine Erlösung aufwerten. Sie bleibt Gottes Geschenk, kein Lohn, den ich verdienen kann.

    Ich persönlich schenke gerne – auch ohne besonderen Anlass. Zum Beispiel lade ich bei einem gemeinsamen Essen gerne die andere Person ein. Dieses Geschenk ist kein Tausch. Wer schenkt, erwartet nichts zurück. Genauso ist es bei Gott: Er bietet den Menschen ein Geschenk an, ganz ohne Gegenleistung. Ich darf es annehmen, ohne beweisen zu müssen, dass ich es verdient habe.
     

    Gnade statt Eigenleistung

    Unter den Christen in Galatien herrscht offensichtlich die Meinung, dass der Mensch seine Errettung mitverdient. Paulus schreibt von Menschen, die verwirren und das Evangelium verdrehen. Im weiteren Verlauf des Briefes wird deutlich, dass manche Lehrer jüdische Vorschriften wie Beschneidung und Speisegebote zur Bedingung machen, um zu Gottes Volk zu gehören. Paulus sieht darin keine fromme Ergänzung, sondern eine Verdrehung des Evangeliums: Dem, was Jesus für mich getan hat, wird eine Eigenleistung hinzugefügt. Meine Rettung wird demnach davon abhängig, ob ich mich richtig verhalte.

    Paulus geht entschieden dagegen vor. Er sagt sinngemäß: Ihr wendet euch woanders hin, obwohl es gar kein „anders“ gibt. Das, was da gelehrt wird, ist in Paulus’ Augen kein legitimes alternatives Evangelium, sondern überhaupt kein Evangelium.

    Dieses Evangelium, das gar keins ist, bringt Unruhe statt Frieden. Es führt Menschen auf Abwege und lässt sie fragen: Reicht das, was ich tue? Was muss ich noch anders machen, um wirklich gerettet zu sein?

    Als ich neun Jahre alt war, habe ich das Geschenk, das Jesus mir gemacht hat, angenommen. Jesus hat mich aus der Gottesferne errettet. Er hat mir vergeben und ich bin ein Kind Gottes geworden.

    Seitdem sind viele Jahre vergangen. Es gab Zeiten, in denen ich Gott treu war, und Zeiten, in denen ich schuldig geworden bin. Aber weder das Gute noch das Schlechte kann etwas daran ändern: Jesus hat mich erlöst und gerettet. Ich komme auch mit meinen Sünden immer zu ihm. Jesus vergibt mir, wenn ich ihn ernsthaft darum bitte und Buße tue. Das ist Gnade.

    Aber kann ich daraus nun die Schlussfolgerung ziehen, dass ich mich nicht zu ändern brauche? Nein. Auch das wäre eine Verfälschung dessen, was Jesus gesagt hat. Gnade bedeutet nicht, dass Sünde einfach gebilligt wird. Gnade bedeutet, dass ich errettet bin. Auch wenn ich in meinem Leben immer wieder Fehler mache. Und von Jesus kann ich mich durch seine Gnade liebevoll verändern lassen. Dadurch wird es mir und meinen Mitmenschen besser gehen.

    Jesus sagt: Tut Gutes. Liebt einander. Ändert euer Leben und seid gehorsam gegenüber Gottes Geboten. Weil er es gut mit mir meint. Die Lebensveränderung bleibt immer die Folge meiner Rettung, nicht der Preis. Meine Anstrengung darf nicht zur Bedingung meiner Rettung werden.

    Stellen Sie sich mal vor: Einer Person ist etwas im Glauben sehr wichtig geworden – zum Beispiel das tägliche Bibellesen und die Gemeinschaft mit Gott. Es tut ihr gut, und sie merkt, wie sich ihr Alltag dadurch verändert. Das ist wunderbar! Doch sie soll darauf achten, diese gute Sache als Folge ihrer Errettung zu sehen. Aus Liebe zu Jesus freut sie sich daran, ihn immer besser kennenzulernen.

    Ein Trugschluss ist, die Erlösung an dieser Tat festzumachen. Überheblich zu werden und sich selbst oder andere zu verurteilen, wenn eine gute geistliche Disziplin mal wegfällt – so geht Jesus nicht mit Menschen um.
     

    Prüfen, worauf ich mich verlasse

    Aber verstehen Sie mich nicht falsch.

    Misstrauen Sie nicht gleich jedem, der Ihnen einen guten Tipp fürs Gebet gibt oder davon erzählt, wie er mit Menschen über Gott spricht. Schauen Sie einfach genau hin: Wird hier eine menschliche Sache zur Bedingung dafür gemacht, dass Sie erlöst sind? Oder sehen Sie eine Bereicherung für Ihr bereits erlöstes Leben, um Gott noch besser kennenzulernen und im Glauben zu wachsen?

    Entscheidend ist nicht, wer etwas sagt oder wie überzeugend eine Botschaft rübergebracht wird. Entscheidend ist, ob die Botschaft mit dem Evangelium übereinstimmt, das die Bibel bezeugt.

    Wer sich von diesem Evangelium abwendet, wendet sich von Christus selbst ab.

    Paulus betont zweimal, dass das Evangelium nicht verändert werden darf, weder durch ihn selbst noch durch irgendjemanden, nicht einmal durch einen Engel. Wer das Evangelium an Bedingungen knüpft, verkündet kein echtes Evangelium und soll laut seinen Worten verflucht werden. Paulus warnt deshalb so eindringlich, weil er sich um die Menschen sorgt, die dadurch auf Abwege geraten. Er möchte sie davor bewahren, sich von Jesus abzuwenden und einem Irrglauben zu folgen, der nicht retten kann. Denn nicht menschliche Leistung rettet, sondern allein das Geschenk Jesu Christi.

    Ich höre diese Worte mit zwei Ohren. Zum einen bin ich selbst dazu aufgerufen, zu prüfen, was ich höre. Auch wenn es eine angesehene Person ist, übernehme ich deren Worte nicht, ohne sie mit dem Wort Gottes abzugleichen.

    Zum anderen darf ich selbst weitergeben, was Gott mir und meinen Mitmenschen zuspricht – liebevoll, klar, ohne eigene Bedingungen hinzuzufügen. Dabei bleibe ich demütig, denn ich weiß, auch ich kann mich irren.

    Vielleicht nehmen Sie heute diese Frage mit: Worauf verlasse ich mich? Auf Jesus Christus oder zusätzlich auf mein Beten, In-der-Bibel-Lesen und Gutes-Tun? Diese Dinge sind wertvoll und die Folge davon, wenn Jesus Ihnen bereits die Errettung geschenkt hat. Das Evangelium darf nicht verschärft oder abgeschwächt werden.


    Was steht im Galaterbrief?

    Buchvideo: Galater

     

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    Autor: Marina Helmerich

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  26. Gnade und Frieden für alle

    10 min

    Der Bibeltext Galater 1,1-5 – ausgelegt von Jan-Pierre van Rooyen. Vom Deich in Nordfriesland bis nach SumatraVor einigen Jahren machte ich einen Spaziergang bei Nordstrand in Schleswig-Holstein. Am Deich fiel …

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    Der Bibeltext Galater 1,1-5 – ausgelegt von Jan-Pierre van Rooyen.
    Vom Deich in Nordfriesland bis nach Sumatra

    Vor einigen Jahren machte ich einen Spaziergang bei Nordstrand in Schleswig-Holstein. Am Deich fiel mir ein Gedenkstein auf. Darauf las ich: „Hier stand einst das Geburtshaus von Ingwer Ludwig Nommensenv, Missionar der Batak auf Sumatra, geboren am 6.2.1834, gestorben am 23.5.1918.“

    An den Gedenkstein auf dem Deich musste ich denken, als ich vor Kurzem mit Bruder William unterwegs war. Bruder William ist Mitarbeiter der Karmelmission in Indonesien. Er bringt das Evangelium den dort lebenden Muslimen.

    Bruder William, der selbst zum Volk der Batak gehört, erzählte mir stolz von seiner persönlichen Familienverbindung zu Missionar Nommensen. Sein Ur-Ur-Großvater hatte durch diesen zum Glauben an Jesus gefunden. Bruder William sagte mir: „Wir sind sehr dankbar für das Wirken von Ludwig Nommensen. Für uns ist er der ‚Apostel der Batak‘.“
     

    Was ist ein Apostel?

    „Apostel“, das genau ist der Titel, mit dem sich Paulus hier am Beginn seines Briefes an die Gemeinden in Galatien vorstellt.

    Der damaligen Gepflogenheit fürs Briefeschreiben folgend, beginnt der Brief mit der Nennung des Absenders.

    Das Wort „Apostel“ stammt vom griechischen Verb apostellô, zu Deutsch „senden“. Das entsprechende lateinische Verb lautet „missus“, gesendet; daher kommt der Begriff „Missionar“.

    Ein Apostel ist von der Wortbedeutung her also einfach „ein mit einer Botschaft Gesandter“.

    Im Sprachgebrauch des Neuen Testaments ist der Begriff „Apostel“ genauer eingegrenzt. Hier bedeutet „Apostel“ eine von Jesus Christus außergewöhnlich und persönlich beauftragte Person, um sein Evangelium in die Welt zu tragen.

    Jesus autorisiert die von ihm ausgewählten Apostel, sein Werk nach seiner Himmelfahrt fortzuführen. Die Verkündigung der Apostel und ihre Schriften, wie sie im Neuen Testament enthalten sind, legten den bis heute gültigen Grundstein für den christlichen Glauben. Durch das von den Aposteln verkündete Evangelium ruft Gott auch heute noch Menschen zum Glauben an Jesus. Alle an Christus gläubigen Menschen bilden gemeinsam die weltweite Kirche.

    In diesem Sinne bezeichnet sich Paulus als Apostel: „Paulus, ein Apostel, nicht von Menschen, auch nicht durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater“. Sorge um die Gemeinden in Galatien

    Im weiteren Verlauf des Briefes wird deutlich, warum Paulus seine göttliche Autorität als Apostel besonders betont.

    Die von ihm adressierten Gemeinden in Galatien entstanden vermutlich auf seiner ersten Missionsreise. Apostelgeschichte 14 berichtet vom mächtigen Wirken Gottes in Ikonium, Lystra und Derbe.

    Das alles ist nun schon ein paar Jahre her. Doch sehr dringend schreibt Paulus nun diesen Christen in Galatien einen Brief.

    Es sind Missstände in ihren Gemeinden entstanden, die zurechtgerückt werden müssen. Davon handelt der übrige Teil des Briefes, welcher auf diese Einleitung folgt.

    Lese ich den gesamten Galaterbrief, dann wird klar, dass nach der Abreise des Paulus andere, falsche Lehrer das Wort ergriffen haben. Sie stellen nicht nur die apostolische Autorität von Paulus infrage, sie haben auch die Botschaft verändert, die er ihnen damals gepredigt hat. Mit Schrecken stellt Paulus fest, dass daraus nun ein anderes Evangelium geworden ist.

    Die Predigt des Evangeliums von Jesus Christus – das ist doch die lebenslange große Leidenschaft von Paulus! Ständig erlebt Paulus die Kraft dieses Evangeliums. Viele Menschen kommen zum Glauben an Jesus Christus.
     

    Gnade und Friede – der Kern des Evangeliums

    Gerne hätte ich Paulus einmal bei einer seiner Predigten belauscht. Manchmal predigt er einfach an einer Straßenecke. Manchmal spricht er zu einer Versammlung frommer Gläubiger in einer Synagoge.

    In einem gewissen Sinn können wir Paulus tatsächlich beim Predigen zuhören. Denn hier, in den einleitenden Versen 3 bis 5, fasst Paulus diese ihm so wichtige Botschaft zusammen. Er sagt:

    „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“

    Gnade, welche zum Frieden mit Gott führt, und zwar durch Jesus Christus, das ist der Kern des Evangeliums.

    Gnade ist ein Wort, das ich im Alltag eher selten benutze.

    In einem theologischen Wörterbuch wird dieses Wort so erklärt: „Gnade bezeichnet die sich aktiv, frei und absolut ungeschuldet dem Menschen zuwendende Zuneigung Gottes; sowie die Wirkung dieser Zuneigung, in der Gott sich dem Menschen selber mitteilt.“

     

    Das hört sich für mich etwas kompliziert an. Aber eigentlich erklärt Paulus hier unmittelbar selbst, was er mit dieser „Gnade“, die zum „Frieden“ mit Gott führt, meint.

    Ich formuliere und erkläre die Verse 3 bis 5 nun mit eigenen Worten:

    Gnade, das ist das unverdiente Geschenk und Friedensangebot Gottes. Es wird an und in euch wirksam durch den Glauben an seinen Sohn – den Herrn Jesus Christus.

    Diese Welt steht ja mit ihrem Schöpfer seit langer Zeit auf Kriegsfuß. Die Menschen haben sich von Gottes Geboten abgewandt. Das bedeutet Schuld vor Gott. Auf Schuld folgt Strafe.

    Das betrifft jeden einzelnen Menschen – auch mich. Denn es gibt keinen Menschen, der ohne Sünde ist. Auch ich habe Gottes heilige Gebote übertreten und verdiene seine gerechte Strafe.

    In dieser aussichtslosen Lage hat Gottes Gnade einen Ausweg geschaffen.

    Aus Liebe sandte Gott seinen Sohn in diese Welt. Jesus Christus hatte selbst keine Schuld oder Sünde. Aber er hat sich freiwillig stellvertretend für die Sünden aller Menschen bestrafen lassen.

    Wenn ich meine Schuld erkenne und vor Gott bekenne und Jesus mein Leben anvertraue, dann vergibt Gott mir meine Schuld. Noch mehr als das: Durch Jesus Christus werde ich zu einem Kind Gottes.

    Das nun ist meine eigene, kurze Erläuterung zu den Worten des Paulus hier in seiner Einleitung zum Galaterbrief. Es ist mein Versuch, das Evangelium von der Gnade Gottes kurz zu erklären.

    Ein Geschenk der Gnade, das zum wahren inneren Frieden führt: Ich kenne kein attraktiveres Angebot in einer Welt, die zum Bersten gefüllt ist mit Schuld, Streit, Hass und Krieg.


    Worum geht es im Galaterbrief?

    Galater in 2min verstehen

     

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    Autor: Jan-Pierre van Rooyen

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  27. Wenn die Schlacke schmilzt

    9 min

    Der Bibeltext Psalm 138 – ausgelegt von Klaus Knödler. Schlacke in der SeeleManche stöhnen unter der Hitze dieses Sommers, andere genießen jeden sonnigen Tag in vollen Zügen.An einem solchen Sommertag denkt …

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    Der Bibeltext Psalm 138 – ausgelegt von Klaus Knödler.
    Schlacke in der Seele

    Manche stöhnen unter der Hitze dieses Sommers, andere genießen jeden sonnigen Tag in vollen Zügen.

    An einem solchen Sommertag denkt kaum jemand an den Winter, an die kalten Abende, an denen der Ofen wieder brennen muss. Wer mit Holz oder Kohle heizt, weiß: Regelmäßig muss die Schlacke aus dem Ofen entfernt werden, sonst brennt das Feuer nicht richtig.

    Schlacke gibt es aber nicht nur im Ofen. Auch meine Seele sammelt sie an – in Form von Enttäuschungen, Sorgen, unbewältigter Trauer, Überforderung und Erschöpfung.

    Der Psalm 138 spricht von einer anderen Art Schlacke: der Schlacke fremder Götter.  Namentlich werden sie nicht genannt, und doch erkenne ich sie in mir wieder, sobald etwas anderes als Gott meine Aufmerksamkeit beansprucht. Diese Götter treten selten offen auf. Sie schleichen sich ein, ziehen meinen Blick auf sich, lenken mich ab – bis die Ablenkung zur Flucht wird oder zum Ersatz für das, was eigentlich zählt.

    Und das verändert mich. Statt Frieden spüre ich Leistungsdruck. Ich fürchte, nicht gut genug zu sein. Neid und Vergleich bestimmen meinen Rhythmus. Selbst nach Erfolgen bleibt eine Leere zurück. Mit der Zeit werde ich einsam, erschöpft und frage mich, wozu das Ganze eigentlich gut ist.

    So wird die Seele schwer – wie ein Hochofen, in dem sich Schlacke auftürmt.

    Der Psalmbeter setzt dem etwas entgegen: Er richtet seine Verehrung nicht auf Götter, sondern auf seinen Gott. Was gibt er mir dabei weiter?
     

    Danke

    Obwohl die Götter sichtbar präsent sind, entscheidet er sich, Gott von ganzem Herzen zu danken und ihm zu singen. Kein langes Abwägen – er stimmt einfach an. Seine Stimme wird zum Werkzeug des Lobes.

    Denn dieser Gott lebt. Er handelt, er regiert, er umarmt, er hilft. Anders als die stummen, reglosen Götter sitzt er nicht teilnahmslos da – er greift ein. Er starrt niemanden mit leerem Blick an, sondern sieht die Not jedes Einzelnen. Er lenkt nicht vom Wesentlichen ab, sondern schenkt echte Aufmerksamkeit.

    Wer dankt und singt mit Herz und Mund, richtet seinen Blick auf Gott. Wer lobt, öffnet sich für sein Wirken. Wer seine Stimme erhebt, tritt in seine Nähe. So wird Dank zu einem Gebet – ganz im Sinne dessen, was Abraham Joshua Heschel einmal sinngemäß festhielt: Beten ziele weniger auf das Bitten als auf das Loben und Singen, weil der Mensch ohne ein Lied nicht leben könne.
     

    Bete an

    Der Psalmbeter geht noch weiter: Er beugt sich vor Gott und preist ihn für seine Güte und Treue – Eigenschaften, die der Beter selbst erfahren und erkannt hat. Gottes Liebe ist unerschöpflich, und seine Treue zeigt sich darin, dass er sich selbst offenbart: wer er ist, wie er ist, und dass er ihm vertrauen darf.

    Wer anbetet und den Namen Gottes preist, richtet seine Aufmerksamkeit auf ihn.
     

    Von Gottes Handeln erzählen

    Doch der Beter bleibt nicht beim Loben stehen – er berichtet, wie Gott auf sein Rufen antwortet. Türen öffnen sich, Wege zeigen sich, neue Perspektiven entstehen. Manchmal fragt Gott auch einfach nach und wartet auf eine Antwort.

    Daraus schöpft die Seele Kraft. Denken, Fühlen und Handeln werden von der Gewissheit getragen: Gott ist da, er sieht mich, er hilft. Mit dieser Zuversicht lassen sich auch schwierige Schritte gehen.

    Besonders gilt: Gott sieht die, die am Rand stehen – gesellschaftlich, menschlich, in Beziehungen. Ihnen gilt sein Blick, seine Fürsorge, seine Nähe. Wo Stolze den Ruf anderer beschädigen wollen, greift er ein.  Keine Angst ist ihm zu groß, kein Schmerz zu klein. Gerade in der Enge weitet er den Horizont: Er stärkt die Verletzten, hält die Resignierten am Leben, geht den Ursachen schlafloser Nächte auf den Grund und stellt sich denen entgegen, die Angst verbreiten. Ihr zorniges Auftreten behält nicht das letzte Wort – Gottes Hilfe schon.

    Niemand ist für Gott erledigt. Jeder Einzelne ist Grund genug, dass er handelt, um seine Liebe erfahrbar zu machen.

    Wer von Gottes Handeln erzählt, richtet seinen Blick auf ihn.
     

    Blicke weiter

    Diese Erfahrung macht der Beter nicht nur für sich allein. Er sieht über den eigenen Tellerrand: Könige danken für Gottes Weisungen, Regierende hören auf seine Stimme, ganze Völker erkennen Schritt für Schritt seine Größe und seinen Ruhm.

    Wer den Blick weitet und Gottes Wirken auch dort entdeckt, wo man es nicht vermutet, richtet sich auf ihn aus.
     

    Das Feuer neu entfachen

    Ich begann mit der Hitze, mit der Schlacke in unserem Leben. Legt sie sich über unser geistliches Leben, erlischt das Feuer der Leidenschaft – und mit ihm die Achtsamkeit gegenüber Gott. Der Psalm zeigt mir: Die Schlacke löst sich, wenn ich achtsam bin für Gott und ihn lobe.

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    Autor: Klaus Knödler

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  28. Zwischen Staub und Ewigkeit

    11 min

    Der Bibeltext Prediger 12,1-14 – ausgelegt von Dorit-Christina Thielmann. Ein Geburtstag bis MitternachtIm August ist unsere Tante 90 Jahre alt geworden. Das war eine besondere Geburtstagsfeier. Die Familie …

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    Der Bibeltext Prediger 12,1-14 – ausgelegt von Dorit-Christina Thielmann.
    Ein Geburtstag bis Mitternacht

    Im August ist unsere Tante 90 Jahre alt geworden. Das war eine besondere Geburtstagsfeier. Die Familie hatte beschlossen, nicht einfach nur am Geburtstag selbst zu feiern, sondern hineinzufeiern. Also ging es schon mit einem Kaffeetrinken am Nachmittag des Vortages los. Mit Zusammensitzen, Erzählen, Bilderanschauen. Zum Abend wurde gegrillt und so langsam verabschiedete sich schon der eine oder andere nach einem langen Arbeitstag und ging ins Bett. Auch ich war hundemüde.

    Ich hatte es nicht wirklich erwartet: Unsere Tante hielt tatsächlich bis Mitternacht durch. Sie blieb munter und fröhlich. Um 0 Uhr wurde gratuliert: „Herzlichen Glückwunsch zum 90.!“ Das hat mich schon ziemlich beeindruckt.

    Ob ich wohl im Alter noch so fit sein werde? Und überhaupt – wie ist das mit dem Älterwerden? Wann fange ich an, alt zu werden? Das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns gibt dazu folgende Information: „Typische Anzeichen des Alterns, wie Falten oder nachlassende Leistungsfähigkeit, können schon mit 20 Jahren auftreten.“
     

    Schonungslos ehrlich: Das Alter in Bildern

    Tatsächlich widmet die Bibel im Buch Prediger dem Altwerden das letzte Kapitel. Der Schreiber macht dabei etwas, was ich vielleicht gar nicht so gerne höre: Er beschönigt das Alter nicht. Er beschreibt in poetischen Bildern das, was ich im Alter erlebe: die Veränderungen des Körpers.

    „Ein Haus“ nennt er den menschlichen Körper. „Die Hüter des Hauses zittern, die Starken krümmen sich“, das kann heißen, das Stehen und Gehen wird mühsam, die Hände zittern und die Kräfte lassen nach. Die „Müllerinnen“ sind ein Bild für die Zähne, die weniger werden. Der Prediger spricht davon, dass die Augen schwächer werden, also die „Fenster des Hauses“. Auch das Hören lässt nach: Die „Türen an der Gasse“ schließen sich, die „Stimme der Mühle“, also die Stimme und die Worte, werden leiser. Dann kommt das weiße Haar – bei manchen schon sehr früh –, der Prediger vergleicht es mit einem blühenden Mandelbaum. Ein schönes Bild. Ja, die Zeit geht weiter.

    Der Prediger beschreibt die Ängste des Alters. Man fürchtet sich davor, zu stürzen. Man wird vorsichtiger. Manche Wege werden plötzlich zu einer möglichen Gefahr. Und auch die dunkleren Seiten des Alters für die Psyche werden angedeutet: Einsamkeit, innere Niedergeschlagenheit, vielleicht Zeiten, in denen das Leben schwer auf der Seele liegt.

    Kurzum: Der Körper wird schwächer. Das Leben wird zerbrechlicher. Unsere Möglichkeiten werden weniger. „Die silberne Schnur“, der Lebensfaden, zerreißt. Der Prediger beschreibt mit seinen Bildern hier sogar das Sterben: Die Funktionen unseres Körpers hören auf. „Der Eimer zerschellt an der Quelle“: Das Herz hört auf zu schlagen. Der Kreislauf kommt zum Stillstand. Das Leben geht zu Ende. Und dann kommt der endgültige Satz: „Denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt.“
     

    Denk an deinen Schöpfer

    Und plötzlich wird deutlich: Wir sind hier nicht für immer. Wir sind unterwegs. Unser Leben hier ist vorübergehend. Umrahmt ist diese ganze Beschreibung des Lebens von der Botschaft: „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugendzeit.“ – Denk an deinen Schöpfer. Der Prediger gibt hier nicht Anweisungen, wie Sie noch mehr vom Leben haben können. Er sagt: Denken Sie an den, der Sie geschaffen hat. Vergessen Sie auf diesem Weg nicht, wem Sie Ihr Leben verdanken. Denn: „Der Staub kehrt zur Erde zurück, wie er gewesen ist, und der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat.“ Ja, der Körper kehrt zur Erde zurück. Aber der Mensch verschwindet nicht einfach im Nichts.

    Das Buch Prediger lässt uns hier wie vor einer offenen Tür stehen: Der Lebensgeist kehrt wieder zu Gott zurück, aus dem er kam. Der Mensch wird vor seinem Schöpfer stehen am Ende seiner Zeit. Und als Christen wissen wir an dieser Stelle mehr, weil wir Jesus kennen. Wir wissen: Wir dürfen unserem Schöpfer durch Jesus Christus als unserem Vater begegnen.
     

    Worte, die Halt geben – der gute Hirte geht mit

    Dieser Abschnitt hat ja so klar und schonungslos beschrieben, was mit dem Leben und besonders auch mit dem Körper passiert, wenn ich alt werde. Aber darüber steht nun die viel tiefere Frage: Wer begleitet mich, wenn ich nichts mehr selbst in der Hand habe? Der Vers 11 antwortet: Die Worte der Weisen. Aber sie sind wie Stacheln. Gemeint ist ein spitzer Stock, mit dem man ein Tier beim Pflügen in die richtige Richtung bringt. Die Worte wollen uns bewegen und auch korrigieren, wenn wir in die falsche Richtung laufen. Und sie sind wie „eingeschlagene Nägel“. Ein Nagel gibt Halt. An ihm kann etwas festgemacht werden.

    So sind Gottes Worte. Sie wollen uns nicht einfach nur informieren, sondern sie wollen uns führen. Sie wollen uns voranbringen und uns Halt geben. Es ist so wertvoll, Gottes Worte kennenzulernen und sie immer wieder (z. B. zu einer täglichen Zeit) zu betrachten. Gerade im Blick auf das Älterwerden denke ich: Wir dürfen uns über die Jahre beschenken lassen mit Worten, die begleiten und Halt geben.

    Alle diese Worte sind von einem Hirten gegeben. Der Prediger spricht ganz bewusst vom „einen Hirten“. So fürsorglich ist mein Schöpfer. Er ist der Hirte, der mich führt. Der mich festhält und nicht aus den Augen verliert. Im Psalm 23 heißt es: „Der Herr ist mein Hirte.“ Und Jesus sagt von sich selbst: „Ich bin dieser gute Hirte.“ (Johannes 10,11) Der gute Hirte kennt seine Schafe mit Namen, und die Schafe kennen seine Stimme und vertrauen ihm.

    Ich denke noch einmal an den 90. Geburtstag unserer Tante. An die Feier bis Mitternacht. Wir wissen nicht, wie viele Geburtstage uns noch geschenkt werden. Wir wissen nicht, wie unsere letzten Jahre aussehen werden. Ja, das Älterwerden lässt sich nicht beschönigen. Aber der gute Hirte verändert meinen Blick auf das Leben und speziell auf das Älterwerden. Er geht mit.

    Das Buch Prediger endet mit den Worten: „Fürchte Gott und halte seine Gebote.“ Das Ziel, dem ich entgegengehe, ist mein Schöpfer und Erlöser. Am Ende werden alle unsere Taten vor Gott ausgebreitet sein. Und wenn ich zu Jesus Christus gehöre, dann weiß ich: Er hat für mich alles getan. In ihm bin ich freigesprochen. Er steht für mich ein. Der, dem ich im Leben vertraut habe, wird mich auch im Tod nicht loslassen.

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    Autor: Dorit-Christina Thielmann

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  29. Nutze den Tag!

    11 min

    Der Bibeltext Prediger 11,1-10 – ausgelegt von Hans-Jürgen Lieber. Seit Anbeginn der Zeiten rätselten die Menschen, was das Leben sei. Und was man daraus machen sollte. Denn endlos ist es leider nicht. Also …

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    Der Bibeltext Prediger 11,1-10 – ausgelegt von Hans-Jürgen Lieber.

    Seit Anbeginn der Zeiten rätselten die Menschen, was das Leben sei. Und was man daraus machen sollte. Denn endlos ist es leider nicht. Also sollte man seine Lebenszeit nutzen. Carpe diem! Nutze den Tag! Ein Sinnspruch für alle Zeiten und Generationen. Aber wie? Ratgeberbücher wie heute, gab es in vielfältiger Form schon früh. Die Totenbücher der Pharaonen gaben Rat, wie die bange Seele das Totengericht überstehen kann. Man musste die richtigen Antworten geben. Oder verdammt werden. Denn weder Amulette noch Talismänner boten Schutz. Noch früher ca. 2600 v. Chr holte man sich Lebenshilfe aus Heldengeschichten. König Gilgamesch aus Uruk, dem biblischen Ninive, hätte Vorbild sein können. Ihm sagte man: „Wir Menschen sind keine Götter, wir können nicht zum Himmel aufsteigen. Nein, wir sind Sterbliche. Nur die Götter leben ewig. Unsere Tage sind gering an Zahl, und was immer wir erreichen, ist nur ein Windstoß.“ Gilgamesch S.38 Goldmann ARKANA

    So sah es wohl tausend Jahre später auch der Prediger in der Bibel. „Denn wenn der Mensch viele Jahre lebt, so sei er fröhlich in ihnen allen und denke an die finsteren Tage, dass es viele sein werden, denn alles, was kommt, ist eitel.“ Vers. 8 Der Prediger nennt es eitel, was gleichbedeutend mit flüchtig wäre.  Die Erkenntnis bleibt. Mache etwas aus deinem Leben, das dir nur einmal gewährt wird.
     

    Gute Taten und Vertrauen in Gottes Führung

    Dazu zählt der Prediger vielerlei Möglichkeiten auf. Gewinne dir Freunde durch gute Taten. Wenn auch deine guten Werke am Anfang noch keine Früchte tragen, dann warte es einfach ab. „Lass dein Brot über das Wasser fahren, denn du wirst es finden nach langer Zeit.“

    Menschen reagieren unterschiedlich auf Zuwendung. Manche merken es erst spät. Ihr Dank kommt dann eher unerwartet. Wie Dank überhaupt, wenn er denn kommt. Vielleicht soll man seine guten Taten streuen unter sieben oder acht Empfänger? (Vers 2)

    Das mindert das Risiko einer Enttäuschung. Und vergrößert die Chance eines Dankes? Wir kennen Gottes Handeln nicht. Er lässt uns gewähren. Was immer wir für richtig halten.

    Gott der Herr lässt regnen, wann es ihm gefällt, mögen die Wetterpropheten auch eigene Rechnungen anstellen. Auch die Windrichtungen wissen wir nicht im Voraus. Wohin die Bäume fallen könnten, ist ungewiss. Trotz aller Vorkehrungen sind immer Überraschungen möglich. Das haben uns die Windbrüche der letzten Jahre gelehrt. Trotzdem rät der Prediger, nicht vor Angst die Hände in den Schoß zu legen. Nichtstun bringt keinen weiter.
     

    Arbeit, Vorsorge und der Wert der Zeit

    Ein Bauer muss seine Felder bestellen, wenn er eines Tages ernten will. „Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer die Wolken sieht, der erntet nicht.“ (Vers 4)

    Das bäuerliche Leben bleibt unsicher. Fleiß und Vorsorge mögen das Risiko von Missernten eindämmen. Ausschließen kann man es nicht. Auch ohne Erfolgsgarantie muss die Arbeit erledigt werden. Bei jedem Wetter. Mit Gottvertrauen mag es leichter sein.

    In bäuerlichen Gemarkungen kann man hin und wieder Hagelkreuze finden. Als Erinnerung an Unwetter verbunden mit der Bitte an Gott, vor Unwettern zu bewahren. Bittprozessionen durch die Felder stärken die Gläubigen. Sie sollten sich von Hagelwolken nicht abschrecken lassen. Gott wird es schon richten. – Genauso wäre anzuraten, am Ball zu bleiben, das gute Wetter zu nutzen und seine Feldbestellung vorantreiben. Ja, auch, solange die Kraft dazu reicht. Seine Gesundheit also nutzen.

    Das meint auch der Prediger, wenn er daran erinnert: „Am Morgen säe deinen Samen, und lass deine Hand bis zum Abend nicht ruhen, denn du weißt nicht, was geraten wird.“ (Vers 6)

    Die kostbare Lebenszeit kann wie in einer Sanduhr verrinnen. „Tempus fugit“ – „Die Zeit flieht“ stand mahnend über dem Portal meiner Frankfurter Universität. Nutzt die Zeit, Studenten!
     

    Ziele, Verantwortung und Lebensfreude

    Ein weiterer Rat des Predigers ist: Mach dich an die Arbeit, auch „wenn du nicht weißt, was geraten wird, ob dies oder das oder ob beides miteinander gut gerät.“ (Vers 6). Weil das Leben nun mal einmalig ist. Also immer ein Ziel setzen und versuchen, es zu erreichen.

    Das rät auch der Prediger mit seinen Worten mit Blick auf die Lebenszeit. „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen.“ Strebe Ziele an, suche Erfolg und bleib dabei munter.

    Das ist nicht ganz einfach. „Tu, was dein Herz gelüstet, und deinen Augen gefällt.“ (Vers 9)

    Man sollte sich den Beruf suchen, der einen erfüllt und fordert. Der die eigenen Fähigkeiten entfalten lässt. Das ist ein wunderbarer Rat, der so richtig wie auch schwer ist. Oft weiß man ja nach Jahren erst, ob man den richtigen Beruf gewählt hat.

    Da spielen auch Zufälle eine Rolle. Oder Menschen, die mehr in einem sehen, als man selbst für möglich hält. Sie können die Hand Gottes sein, der aus dem Hintergrund lenkt. Denn Gott wird uns einst Fragen stellen, wie wir unser Leben genutzt haben. Haben wir seine stillen Hinweise immer verstanden? Denn „Wisse, dass dich Gott um alles vor Gericht ziehen wird.“ (Vers 9)

    Da können wir nur auf Barmherzigkeit hoffen. Denn nicht jeder Mensch hat alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Sollte jedoch vieles wenigstens versucht haben. Der Wille muss da sein.

    Auch sollte man auf seine Gesundheit achten, dass sie nicht Schaden nehme. „Halte fern das Übel von deinem Leibe, denn Kindheit und Jugend sind eitel.“ (Vers 10)

    Ja, die besten Jahre im Leben sind flüchtig, also eitel. Gott legt alles in unsere Verantwortung. Das traut er uns schwachen Menschen immerhin zu. Dabei „dürfen wir unserem Leib auch Gutes tun, damit sich unsere Seele wohl darin fühlt“. Diese Ermunterung hat uns eine Geistliche, die Äbtissin Teresa von Ávila, gegeben. Sie wusste immer wieder, was im Einklang mit Gott richtig war.

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    Autor: Hans-Jürgen Lieber

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  30. Im Dunkeln wächst Vertrauen

    10 min

    Der Bibeltext Prediger 7,1-14 – ausgelegt von Thomas Powilleit. 1. Vom Tod überrascht„Der Peter ist tot“, hörte ich am anderen Ende der Leitung. Was? Ich hatte doch noch vor Kurzem mit ihm gesprochen. Ja …

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    Der Bibeltext Prediger 7,1-14 – ausgelegt von Thomas Powilleit.
    1. Vom Tod überrascht

    „Der Peter ist tot“, hörte ich am anderen Ende der Leitung. Was? Ich hatte doch noch vor Kurzem mit ihm gesprochen. Ja, morgens lag er tot im Bett. Völlig unerwartet. Ich war geschockt. Peter – sein richtiger Name lautet anders – stand mitten im Leben, mitten im Beruf. Jetzt ist er nicht mehr da. Von einer Minute auf die andere.

    Kennen Sie auch solche Situationen, in denen Sie vom Tod eines Menschen überrascht worden sind?

    Vielleicht auch deshalb, weil man über den Tod kaum noch spricht. Er wird mehr und mehr zum Tabuthema. Dabei ist nichts sicherer als der Tod. Er wird auch mich erreichen – egal, ob ich ihn ignoriere oder verdränge.
     

    2. Warum das Trauerhaus weiser macht als das Festhaus

    Deshalb ist der Rat Salomos ein weiser Rat: „Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen! Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert.“ (Prediger 7,2-3)

    Es ist also besser, auf Beerdigungen zu gehen als auf Hochzeiten. Beerdigungen helfen mir, an mein eigenes Ende zu denken. Wenn ich weiß: Schon morgen könnte mein Leben zu Ende sein, dann werde ich mein Tun heute anders bewerten. Wie unwichtig werden manche Dinge, die heute noch zentral für mich sind, wenn ich weiß: Ich werde bald sterben.

    Wenn ich mich mit meinem Tod beschäftige, werde ich Entscheidungen treffen, die von größerer Tragweite sind. Ich werde mein Leben aufräumen, Beziehungen wieder in Ordnung bringen.

    Im Trauerhaus treffe ich auch auf Leute, die meinen Beistand brauchen. Hier geht es um tiefgründige Gespräche: Trauer lindern und Trost geben.

    Aber gerade im Angesicht des Todes wird meine Hoffnung sichtbar. Als Christ glaube und bekenne ich: Ich werde nicht im Grab bleiben, sondern auferstehen und dem wiederkommenden Christus entgegengehen.

    Woher weiß ich das? Vom Apostel Paulus. Der hat die Thessalonicher ermahnt, sich daran immer wieder zu erinnern, damit sie nicht betrübt sind wie die Menschen, die keine Hoffnung haben (1. Thessalonicher 4,13).

    Deshalb kann ich auch die Gelegenheit nutzen, zur Beerdigung von Bekannten und Arbeitskollegen zu gehen. Hier kann ich mittrauern. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann ich aber auch davon reden, dass Jesus in meinem Leben das letzte Wort hat und nicht der Tod.
     

    3. Der Tag des Glücks – und die Grenzen des Lachens

    Salomo redet in unserem Text aber nicht nur vom Tod. Er redet in Vers 14 auch vom Tag des Glücks. Damit ermutigt er jeden, der mit Gott unterwegs ist, sich an dem zu freuen, was Gott an Gutem in unser Leben hineinlegt. Auch wenn die Quelle unseres Glücks Gott selbst ist, gibt es doch vieles, was wir genießen können, worüber wir uns von Herzen freuen dürfen. Doch bei aller Freude sollten wir nie vergessen, von wem diese Freude kommt, wer uns mit Glück überschüttet. Salomo erinnert uns daran: Das ist das Werk Gottes.

    Schon im ersten Teil unseres Textes irritiert, dass Salomo das Lachen und die Freude auch negativ darstellt: „Trauern ist besser als Lachen“, „Das Herz der Toren ist dort, wo man sich freut“. Hier ist es wichtig zu verstehen: Das ist kein Widerspruch zu den Versen vorher, die davon reden: Gott gibt uns Glück, zu dem sehr oft auch Lachen gehört. Salomo geht es nicht darum, dass wir grundsätzlich nicht lachen dürfen.

    Lachen steht hier mehr für die Oberflächlichkeit, mit der man das Leben ansehen kann. Salomo redet hier nicht gegen das Lachen, sondern gegen Vergnügungssucht und Spaßmentalität, mit denen die tiefen Lebensfragen verdrängt werden.

    Salomo empfiehlt uns, dem Lachen kein zu großes Gewicht in unserem Leben zu geben, sprich: Wir sollen das Leben nicht oberflächlich nehmen.

    Ich kenne das: Wenn man auf einer Party miteinander feiert, gibt das eine gewisse Verbundenheit.

    Aber Gespräche über Lebensfragen hallen noch sehr lange in unserem Kopf und im Kopf unseres Gesprächspartners nach. Hier kann eine Tiefe entstehen, die in einer „Feier-Umgebung“ in der Regel gar nicht möglich ist. Im Grunde genommen ermahnt Salomo mich, solche tiefen Gespräche zu suchen und für solche Gespräche offen zu sein.
     

    4. „Du darfst das“ – Gott vertrauen, auch ohne Antwort

    Im letzten Vers des Abschnitts verweist Salomo auf die Größe Gottes. Wenn ich als Mensch Unglück erleide, sagt das nichts darüber aus, ob Gott gut ist oder schlecht. Oft hilft es mir schon in meinem Leid, wenn ich nach dem Sinn suche, den Gott in mein Leid hineingelegt hat. Damit leide ich zwar immer noch unter der Situation, aber es wird erträglicher.

    Manchmal gibt es aber auch keinen offensichtlichen Sinn. Ich denke an einen jungen Mann, der mit seinem Auto trotz angepasster Geschwindigkeit ins Schleudern gerät und dabei einen Fahrradfahrer tödlich verletzt. Man denkt: Wäre der Fahrradfahrer schon zwei Meter weiter gewesen oder der junge Mann eine Minute später an diesen Ort gekommen, dann wäre dieses Unglück nicht passiert.

    Salomo sagt: Am Tag des Unglücks bedenke: Auch diesen hat der HERR gemacht. Salomo wusste offensichtlich schon vor 3000 Jahren, dass wir Menschen uns schwer damit tun, wenn wir keinen Sinn hinter einem Unglück erkennen können.

    Den einzigen Rat, den Salomo in all seiner Weisheit geben kann, lautet: Der Mensch soll nicht wissen, was künftig ist. Der Mensch weiß also nicht, ob später die Absicht Gottes klarer werden wird. Gott ist souverän. Deshalb handelt Gott gerecht, auch wenn ich es nicht verstehe.

    Der Essener Jugendpfarrer Wilhelm Busch wurde vor ca. 90 Jahren Zeuge eines der verheerenden Fliegerangriffe auf Essen. Er hat die Welt und auch Gott nicht mehr verstanden.

    Dann erinnerte er sich an ein Wort Gottes: „Ist ein Unglück in der Stadt, das der HERR nicht tut?“ (Amos 3,6). Das brachte Busch dann zu der Aussage: „Gott, auch wenn ich nicht verstehe, warum das hier passiert – Du darfst das. Du darfst auch unser Haus anzünden.“

    Diese Haltung wünsche ich mir auch: gerade bei schweren Lebensführungen zu wissen: Auch diese für mich schwere und böse Situation hat Gott geschaffen. Gott darf das in meinem Leben.

    Möge Gott uns durch alle Tod-, Leid- und Trauererfahrungen diesen Blick immer wieder schenken. Diese Erfahrungen sind oft Erfahrungen, durch die wir Gott selbst tiefer und besser kennenlernen können.

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    Autor: Thomas Powilleit

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